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Sonntag, 20. Oktober 2019
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Geschrieben von Boris Janssen am 18. September 2019.
Politik

Neuer Supermarkt fürs Stadtzentrum?

Nachnutzung des Rathausgeländes: Investor hat Ideen vorgestellt – Ritscher-Sanatorium muss erhalten bleiben

Serviervorschlag mit Gründach: So könnte der neue Supermarkt neben dem alten Rathaus aussehen. Vielleicht aber haben Politik und Einwohnerschaft von Bad Lauterberg auch andere Vorstellungen als der Investor mit seinen ersten Ideen.
Serviervorschlag mit Gründach: So könnte der neue Supermarkt neben dem alten Rathaus aussehen. Vielleicht aber haben Politik und Einwohnerschaft von Bad Lauterberg auch andere Vorstellungen als der Investor mit seinen ersten Ideen.
Ein erster Plan: Für die Parkplätze zum Kleinen Kurpark (auf diesem Plan oben) würde ein weiteres Stück Grünfläche verschwinden. Bekäme der Markt jedoch ein Gründach, würde die als versiegelt geltende Fläche am Ende sogar kleiner als bisher.
Ein erster Plan: Für die Parkplätze zum Kleinen Kurpark (auf diesem Plan oben) würde ein weiteres Stück Grünfläche verschwinden. Bekäme der Markt jedoch ein Gründach, würde die als versiegelt geltende Fläche am Ende sogar kleiner als bisher.
Zum Vergleich die derzeitige Bebauung. Grundstück 86/31 ist der Parkplatz zwischen Rathaus und Kurhaus. (Bilderquelle: Präsentation Rahlfs Immobilien)
Zum Vergleich die derzeitige Bebauung. Grundstück 86/31 ist der Parkplatz zwischen Rathaus und Kurhaus. (Bilderquelle: Präsentation Rahlfs Immobilien)

Wann genau das Bad Lauterberger Rathaus umzieht, steht noch immer nicht fest. Aber immerhin zeichnet sich für die Nachnutzung des Geländes schon eine Lösung ab: Im Stadtzentrum könnte ein neuer Supermarkt entstehen. Entsprechende Pläne stellte der potentielle Investor am Montag (16.09.2019) der Öffentlichkeit vor. Nötig wären ein Verkauf der Grundstücke sowie angepasstes Baurecht. Eine Mehrheit dafür im Rat scheint sicher, wurde auf der Sitzung des Bauausschusses deutlich. Wenn auch keine überwältigende.

Das wichtigste vorweg: Das denkmalgeschützte Rathaus – das ehemalige Ritscher-Sanatorium – bleibt erhalten. Muss es auch, denn laut Bürgermeister Dr. Thomas Gans habe der Denkmalschutz ganz klar signalisiert: „Das Haus bleibt stehen.“ Dennoch möchte das Unternehmen Rahlfs Immobilien aus Neustadt am Rübenberge nahezu das gesamte Gelände kaufen und dazu den Parkplatz zwischen Rathaus und Kurhaus (bis zur ehemaligen Bahntrasse) – insgesamt 6.240 Quadratmeter.

 

Supermarkt mit 1.600 Quadratmeter Verkaufsfläche

Geschäftsführer Dirk Wilhelm Rahlfs stellt sich die Zukunft in etwa so vor: Auf dem bisherigen Parkplatz entsteht ein knapp 2.200 Quadratmeter großer Supermarkt mit etwa 1.600 Quadratmeter Verkaufsfläche inklusive Bäcker und Café (zum Vergleich: Lidl in der Bahnhofstraße 1.200 Quadratmeter Verkaufsfläche). Die Rathausnebengebäude mit Kutscherstuben und ehemaliger Polizei sowie ein Stück Grünfläche weichen der Zufahrt und rund 70 neuen, großzügigen Stellplätzen. Wie beim jetzigen Kurhaus-Parkplatz gibt es zwei Ausfahrten – über die Ritscherstraße und, an der Sparkasse vorbei, über die Sebastian-Kneipp-Promenade. Und im altehrwürdigen Rathaus? Da ziehen vielleicht in der unteren Etage weitere kleine Geschäfte ein, oben könnten Wohnungen entstehen. 

Das vorgestellte Konzept bestehe aber nur aus Ideen, betonte Rahlfs ausdrücklich. Was am Ende tatsächlich umgesetzt werden darf und soll, und vor allem wie es aussieht, das wolle man nun in einem gemeinsamen Prozess erarbeiten. Zu diesem Prozess gehört auch, dass erst einmal der Flächennutzungsplan sowie der Bebauungsplan Nr. 53 (Erikastraße / Promenade) geändert werden müssen.  

 

„Gemeinsam zu einem bereichernden Objekt entwickeln“

Dass dafür noch mehrere Jahre ins Land gehen werden, ist Rahlfs bewusst. Schon seit drei Jahren laufen die naturgemäß nicht-öffentlichen Verhandlungen im Rat, wie Bürgermeister Gans verriet. Bis zu einer Markteröffnung würde es locker noch weitere zwei, drei Jahre dauern. „Solche Zeiten schocken uns nicht“, sagte Dirk Wilhelm Rahlfs. Denn sein Unternehmen hat bereits etliche ähnliche Projekte realisiert. Es fungiert dabei als Projektentwickler, Investor und schließlich auch als Vermieter der Objekte. Damit hat es natürlich selbst Interesse an einer langfristigen, nachhaltigen Verwendung der Gebäude. Und dass das alte Rathaus erhalten bleiben muss, „das kostet schon ein paar Euro Fuffzig, deshalb wollen wir für eine sinnvolle Nachnutzung sorgen“, sagte Rahlfs. 

Klar, solch große Projekte im Stadtzentrum stoßen nicht nur auf Begeisterung. Das weiß Rahlfs. Deshalb lädt er für die Erarbeitung des erforderlichen Bebauungsplanes zur Zusammenarbeit ein, oder wie er nach der Sitzung sagte: „Die vorgestellten Ideen sollen im Zuge des weiteren Verfahrens mit den Gremien von Bad Lauterberg und den Bürgern am Ende zu einem schönen und bereichernden Objekt entwickelt werden.“ Zum Beispiel könne dabei das Gründach aus dem Vorschlag verbindlich vorgeschrieben werden – oder eben andere Dinge, die man hier im Kurzentrum zwischen Kurhaus und Kleinem Kurpark  als Auflage für erforderlich hält.

 

Angst um Markt in Barbis

Tatsächlich trugen in der Einwohnerfragestunde auch schon einige Bürger ihre Bedenken vor. Ein neuer Markt an dieser Stelle sorge doch für eine höhere CO2-Belastung – und das auch noch gleich neben der grünen Lunge der Stadt. Bürgermeister Gans gab Entwarnung: Der Landkreis als Bauaufsicht habe das schon geprüft und grünes Licht gegeben, das Vorhaben sogar begrüßt. Schließlich werde wegen der kürzeren Wege der innerstädtische Verkehr, insbesondere aus dem Odertal, eher abnehmen. Außerdem, so ergänzte Uwe Speit (SPD), freuten sich manche seiner Nachbarn, wenn sie ihre Besorgungen durchaus mal wieder zu Fuß erledigen könnten.

Vor allem die Barbiser treibt die Nachricht um, dass hier ausgerechnet ein Edeka-Markt einziehen soll. Dann werde der Markt in Barbis doch sicher bald geschlossen, der Ortsteil noch mehr abgehängt, befürchten sie. „Ich kann die Angst sehr gut verstehen“, sagte der Bürgermeister und versuchte auch hier, zu beruhigen: Die beiden Standorte hätten bis auf den Unternehmensverbund nichts miteinander zu tun, Edeka-Märkte würden grundsätzlich von selbständigen Kaufleuten geführt und die Immobilie in Barbis gehöre einem anderen Eigentümer. Dieser habe gar erst vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass er das knapp 35 Jahre alte Gebäude durch ein neues ersetzen wolle, und dabei angefragt, ob es möglich sei, in der Bauphase den Verkauf in Zelten weiterlaufen zu lassen. Mehrere Ratsmitglieder unterschiedlicher Fraktionen bestätigten diese Anfrage.

 

 

Zustimmung und Skepsis bei den Ratsmitgliedern

Auf Nachfrage aus dem Zuschauerraum positionierten sich die einzelnen Parteien. Rolf Lange (CDU) und Rainer Eckstein (BI) signalisierten für ihre Fraktionen Zustimmung. In der SPD gebe es Vorbehalte, erklärte Uwe Speit, aber die Zustimmung überwiege, zumal ja Änderungen noch möglich seien. Die WgiR dagegen sehe das Projekt „äußerst kritisch“, sagte Fritz Vokuhl. Da seien die Sorgen um die Versorgung in Barbis, das Problem, dass man sich bei dem bisher nicht absehbaren Rathausumzug unter Druck setze, und im Stadtzentrum falle ein großer Parkplatz weg, der über Parkgebühren auch Einnahmen bringe. Dr. Reiner Schenk (Grüne) schließlich ist „hin- und hergerissen“: Bei aller Freude über einen Investor, angesichts fallender Einwohnerzahlen sei ein neuer Supermarkt eher unnötig, zumal man dann lieber schon Vorhandenes nutzen könne, wie den leerstehenden Markt in der Aue.

Erik Cziesla (CDU) findet den Standort hingegen ideal: „Wenn die Märkte vor der Stadt liegen und sich womöglich noch weitere Läden dort mit ansiedeln, entzieht das der Innenstadt die Kaufkraft.“ Ein Argument, das auch Investor Rahlfs betont: „Wir glauben, das Objekt würde die tolle Vielfalt, die es in dieser Stadt gibt, sichern.“ Die Ansiedlung von Lebensmittelmärkten im direkten Zentrum führe zu einer nachhaltigen Stärkung, so seine Erfahrung.

Das vielleicht entscheidendste Argument für den Rat ist aber: Es gibt bisher keine Alternativen. „Das ist momentan der einzige Interessent, der auch das Rathaus erhalten will“, stellte Bürgermeister Thomas Gans fest. Es wäre der Horror für Uwe Speit, wenn die Stadt nach einem Umzug auf dem Gebäude sitzen bliebe: „Ich möchte nicht jahrelang eine denkmalgeschützte Ruine hier stehen haben, die uns jedes Jahr 180.000 Euro im Unterhalt kostet.“

 

Rat entscheidet am 26.09.2019

Es ist also wahrscheinlich, dass der Rat im nicht-öffentlichen Teil seiner Sitzung am Donnerstag, 26.09.2019, mit mehr oder minder knapper Mehrheit für einen Verkauf stimmt – nicht-öffentlich, weil bestimmte Vertragsdetails natürlich vertraulich sind. Der Verkauf würde erst dann rechtskräftig, wenn das für das Projekt erforderliche Baurecht in Kraft träte und der Investor endlich seinen Bauantrag stellen könnte. Um die Mühlen dafür schon einmal in Gang zu setzen, soll der Verwaltungsausschuss bereits vorher, unter Vorbehalt des Verkaufs, die Aufstellung der Änderungen des Flächennutzungsplanes und des Bebauungsplanes beschließen – das empfahl der Bauausschuss dann doch einstimmig bei zwei Enthaltungen aus der WgiR.

Während des Verfahrens würden dann unter anderem Einzelhandels-, Verkehrs- sowie Schall- und Emissionsgutachten erstellt. Und wie immer in solchen Verfahren würden diverse Stellen und Behörden ihre Stellungnahmen abgeben, könnten Bürgerinnen und Bürger ihre Anregungen und Einwendungen vortragen. Allein dieses Prozedere würde um die anderthalb Jahre dauern. Ein bisschen Zeit wäre also noch, bis die Stadtverwaltung das Rathaus wirklich räumen müsste – und wer weiß, vielleicht wäre am Ende ein bisschen Druck ja gar nicht so schlecht.


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