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Mittwoch, 08. Juli 2020
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Geschrieben von Christian Dolle am 18. September 2016
Kultur und mehr

Der Harz hat mehr zu bieten, als die Polizei erlaubt

Mordsharz 2016: Das große Finale in Bad Lauterberg mit den Drei ???, Krischan Koch, Rüdiger A. Glässer, Vincent Kliesch und Andreas Föhr

Spurensicherung nach Leichenfund im Kurhaus: Rüdiger Glässer untersucht den Tatort Kursaal-Bühne.
Spurensicherung nach Leichenfund im Kurhaus: Rüdiger Glässer untersucht den Tatort Kursaal-Bühne.
Es hörte sich echt an und sah echt aus: Christoph Dittert verkloppt den störenden Christoph Lampert, Jörg Klinkenberg (ganz links) gibt den richtigen Sound.
Es hörte sich echt an und sah echt aus: Christoph Dittert verkloppt den störenden Christoph Lampert, Jörg Klinkenberg (ganz links) gibt den richtigen Sound.
Krischan Koch kam aus dem hohen Norden in den Harz.
Krischan Koch kam aus dem hohen Norden in den Harz.
Lokalmatador Rüdiger Glässer präsentierte seinen neuen Harzkrimi.
Lokalmatador Rüdiger Glässer präsentierte seinen neuen Harzkrimi.
Vincent Kliesch lebt in der Hauptstadt und ist in Bad Lauterberg gern gesehener Gast.
Vincent Kliesch lebt in der Hauptstadt und ist in Bad Lauterberg gern gesehener Gast.
Andreas Föhr war aus München angereist.
Andreas Föhr war aus München angereist.
In diesem Jahr bot der Bad Lauterberger Kursaal das richtige Mordsharz-Ambiente.
In diesem Jahr bot der Bad Lauterberger Kursaal das richtige Mordsharz-Ambiente.
Der Kern des Mordsharz-Teams (von links): Roland Lange, Susanne Kinne und Christoph Lampert.
Der Kern des Mordsharz-Teams (von links): Roland Lange, Susanne Kinne und Christoph Lampert.

Zum ersten Mal hat es eine Leiche auf der Mordsharz-Bühne gegeben, zum ersten Mal eine Prügelei und zum ersten Mal ist die Horrorgeschichte eines Zwölfjährigen vorgelesen worden. Im Bad Lauterberger Kursaal fand das diesjährige Krimifestival am Samstag (17.09.2016) seinen würdigen Abschluss – denn würdig bedeutet bei Mordsharz vor allem ungewöhnlich, abwechslungsreich und einzigartig.

 

Zwischen Büttenwarder, Stenkelfeld und ganz realen Orten im Harz

Den Anfang an diesem Tag machten noch einmal Die drei ???, genauer gesagt Christoph Dittert und Jörg Klinkenberg. Mit ihrer vertonten Lesung und insbesondere einer gestellten – und mit zu splitternden Knochen passenden Geräuschen untermalten –Prügelszene wussten der Autor und der Geräuschemacher diesmal auffallend viele erwachsene Zuhörer zu begeistern. Das mag daran liegen, dass es für gute Geschichten und hervorragend gemachte Bühnenshows eben keine Altersgrenze gibt.

Das gilt offenbar auch für die Arbeit bei einer Telefonhotline, von der Krischan Koch in seinem Nordfrieslandkrimi Dreimal tote Tante erzählt. Er lieferte gleichermaßen eine Parodie auf die harten skandinavischen Krimis wie auch eine mit spitzer Zunge beschriebene Milieustudie eines Dorfes, das irgendwo zwischen Büttenwarder und Stenkelfeld zu liegen scheint.

Die Orte in Rüdiger Glässers Feuerfalke lassen sich sehr viel genauer lokalisieren, denn sie liegen ganz in der Nähe von Bad Lauterberg, und auch wo sich die Salamanderhöhle befindet, in der in seinem Buch eine Leiche gefunden wird, könnte der Autor seinem Publikum zeigen. Das tat er zwar nicht, doch er erläuterte anhand echter Polizeiutensilien die Arbeit der Spurensicherung am Tatort. Die Leiche war natürlich nicht echt, sondern nur gespielt.

 

Selbstironie, genüssliche Polemik und süffisanter Humor

Ebenso gespielt ist Vincent Klieschs Begeisterung für sein eigenes schriftstellerisches Genie, die sich während seiner mehr als unterhaltsamen Lesung als Selbstironie entpuppt. Trotzdem (oder gerade deshalb) vermochte er mit seinem aktuellen Roman Im Augenblick des Todes zu begeistern, fast noch mehr allerdings mit einer Horrorgeschichte, die er als Zwölfjähriger geschrieben hatte und die er jetzt nach allen Regeln der Kunst literarisch und voller genüsslicher Polemik zerpflückte.

Deutlich subtiler ist der Humor in Andreas Föhrs Eisenberg, der sich vor allem im Kontrast zur sonst nüchternen und detailgenauen Erzählweise des Autors zeigt. Damit gelang dem gelernten Juristen eine gleichermaßen feinsinnige wie spannende Lesung um seine als gut bezahlte Anwältin tätige Hauptfigur, die es plötzlich mit einem Klienten aus dem Obdachlosenmilieu zu tun bekommt. Durch einige süffisante Beschreibungen dieses Auseinanderklaffens zwischen Arm und Reich machte Föhr ebenso wie alle anderen Autoren Lust auf mehr und auf den kompletten Roman.

 

Nach dem Mordsharz ist vor dem Mordsharz

Zum Glück haben die neuen wie treuen Mordsharz-Besucher jetzt ein Jahr Zeit, all die vielversprechenden Krimis dieser sechsten Auflage des Festivals zu lesen. Die Organisatoren Susanne Kinne, Roland Lange und Christoph Lampert werden hingegen schon jetzt anfangen, sich Gedanken über die Gäste des nächsten Mordsharz zu machen. Zuvor dankten sie aber allen Mitwirkenden, allen Unterstützern und vor allem einem tollen Publikum für ein rundum gelungenes Festival in diesem Jahr, dass sie in ihrer Auffassung bestätigt: Der Harz hat mehr zu bieten, als die Polizei erlaubt.

 

Mit schwedischem Superstar: Mordsharz-Auftakt in Wernigerode.

Noch internationaler – und mit Bond, James Bond: Der zweite Tag in Goslar.

Ausgesuchte Leckerbissen für jeden Geschmack: Der dritte Tag in Wernigerode.

Tatort Boulevard: Mordsharz 2016 im NDR-Fernsehen.


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