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Donnerstag, 09. Juli 2020
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Geschrieben von Boris Janssen am 29. August 2013.
Politik

„Unfassbar dämlich“

Der Wiesenbeker Teich entwickelt sich zum Wahlkampf-Dauerbrenner: Auch Grünen-MdB Viola von Cramon schaute dort vorbei – und sparte nicht mit Kritik an der geplanten Wasserskianlage. Außerdem ging es bei ihrem Besuch um den ÖPNV.

Viola von Cramon informiert sich am Weltkulturerbe.
Viola von Cramon informiert sich am Weltkulturerbe.
Wasserski? Passt hier nicht hin! Viola von Cramon und Fritz Vokuhl am Wiesenbeker Teich.
Wasserski? Passt hier nicht hin! Viola von Cramon und Fritz Vokuhl am Wiesenbeker Teich.
Ein gewisser Investitionsbedarf ist zweifellos vorhanden: das ehemalige Hotel Wiesenbeker Teich.
Ein gewisser Investitionsbedarf ist zweifellos vorhanden: das ehemalige Hotel Wiesenbeker Teich.
Viola von Cramon und Grünen-Kreistagsabgeordneter Reiner Schenk im Gespräch mit…
Viola von Cramon und Grünen-Kreistagsabgeordneter Reiner Schenk im Gespräch mit…
…Michael Reinboth von der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“.
…Michael Reinboth von der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“.

Viola von Cramon hält nicht viel von einer Wasserskianlage auf dem Wiesenbeker Teich. „Unfassbar dämlich“ sei die Idee, schrieb sie am Mittwochabend (28.08.2013) auf ihrer Facebook-Seite. Ein paar Stunden vorher hatte sich die Bundestagsabgeordnete (Grüne) und Direktkandidatin für den Wahlkreis Goslar, Northeim und Osterode die Situation vor Ort angeschaut. Zwar gehört Bad Lauterberg nicht mehr zu ihrem Wahlkreis, aber die Grenzen zieht Cramon offenbar nicht so eng.

 

Waldschlösschen am Wiesenbek?

An der geplanten Wasserskianlage stört die Politikerin vor allem eines: „Das passt hier nicht rein.“ Der Status des Wiesenbeker Teiches als Weltkulturerbe ziele doch eher auf sanften Tourismus. „Das ist eine andere Klientel“, stellte sie fest. Die Verantwortlichen müssten sich entscheiden: Wo will man hin mit dem Teich, wohin mit der Auszeichnung? Cramon bemühte gar den Vergleich mit der frisch eröffneten Waldschlösschenbrücke in Dresden, deren umstrittener Bau dem Dresdner Elbtal den Welterbe-Titel gekostet hat. „Ist man in Bad Lauterberg wirklich gewillt, eine Aberkennung des Titels in Kauf zu nehmen?“ fragte die Politikerin. Und das für eine verhältnismäßig kurze Wasserskibahn, auf der eine Fahrt kaum länger als eine Minute dauern würde, wie der Bad Lauterberger Grünen-Ratsherr Fritz Vokuhl erläuterte. Außerdem sei eine Entscheidung dieser Tragweite Sache des ganzen Harzes, verteilten sich die Stätten des Welterbes „Oberharzer Wasserwirtschaft“ doch auf viele Gemeinden.

Cramon kritisierte auch, dass die für die Anlage nötige Änderung des Bebauungsplanes in einer nicht-öffentlichen Ratssitzung beschlossen wurde. Man könne das Projekt ja befürworten, aber dann müsse man sich auch potentieller Kritik stellen: „So ist das ein völlig intransparentes Verfahren.“

 

„Zeitgemäßes Hotel hätte großes Potential“

Beim Anblick des ehemaligen Hotels am Damm des Teiches ging es Viola von Cramon dagegen wie allen anderen Politikern, die den Bad Lauterberger Bergsee in den vergangenen Wochen besichtigt haben: „Das ist einfach schade.“ Ein zeitgemäßes Hotel in dieser Lage hätte großes Potential, ist Cramon sicher. Man müsse hoffen, dass sich ein starker Investor für die jetzige Ruine finde – und um da nachzuhelfen, müsse die Stadt vielleicht ein Unterstützungs-Angebot machen. „Das läge durchaus im öffentlichen Interesse.“

 

ÖPNV absurd: Ein und dieselbe Strecke, zwei unterschiedliche Preise

Im Anschluss an die Teichbesichtigung traf sich die grüne Delegation mit Michael Reinboth von der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“. Zum einen wollte Viola von Cramon mehr über die „extrem wichtige Arbeit, die Sie leisten“ erfahren, zum anderen wollte sie sich von dem Gespräch „ein paar Hausaufgaben“ mit nach Berlin nehmen. Und die lauten im Wesentlichen: Auf je unterschiedlichen Ebenen versuchen, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen, um am Ende ein vernünftiges Angebot im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hinzubekommen.

Das ist nicht einfach, weiß Michael Reinboth. Kirchturmdenken einerseits sowie sinkende Einwohner- und Schülerzahlen andererseits machten diese Aufgabe zu einem schwierigen Unterfangen. So gibt es im Harz mit seinen drei Bundesländern und fünf Landkreisen gleich mehrere Verkehrsverbünde mit unterschiedlichen Tarifstrukturen, deren Netze mehr schlecht als recht verzahnt sind. Wer verbundübergreifend reisen wolle, erlebe manches Mal absurde Situationen, wusste Reinboth zu erzählen. Es gebe zum Beispiel Strecken, da komme es entscheidend auf die Herkunft des Busses an: Kommt er aus dem einen Verkehrsverbund, ist dieselbe Fahrt womöglich teurer als bei einem Bus aus dem anderen Verbund.

Auch im Schülerverkehr wünscht sich Reinboth bessere Absprachen. Wären die Schulzeiten aufeinander abgestimmt, könnten die Busrouten besser geplant und ausgelastet werden. Das sei besonders wichtig, denn „der Linienverkehr außerhalb des Schienennetzes hängt einfach am Schülerverkehr – ohne geht es nicht.“ Eine Schulschließung, wie sie bei der Lutterbergschule geplant ist, könne da durchaus Auswirkungen auf das Busangebot haben.

 

„Kreisfusion das schlimmste, was passieren konnte“

Zur Fusion der Landkreise Göttingen und Osterode hat Reinboth eine klare Meinung: „Aus Sicht des ÖPNV ist diese Fusion das schlimmste, was passieren konnte.“ Er fürchte, dass die wichtige Zusammenarbeit mit Goslar schwieriger wird und die Zentren Göttingen und Braunschweig die Angelegenheit noch stärker an sich ziehen. „Es wird noch schwerer, für den Harz gemeinsam etwas zu schaffen“, vermutet Reinboth. Gerade der Busverkehr mache große Probleme. Man müsse zumindest „eine Verschlechterung der ohnehin nicht optimalen Situation vermeiden.“ Ansonsten leide der Tourismus: „Wir würden über kurz oder lang Gäste verlieren.“

Insgesamt schaut Reinboth aber verhalten optimistisch in die Zukunft. Vor allem durch die kürzlich erneut von der DB Regio gewonnenen Ausschreibung der südniedersächsischen Bahnstrecken werde es „in den nächsten Jahren ein relativ stabiles ÖPNV-Angebot“ geben. Statt der Reaktivierung alter Strecken fände Reinboth es jedoch sinnvoller, die vorhandene Infrastruktur zu verbessern und damit zu stärken.

Sie müsse nun also erforschen, wie man die verschiedenen Verkehrsverbünde an einen Tisch bekommen könnte, nahm Viola von Cramon als eine Hausaufgabe mit. „Wie können wir eine Art Harzcard etablieren? Wie kriegen wir eine Identität Harz hin?“ Bei Reisen im Ostharz habe sie die klare Bereitschaft dazu erlebt. Im Westen sei es wohl deutlich schwerer. „Und wir müssen einen Fokus Göttingen vermeiden“, stellte Cramon fest. Sie sei zwar eine Befürworterin der Kreisfusion. „Ich will aber nicht, dass die Peripherie am Ende schlechter dasteht.“


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