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Donnerstag, 22. Oktober 2020
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Geschrieben von Christian Dolle am 30. August 2018
Kultur und mehr

Idylle, die Abgründe überschattet

Mordsharz 2018: Romy Fölck liest in Herzberg aus „Totenweg“

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„Jede Familie hat ihre Schatten.“ Mit diesen Worten endet der Kriminalroman „Totenweg“ von Romy Fölck. Und mit diesem Satz wird deutlich, es ist ebenso Krimi wie auch ein Aufdecken der eigenen Familiengeschichte für die junge Polizistin Frida, die nach einem tätlichen Angriff auf den Vater auf den Obsthof der Eltern in der Elbmarsch zurückkehrt. Dort muss sie sich mit der Vergangenheit der eigenen Familie, jener der Angestellten und Nachbarn und auch mit ihrer eigenen auseinandersetzen. Denn vor vielen Jahren wurde ihre beste Freundin ermordet und Frida weiß mehr darüber, als sie je jemandem erzählt hat.

 

Regionalkrimi im besten Sinne

Romy Fölck, studierte Juristin und lange in der Wirtschaft tätig, entschied sich schließlich fürs Schreiben und veröffentlichte jetzt mit „Totenweg“ den ersten Band einer Reihe, die noch im September mit „Bluthaus“ fortgesetzt wird. Das Buch kam bei Kritikern und Publikum gleichermaßen gut an, wurde für die vielen unerwarteten Wendungen, die Rückblicke in die Vergangenheit und die an skandinavische Krimis erinnernde Atmosphäre gelobt.

All das ist natürlich richtig. Vor allem aber gelingt es Romy Fölck, ein Bild jenes fiktiven Dorfes zu zeichnen, in dem sich alteingesessene Obstbauern gegen die modernere und größere Konkurrenz stemmen, in dem jeder jeden kennt und mit jedem irgendwie verbandelt ist und aus dem es für manche keinen Ausweg gibt, so dass sie sich ihr Leben lang mit den Schatten der Vergangenheit herumplagen müssen.

Wenn der Ort auch fiktiv ist, so ist „Totenweg“ im besten Sinne ein Regionalkrimi, der die Mentalität seiner Figuren in den Mittelpunkt stellt und daraus sein Potenzial schöpft. Vieles wirkt äußerst lebensnah, für die Gegend typisch und packt nicht nur durch den Kriminalfall, sondern ebenso durch die familiären Strukturen, die auf den ersten Blick Idylle vortäuschen, doch im Grunde viele dunkle Geheimnisse überschatten.

 

Mordsharz 2018 in Herzberg

Besonders spannend ist, dass Romy Fölck am Donnerstag, 13. September 2018, in Herzberg bei Mordsharz zu Gast ist – und dort in bester Gesellschaft. Bevor sie nämlich ab 19.30 Uhr aus „Totenweg“ liest, stellt H. Dieter Neumann seinen Krimi „Blutmöwen“ vor. Auch dieses Buch spielt in einem Dorf in Norddeutschland, auch hier wirkt zunächst alles idyllisch.

Als Bauer Enno Brodersen ermordet aufgefunden wird, hält sich die Trauer aller, die ihn kannten, in Grenzen. Nach und nach wird deutlich, dass auch in diesem Dorf vieles im Verborgenen schwelte, was schließlich zu der schrecklichen Tat führte. Nach und nach fällt der Vorhang und es zeigt sich, dass gerade an jenen Orten, wo jeder jeden kennt, jeder Mensch lange Schatten werfen kann.

„Blutmöwen“ gehört vielleicht eher zu den Geheimtipps des diesjährigen Festivals, doch gerade in Kombination mit Romy Fölcks „Totenweg“ könnte sich ein äußerst spannender Abend entwickeln. Zudem liest anschließend noch Melanie Raabe aus ihrem Thriller „Der Schatten“, der dann allerdings noch einmal eine ganz andere Facette des Genres Krimi zeigt.

 

Das gesamte Programm des diesjährigen Harzer Krimifestivals gibt es unter www.mordsharz-festival.com (externer Link). Dort gibt es auch Informationen zu allen Autoren, zu allen Büchern, zu den Veranstaltungsorten und natürlich auch zu den Tickets, die noch erworben werden können.


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