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Montag, 28. November 2022
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Geschrieben von Karl-Heinz Wolter am 09. März 2022.
Politik

Fast 50 Jahre im Stadtrat

Gudrun Teyke war jahrzehntelang für das Wohl der Stadt tätig

Gudrun Teyke (Foto: Karl-Heinz Wolter)
Gudrun Teyke (Foto: Karl-Heinz Wolter)
2013 nahm Gudrun Teyke die Willy-Brandt-Medaille entgegen
2013 nahm Gudrun Teyke die Willy-Brandt-Medaille entgegen

Die Bad Lauterbergerin Gudrun Teyke konnte jüngst auf 49 Jahre Ratsmitgliedschaft für die SPD in der Kneippstadt zurückblicken. In einem Gespräch mit uns beschrieb sie noch einmal ihren politischen Werdegang; einige Punkte hatte sie bereits in ihrer "Abschiedsrede" vor dem Stadtrat erwähnt. "Ich stamme quasi aus einer SPD-Dynastie" erzählt sie und betont damit, dass bereits ihre beiden Großväter, ihre Mutter und ihr Vater aktive Parteimitglieder gewesen sind.

Spross einer "SPD-Dynastie"

Ihr Vater war langjähriger Bürgermeister und bereits im Kindesalter half sie ihm bei vielen kommunalpolitischen Tätigkeiten und war auch so schnell mit den Abläufen der Ratsarbeit vertraut. Ihr Vater war Gründungsmitglied der städtischen SPD nach dem 2. Weltkrieg im Jahre 1946 und in ihrem Elternhaus war die Parteizentrale. "Ich weiß noch, dass die ersten drei Buchstaben, die ich als Kind lesen konnte "SPD" waren", erinnert sie sich schmunzelnd. Als ihr Vater im Jahr 1971 verstarb, war es für Gudrun Teyke eigentlich eine Selbstverständlichkeit, 1972 für den Stadtrat zu kandidieren. Nach 12 Jahren ohne eine Frau im Rat schaffte sie es auf Anhieb, in dieses Gremium gewählt zu werden und es wären in diesem Jahr 50 Jahre ununterbrochene Tätigkeit im Rat gewesen. Lediglich die Tatsache, dass die erste Legislaturperiode nur 4 Jahre lang war, verhinderten dieses beeindruckende Jubiläum.

Auch andere Ämter in Partei und Vorstand führt sie jetzt nach fast 60 Jahren nicht mehr aus. "Wir haben guten Nachwuchs und das ist gut so". Ihre Anfangszeit im Rat als erste und zunächst einzige Frau beschrieb sie als schwierig und es gab durchaus Dinge, an die sie sich nicht so gern erinnere. Aber durch ihre Vorkenntnisse und Erfahrungen fiel es ihr nicht sehr schwer, sich hier durchzusetzten und sie erlangte schnell Anerkennung in der damaligen "Männerdomäne". Bereits in ihrer ersten Amtszeit bewarb sie sich für die Mitarbeit im Bauausschuss, was seinerzeit belächelt wurde und man war der Meinung, im Sozialausschuss sei sie als Frau besser aufgehoben, um sich so um Kindergarten und Altersheim zu kümmern. Und es hat lange gedauert, bis sie sich in den Bauausschuss (dann auch als Vorsitzende) hineingearbeitet hatte. Sie war auch schon vor der Ratstätigkeit bei den Jungsozialisten und in der Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Frauen bis in den Bezirksvorstand aktiv und viel unterwegs.

Immer das Wohl der Stadt im Sinn

Das Wohl der Stadt lag ihr bereits damals am Herzen; das sei bis heute so geblieben. Ab dem Jahr 1976 war dann eine weitere Frau im Stadtrat aktiv. Und danach waren es gar mal 9 weibliche Mitglieder im Rat von damals 31 Mitgliedern. Es war insgesamt gerade in den Anfangsjahren ihrer  gemeinnützigen Nebentätigkeit schon anstrengend und belastend; denn sie war ja voll berufstätig und Mutter von 2 kleinen Kindern. Man schickte sie zu vielen Terminen auch außerhalb und sie nahm diese auch wahr. Aus ihrer persönlichen Statistik konnte sie belegen, dass es in einem Jahr damals knapp 300 Abende waren, an denen sie für das Gemeinwohl unterwegs war. Und ohne die Unterstützung ihrer Mutter wäre das nicht möglich gewesen.

Ihre Tätigkeiten wurden gewürdigt durch Auszeichnungen wie den Ehrenamtspreis des Landkreises und die Willy-Brandt-Medaille, der höchsten Auszeichnung der SPD. In den 49 Jahren hatte sie 8 Bürgermeister erlebt und 50 Ratskollegen bis in den Tod begleitet. Bei vielen von den Verstorbenen hielt sie auch die Abschiedsrede. Die notwendige Kraft und Energie für die mitunter aufreibenden Tätigkeiten habe sie in erster Linie aus ihrer Liebe zur Stadt Bad Lauterberg gewonnen. Ihr oberstes Ziel war immer, Bad Lauterberg positiv mitzugestalten und Dinge zu verhindern, die der Stadt Schaden zufügen. Seit ihrer Jugend fühlt sie sich ihr verbunden und daraus habe sie immer wieder Kraft geschöpft. Und durchgesetzt habe sie sich nicht zuletzt durch Objektivität und die Bereitschaft, auch andere Meinungen zuzulassen.

 

Neben vielen positiven gab es auch immer wieder negative politische Entscheidungen

Neben den vielen positiven Dingen während ihrer Ratstätigkeit gab es aber auch einige einschneidende nicht so erfreuliche Entscheidungen. An erster Stelle stand dabei die Schließung des Altenheimes und auch die Standortwahl des jetzigen Hallenbades Vitamar. Auch die Abschaffung (durch die damalige Gesundheitsreform) der Kneippkuren fand sie schlimm, weil dadurch erhebliche negative Veränderungen für die Stadt eintraten. Auch einmal vorhandene Pläne, eine 6-spurige Straße durch die Stadt mit Hochhäusern daneben zu bauen, bedeuteten seinerzeit schlaflose Nächte. Auch die Nutzung bzw. Nichtnutzung des Kurhauses in der jetzigen Form stört sie. Und auch heute noch ärgert sie sich über manche Entscheidungen bei Baumaßnahmen im Bereich der neuen Feuerschutzbestimmungen. Brandschutz sei wichtig und absolut notwendig, betont sie. Aber nach ihrer Auffassung seien manche Maßnahmen übertrieben und überzogen, weil sie Bauvorhaben verzögern und erheblich verteuern. "Und keiner tut was dagegen" ärgert sie sich und denkt dabei auch an den Aus-und Umbau der Grundschule in der Stadt. Zum Ende des Gespräches verrät sie noch ihr Motto, ohne das sie ihr ganzes Wirken nicht geschafft hätte: "Nimm nie etwas persönlich und erwarte keinen Dank!"

Frau Teyke erinnert sich an 3 Begebenheiten aus der Vergangenheit, die alle im Zusammenhang mit dem mitunter etwas schwierigen Start der Frauen in damals "neuen Rollen" stehen:
 
- Nach dem 2. Weltkrieg tat man sich offensichtlich noch viele Jahre schwer mit der Tatsache, dass bereits ab 1946 auch Frauen im Rat saßen, denn in den 40er und 50er Jahren wurde immer nur zur Ratsherrenversammlung eingeladen.
 
- Und im damaligen Neubau des Kreishauses in Osterode (1975/1976) gab es im Bereich des Sitzungsaales keine Damentoilette, so dass Frau Teyke immer die Herrentoilette aufsuchen musste.
 
- Und am Anfang ihrer 20-jährigen Tätigkeit als Schiedsfrau in Bad Lauterberg tat man sich bei dem Titel auch schwer (Schiedsmännin war mal eine Bezeichnung), ein entsprechendes Hinweisschild wurde erst mit Verzögerung hergestellt und mit der korrekten Bezeichnung Schiedsfrau angebracht.


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