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Dienstag, 07. Juli 2020
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Geschrieben von Christian Dolle am 17. September 2016
Kultur und mehr

Ausgesuchte Krimi-Leckerbissen

Mordsharz 2016: Alexandra Kui, Hardy Crueger, Friedrich Ani und Die drei ??? in Wernigerode

In Wernigerode gab es am Abend drei Autoren (von links): Hardy Crueger, Alexandra Kui und Friedrich Ani.
In Wernigerode gab es am Abend drei Autoren (von links): Hardy Crueger, Alexandra Kui und Friedrich Ani.
Schon am Nachmittag gab es Drei ???: Während Christoph Dittert las, machte Jörg Klinkenberg die Geräusche.
Schon am Nachmittag gab es Drei ???: Während Christoph Dittert las, machte Jörg Klinkenberg die Geräusche.
Alexandra Kui las aus „Rabenseele“.
Alexandra Kui las aus „Rabenseele“.
Hardy Crueger las aus „Die Stunde der Flammen“.
Hardy Crueger las aus „Die Stunde der Flammen“.
Friedrich Ani las aus „Nackter Mann, der brennt“.
Friedrich Ani las aus „Nackter Mann, der brennt“.
Gebanntes Publikum im Wernigeröder Rathaussaal…
Gebanntes Publikum im Wernigeröder Rathaussaal…
…in dem Jörg Klinkenberg akustische Welten zauberte.
…in dem Jörg Klinkenberg akustische Welten zauberte.
Hardy Crueger als Schauspieler: Mit Fantasie wird aus einer Tasse schon mal ein Smartphone.
Hardy Crueger als Schauspieler: Mit Fantasie wird aus einer Tasse schon mal ein Smartphone.

Friedrich Ani, Alexandra Kui und Hardy Crueger haben in Wernigerode für die dritte lange Kriminacht beim Mordsharz-Festival 2016 gesorgt. Ihre Bücher sind sehr unterschiedlich und doch fügten sie sich am Freitagabend (16.09.2016) irgendwie zu einem Ganzen. Kui und Ani verzichten auf die krimitypische Erzählstruktur mit einem Ermittler im Mittelpunkt und schildern ihre Geschichten auf ihre ganz eigene Weise. Crueger und Kui lassen ihre Fälle im Harz spielen, obwohl beide Autoren keine klassischen Harzautoren sind. Und Ani und Crueger wiederum verbindet, dass in ihren Romanen Geistliche und spezielle Glaubensauffassungen eine nicht unwichtige Rolle spielen.

 

Nicht Theater, nicht Kino – ein bisschen Lesung

Bevor die drei Autoren in der Remise lasen, gab es gegenüber im Rathaussaal allerdings noch ein besonderes Highlight. Die drei ??? wurden von Autor Christoph Dittert und Geräuschemacher Jörg Klinkenberg präsentiert. „Theater... ist es nicht. Kino... ist es auch nicht. Eine Lesung... ist es ein bisschen“, kündigte Christoph Lampert, neben Susanne Kinne und Roland Lange einer der Organisatoren des Festivals, dieses besondere Event an. Besonders, weil Christoph Dittert aus seinem Drei-???-Buch Der gefiederte Schrecken las und Jörg Klinkenberg dazu live die Geräusche machte.

Kinder wie Erwachsene hörten den beiden fasziniert zu, denn sie zauberten ein riesiges Aquarium, das seltsame Vogelwesen und später sogar Graf Dracula auf die Bühne. Zumindest bei geschlossenen Augen. Mit offenen Augen waren es allerlei Alltagsgegenstände, denen der Geräuschemacher die unglaublichsten Sounds entlockte und selbst der Vampirfürst entpuppte sich als simple Paprika.

(Christoph Dittert und Jörg Klinkenberg sind am Samstag um 15 Uhr auch noch einmal im Kurhaus Bad Lauterberg zu erleben.)

 

Durchgeknalltes und Gänsehaut für jeden Geschmack

Ganz so bildlich ging es am Abend dann nicht zu, auch wenn die drei Autoren die Fantasie ihrer Zuhörer, insbesondere ihre dunklen Abgründe, ebenfalls forderten. In Rabenseele von Alexandra Kui ging es um eine Frau, die für den Mord an ihrem Ehemann verurteilt wurde und die auch nach einigen Jahren hinter Gittern von der Vergangenheit nicht losgelassen wird. Auffällig an Kuis Roman ist insbesondere ihr Spiel mit Sprache und die kalte Harzstimmung, so dass gleich zu Beginn auch die Natur selbst zur Erzählerin wird. „Ich mache gerne Prologe, die so ein bisschen durchgeknallt sind“, erläuterte sie.

Durchgeknallt sind in Hardy Cruegers Die Stunde der Flammen vor allem einige Nebenfiguren, die der Autor durch pointiertes Lesen, eigentlich eher Schauspiel, bildlich auf die Bühne brachte. Doch das Lachen über diese schonungslos beschriebenen, sehr lebensechten Typen, blieb vielen im Halse stecken, als er ihnen Szenen gegenüberstellte, in denen ein junges Mädchen in einem dunklen Keller von ihren Entführer auf subtile und perfide Weise gequält wird.

Bei Friedrich Ani stellte sich die Gänsehaut vor allem dadurch ein, dass er in seinem Nackter Mann, der brennt nicht alles direkt ausspricht, sondern viele Details der Geschichte um Missbrauch und Schuldgefühle, die Kinder bis ins Erwachsenenalter verfolgen, der Fantasie überlässt. Dadurch ist der Roman im besten Sinne sehr literarisch, sprachlich ausgefeilt und voller sehr real erscheinender Schrecken, der einen tiefen Einblick in die gequälte Seele der Hauptfigur gewährt.

Somit war der Freitag ein Festivaltag voller Highlights, für jeden Geschmack gab es echte Leckerbissen und insgesamt wurden die Bandbreite und nicht zuletzt auch die Qualität des Genres Krimi aufgezeigt.

 

So war der Mordsharz-Auftakt in Wernigerode.

So war der zweite Tag in Goslar.

Den weiteren Tathergang des Mordsharz-Festivals finden Sie hier.


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