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Freitag, 03. Juli 2020
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Geschrieben von Boris Janssen am 16. August 2013.
Politik

„Für die Menschen zählt jeder Tag“

Thomas Oppermann sieht „nachvollziehbare Gründe“ für die Verzögerung beim Bau der B 243n. Trotzdem mahnt er zur Eile. Die Verantwortlichen versprechen: „August 2014 ist realistisch.“

Setzt sich seit Jahren für die Umgehungsstraße ein: Thomas Oppermann.
Setzt sich seit Jahren für die Umgehungsstraße ein: Thomas Oppermann.
Vieles ist schon geschafft: Thomas Oppermann (links) und Günter Hartkens bewundern die 600 Meter lange Winkeltalbrücke.
Vieles ist schon geschafft: Thomas Oppermann (links) und Günter Hartkens bewundern die 600 Meter lange Winkeltalbrücke.
„Das wäre doch auch ein prima Freibad…“ Thomas Oppermann staunt über die Dimensionen des Regenrückhaltebeckens im Winkeltal.
„Das wäre doch auch ein prima Freibad…“ Thomas Oppermann staunt über die Dimensionen des Regenrückhaltebeckens im Winkeltal.
Sehen gerne genauer hin (von links): Günter Hartkens, Thomas Oppermann, Bürgermeister Dr. Thomas Gans und SPD-Ortsvereins-Vorsitzender Ingo Fiedler.
Sehen gerne genauer hin (von links): Günter Hartkens, Thomas Oppermann, Bürgermeister Dr. Thomas Gans und SPD-Ortsvereins-Vorsitzender Ingo Fiedler.

Am Geld liegt es nicht, dass sich die Fertigstellung der B 243n um mindestens zehn Monate verschiebt. Alle bisherigen Rechnungen sind bezahlt, die weiteren benötigten Mittel stehen bereit. Mit dieser Aussage hat der Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr - Geschäftsbereich Goslar Günter Hartkens die größte Befürchtung von Thomas Oppermann zerstreuen können. Wenige Tage nach dem Dammwiesenfest war der SPD-Spitzenpolitiker am Mittwoch (14.08.2013) erneut in Bad Lauterberg, und dieses Mal wollte Oppermann in Erfahrung bringen, warum die Umgehungstraße für Barbis und Osterhagen nun doch nicht mehr in diesem Jahr freigegeben werden kann.

Zum Teil seien der lange Winter und das regenreiche Frühjahr schuld daran, erklärte Fabian Schulze, Fachbereichsleiter Bau bei der Landesbehörde. Das größte Problem seien aber die Karstlöcher gewesen, auf die man erst während der Bauarbeiten gestoßen sei. Sie seien zum Teil mehrere Meter tief gewesen, Fahrzeuge und Bauarbeiter seien manches Mal regelrecht eingesackt. Schon aus Sicherheitsgründen habe man die Arbeiten zeitweise einstellen müssen. Daraufhin habe man sich für die Zertrümmerung der Hohlräume entschieden, bei der von einem Spezialkran ein tonnenschweres Gewicht auf die Erde krachen gelassen wurde. „Es gibt in Deutschland nur zwei, drei solcher Geräte. Allein darauf haben wir mehrere Wochen gewartet“, erklärte Schulze.

 

Sicherheit zuerst: Schutz vor weiteren Erdfällen

Diese Trümmeraktion in einem engen Raster hielten die Verantwortlichen jedoch für unentbehrlich. „Wir haben die brachiale Methode gewählt, um wirklich Sicherheit zu schaffen“, sagte der beratende Ingenieur Ralf-Ulrich Wode. Jetzt könne man ziemlich sicher davon ausgehen, dass die Hohlräume tatsächlich komplett beseitigt wurden. Schließlich habe die „Risikobewertung für die Zukunft“ im Vordergrund gestanden – es sollen ja nicht eines Tages plötzlich Autos in Erdfällen verschwinden.

Natürlich sei den Planern der Straße bewusst gewesen, dass die Trasse durch ein Karstgebiet führt. Deswegen habe man auch vor Baubeginn alle Hundert Meter Probebohrungen vorgenommen, so Günter Hartkens. Die Brücken bei Steina und Nüxei haben spezielle Fundamente bekommen: Große Bodenplatten sollen hier für besondere Sicherheit sorgen. Bei der letzten Brücke stehen beide Widerlager sogar auf einer gemeinsamen Platte, statt wie üblich auf je eigenen Fundamenten. „Hier könnte sich unter der Platte ein Erdfall bis zu vier Meter Durchmesser auftun, und die Brücke würde den überstehen“, sagte Ingenieur Wode.

 

„Auftragnehmer hat Probleme nicht zu verantworten“

Doch trotz aller Vorbereitungen: Von den tatsächlichen Bodenbedingungen sei man völlig überrascht worden. Teilweise habe man nur wenige Meter neben hartem Fels den nächsten Karsthohlraum gefunden. Im Gebiet um Nüxei sei das Problem groß gewesen, in der Nähe der Fußgängerbrücke auf der Koldung gar extrem. Auf der Koldung seien dabei viele „fossile Hohlräume“ aufgetaucht, also solche, die niemanden im Vorfeld aufgefallen sein konnten, weil es an der Erdoberfläche seit Menschengedenken keine Veränderungen mehr gab.

Alles in allem also Probleme, die „der Auftragnehmer (die Baufirmen) nicht zu verantworten hat“, resümierte Behördenchef Hartkens als Auftraggeber. Die Mehrkosten durch die Karstüberraschung beziffert die Behörde auf über eine Million Euro. „Aber das Geld ist da“, versicherte Hartkens.

Das Gehörte beruhigte Thomas Oppermann einigermaßen. „Es gibt nachvollziehbare Gründe für die Verzögerung“, bemerkte der Bundestagsabgeordnete für Bad Lauterbergs Wahlkreis. Aber er brachte den Bauherren noch einmal die Dringlichkeit in Erinnerung: „Die Menschen in Barbis und Osterhagen warten lange auf diese Straße. Für sie zählt jeder Tag.“

 

Straffes Restprogramm mit 16-Kilometer-Zaun

Unisono versicherten Hartkens, Schulze und Wode denn auch, „eine Freigabe im August 2014 ist absolut realistisch.“ Mit der obligatorischen Einschränkung: Wenn der Winter mitspielt. Und – wie es zwischen den Zeilen herausklang – wenn sich die Baufirmen davon überzeugen lassen. Denn der Zeitplan bleibt äußerst straff. Derzeit sei man mit den Frostschutz- und Asphalttragschichten beschäftigt, so Schulze. Es fehlen dann noch weitere Asphaltschichten, teilweise eine Schottertragschicht, Schutzeinrichtungen wie Leitplanken und natürlich Markierungen und Schilder. Dazu kommen sogenannte landschaftspflegerische Maßnahmen, also zum Beispiel das Anlegen von Böschungen, sowie die Fertigstellung der zur Straße gehörenden Infrastruktur wie Regenrückhaltebecken und Wirtschaftswege. Außerdem soll die gesamte Trasse mit einem insgesamt 16 Kilometer langen Wildschutzzaun versehen werden – „das nimmt schon Zeit in Anspruch“, sagte Schulze.

Dass der ursprüngliche Termin Oktober 2013 nicht zu halten ist, habe die Landesbehörde bereits Ende 2012 gewusst, gab Günter Hartkens zu. Offiziell hieß es damals noch, die Bauarbeiten lägen im Zeitplan. Erst Ende Juni 2013 wurde dann die Verschiebung in einer Pressemitteilung verlautbart. Günter Hartkens begründet das so: „Wir wollten ja nicht einfach sagen, das klappt nicht. Man muss dann auch in der Lage sein, einen zuverlässigen neuen Termin zu nennen.“

 

Als nächstes Umgehung für Herzberg?

Thomas Oppermann versprach vor seiner Weiterfahrt zum Muschinsky-Sommerfest, die Baustelle weiter zu beobachten. Und sponn zusammen mit Hartkens die Straße gleich schon einmal weiter: Die Weiterführung der B 243n von Nüxei bis zur Landesgrenze Thüringen müsse unbedingt in den vordringlichen Bedarf. Für Hartkens steht zudem die Umgehung von Herzberg ganz oben auf der Wunschliste – „dann gäbe es von der Grenze bis zur A7 keine Ortsdurchfahrt mehr.“

Keine Ortsdurchfahrt mehr – davon träumen die Barbiser und Osterhagener seit 24 Jahren. Wenn sie Glück haben, dauert es jetzt nur noch ein weiteres.


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