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Samstag, 24. August 2019
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Geschrieben von Christian Dolle am 25. September 2018
Kultur und mehr

Geschichten, die die Geschichte ermöglichte

„Dunkle Geschichten aus dem Harz“: Roland Lange hat sein neues Buch in einer außergewöhnlichen Veranstaltung des Grenzlandmuseums Bad Sachsa vorgestellt

Ein besonderes Kapitel deutscher Geschichte: Nach dem zweiten Weltkrieg entstanden zwei deutsche Staaten. Die Grenze dazwischen wurde anfangs noch durch Zäune aus Holzpfählen markiert…
Ein besonderes Kapitel deutscher Geschichte: Nach dem zweiten Weltkrieg entstanden zwei deutsche Staaten. Die Grenze dazwischen wurde anfangs noch durch Zäune aus Holzpfählen markiert…
…mit den Jahren wurde sie von der DDR-Seite immer undurchlässiger und schließlich mit dem sogenannten Todesstreifen versehen.
…mit den Jahren wurde sie von der DDR-Seite immer undurchlässiger und schließlich mit dem sogenannten Todesstreifen versehen.
„Nur, wenn Sie ihre Meinung auch weiterhin frei äußern dürfen, ohne Repressalien fürchten zu müssen, haben Sie die Chance, dieses, unser Land im Rahmen Ihrer Möglichkeiten mitzugestalten“: Schriftsteller Roland Lange.
„Nur, wenn Sie ihre Meinung auch weiterhin frei äußern dürfen, ohne Repressalien fürchten zu müssen, haben Sie die Chance, dieses, unser Land im Rahmen Ihrer Möglichkeiten mitzugestalten“: Schriftsteller Roland Lange.
Lieferte erschreckende Fakten von der menschenverachtenden Installation an der innerdeutschen Grenze: Uwe Oberdiek, Ausstellungsleiter im Grenzlandmuseum Bad Sacha.
Lieferte erschreckende Fakten von der menschenverachtenden Installation an der innerdeutschen Grenze: Uwe Oberdiek, Ausstellungsleiter im Grenzlandmuseum Bad Sacha.

Die Teilung Deutschlands, die für Jahrzehnte bittere Realität war, gerät allmählich zu einem Fakt in den Geschichtsbüchern. Umso wichtiger ist es, über diese Zeit zu sprechen, zu schreiben oder sie in Museen erlebbar zu machen. Wie das ansprechend geschehen kann, bewies am Freitag (21.09.2018) eine Veranstaltung des Grenzlandmuseums Bad Sachsa mit Krimiautor Roland Lange.

Zwei Zwillingsbrüder, Heini und Fredi, auf einem beschwerlichen Treck durch den Harz, plötzlich tauchen Tiefflieger am Himmel auf, Bomben werden auf die Menschen abgeworfen. Viele verlieren dabei auf grausamste Weise ihr Leben und die Brüder verlieren einander dabei aus den Augen, die Mutter erklärt dem übriggebliebenen Jungen, dass es keine Hoffnung mehr für Fredi gibt. Mit dieser Szene aus seinem Roman „Todesstreifen“ sorgte Lange gleich zu Beginn für gespannte Stille im Kursaal und vor allem für bedrückende Emotionalität, die bei historischen Themen selten aufkommt.

In einer weiteren Szene wird dann ein Mord geschildert, schließlich handelt es sich bei dem Buch um einen Krimi, und Kommissar Ingo Behrends nimmt die Ermittlungen auf. Die führen ihn in die Vergangenheit des ehemaligen Zonenrandgebietes und insbesondere in jene Zeit, in der hier im Harz die innerdeutsche Grenze vermessen wurde.

 

Von der Teilung zum Todesstreifen

„Der Nationalsozialismus und der zweite Weltkrieg waren der Auslöser für die deutsche Teilung“, beginnt Uwe Oberdiek, Ausstellungsleiter im Grenzlandmuseum, die Hintergründe zu erläutern. Bereits 1944 war die Grenze von den Alliierten beschlossen, doch sie wurde in den folgenden Jahren immer wieder verändert, Gebiete wurden zwischen Sowjets und Briten getauscht. Parallel dazu wurden aus Holzpfählen nach und nach immer undurchlässigere Grenzzäune und schließlich der sogenannte Todesstreifen. In den Jahren 1973 bis 1975 gab es großangelegte Vermessungen, die die Teilung in Ost und West eigentlich ein für alle Mal festhalten sollten. Zum Glück ist es nicht dabei geblieben.

Im Roman erfährt Zwillingsbruder Heini viele Jahre später, dass Fredi den Fliegerangriff damals überlebte, sie jedoch durch die Grenze getrennt wurden und in unmittelbarer Nähe, aber doch in verschiedenen Staaten aufwuchsen. Nur die Fiktion von Autor Roland Lange, aber trotzdem eine jener Geschichten, die die Geschichte ermöglichte.

 

Wirkliche Storys – unglaublich, und doch wahr

Für sein neuestes Buch hat sich Lange genau diesen Storys gewidmet, jenen, die wirklich passiert sind, die hier im Harz erzählt werden und die oft noch viel düsterer oder unglaublicher klingen als alles, was Schriftsteller sich ausdenken können. „Dunkle Geschichten aus dem Harz“ heißt das neue Werk und auch daraus wurden an diesem Abend einige Kostproben gelesen.

So beispielsweise eine Erzählung, bei der jemand eine nahe Explosion hört und sofort weiß, dass im Todesstreifen ein Flüchtling auf eine Mine getreten sein muss. Auch zu dieser Geschichte lieferte Uwe Oberdiek die erschreckenden Fakten von der menschenverachtenden Installation des Minengürtels bis hin zur manuellen Suche und Entfernung in den Jahren nach der Wende.

Die beiden anderen Storys waren zum Glück etwas weniger schaurig, vor allem jene, bei der es um eine von Jugendlichen aus dem Bahnhof Herzberg entführte Lok ging, mit der die Jungen dann bis kurz vor Göttingen fuhren. Solche beziehungsweise ähnliche Anekdoten gibt es auch aus dem Leben des Autors, doch wer das genauer wissen möchte, der muss das Buch schon selbst lesen, wich er im späteren Interview aus.

 

Aus der Geschichte lernen, für Meinungsfreiheit eintreten

Eine sehr klare Antwort gab er hingegen auf die Frage, was ihn persönlich an solchen Geschichten aus der deutschen Vergangenheit reizt. Wir müssen nämlich aus ihnen lernen, machte er deutlich und appellierte an seine Zuhörer: „Lassen Sie es nicht soweit kommen, dass Kräfte in diesem Land wieder die Oberhand gewinnen, deren Programm Meinungsunfreiheit, Bevormundung und Ausgrenzung sind. Denn nur, wenn Sie ihre Meinung auch weiterhin frei äußern dürfen, ohne Repressalien fürchten zu müssen, haben Sie die Chance, dieses, unser Land im Rahmen Ihrer Möglichkeiten mitzugestalten.“


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