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Mittwoch, 12. Dezember 2018
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Geschrieben von Prof. Dr. med. Berend Willms am 23. April 2018
Kultur und mehr

Die Fledermaus flattert in Nordhausen

Strauß wusste, was er seinen Hörern schuldig war

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Die Fledermaus ist die erfolgreichste und wahrscheinlich bekannteste Operette überhaupt, komponiert und uraufgeführt von Johann Strauß 1874 in Wien. Johann Strauß hatte bis dahin im Wesentlichen über 500 Walzer, Polkas, Märsche und Quadrillen komponiert und war als Walzerkönig bekannt. Als bekannte Beispiele seien genannt: „An der schönen blauen Donau“ und „Wiener Blut“. Angeregt durch eine Bekanntschaft mit Jacques Offenbach widmete sich Johann Strauß der Operette und führte die noch junge Gattung in ihr „Goldenes Zeitalter“ in Wien.

Die Fledermaus war seine dritte Operette. Sie basiert auf einer deutschsprachigen Verwechslungskomödie eines Leipziger Autors und spielt in der k. u. k. Monarchie Ende des 19. Jahrhunderts. Graf Eisenstein (hervorragend gesungen und gespielt von Marian Kalus) muss ins Gefängnis wegen Beleidigung einer Amtsperson. Doch er folgt für den Abend zunächst einer Einladung zu einem Maskenball im Palais des russischen Prinzen Orlofsky (dominant der Mezzosopran Carolin Schumann). Der spielopernhaft schönsingende, in seine Ehefrau verliebte Sänger Alfred (karikierend Kyounghan Seo) geht für ihn ins Gefängnis. Auch das Stubenmädchen Adele (wie immer erheiternd als Soubrette Eleonore Amaral) hat eine Einladung zu diesem Fest bekommen. Maskiert erscheint dort nun auch Graf Eisensteins Ehefrau Rosalinde (mit auch in der Höhe vollem und geschmeidigen Sopran: Zinzi Frohwein). Etwaige Ähnlichkeiten werden von den Maskierten abgestritten. Die Solistenpartien sind alle hervorragend besetzt.

Ein Lob gebührt dem Bühnenbild: Verschiebbare, goldene Gitter teilen die Räume ein, im Hintergrund „Der Kuss“ von Gustav Klimt, allerdings ohne Kopf, um so die Ehe von Graf Eisenstein und Rosalinde zu karikieren – eine Partnerschaft, der die Liebe fehlt.

Der Regisseur Gernot Kranner hat sich von dem 100jährigen Jubiläum des Theaters Nordhausen inspirieren lassen und Objekte und Kostüme auf die Bühne gebracht, wie sie die Menschen vor 100 Jahren sich für heute, 100 Jahre später, ausgedacht haben – manchmal etwas verstörend.

Johann Strauß wusste, was er seinen Zuhörern schuldig war: „eine Musik, die ihnen von der Vorstellung weg im Ohr sitzen bleibt.“ Lauter Schlager zu Mitsingen: „Trinke Liebchen, trinke schnell“, „Brüderlein, Brüderlein…“, „Mein Herr Marquis..“, „Ich lade gern mir Gäste ein“ usw. Lauter Champagnerlust, Walzerseligkeit und erotisches Vergnügen.
Wer sie noch genießen möchte, kann versuchen, unter 03631-983452 noch Karten zu bekommen. Die nächsten drei Vorstellungen sind allerdings schon ausverkauft.
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