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Samstag, 01. Oktober 2022
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Geschrieben von Boris Janssen am 21. Oktober 2014.
Politik

„Das macht doch allen keinen Spaß“

Gemeinsame Sitzung des Bau- und des Sozialausschusses zur Grundschuldiskussion

Wo soll es nur hingehen mit der künftig einzigen Grundschule in Bad Lauterberg – und vor allem: Wo soll sie stehen?
Wo soll es nur hingehen mit der künftig einzigen Grundschule in Bad Lauterberg – und vor allem: Wo soll sie stehen?

Damit dürfte Bürgermeister Dr. Thomas Gans ausnahmsweise mal auf ungeteilte Zustimmung gestoßen sein: „Das macht uns doch allen keinen Spaß.“ Er meinte die Grundschuldiskussion mit der Frage, wo Bad Lauterbergs künftig einzige Grundschule stehen soll – und die vielen damit verbundenen Fragen, was denn dann aus den aufgegeben Standorten samt Jugendräumen und Sporthallen wird. Aber es nützt ja nichts: Antworten müssen gefunden werden, und das möglichst schnell. Der Zukunftsvertrag mit dem Land Niedersachsen fordert schon 2016 eine schwarze Null im Stadthaushalt. Die Beschränkung auf eine einzige Grundschule soll 150.000 Euro Ersparnis pro Jahr dazu beitragen.

Um nun endlich die Entscheidungsphase einzuläuten, sammeln die Ratsmitglieder in dieser Woche Argumente. Den Anfang machten am Montagabend (20.10.2014) der Bau- und der Sozialausschuss mit einer gemeinsamen Sitzung. Allein dieses Novum zeige, dass es hier um eine ganz besondere Frage gehe, stellte der Vorsitzende des Sozialausschusses Axel Peter (SPD) fest, der die Sitzung leitete. Erwartungsgemäß war auch der Zuschauerraum im Sitzungsaal des Rathauses überfüllt.

 

Architekten erklären Machbarkeitsstudie

Zunächst stellten Jochen Görres und Thomas Haase vom Göttinger Büro BMP-Architekten ihre Machbarkeitsstudie vor. Sie hatten die vier potentiellen Standorte (die bestehenden Grundschulen „Am Hausberg“, Barbis und Bartolfelde sowie die leerstehende Lutterbergschule) gemäß Auftrag unter dem Aspekt untersucht, hier eine dreizügige (drei Klassen pro Jahrgang), inklusive Ganztagsschule einzurichten.

Die Architekten empfehlen in ihrer Studie die Grundschule am Hausberg als Standort. Hier reiche ein Umbau im bestehenden Gebäude aus, um die erforderlichen Räume zu schaffen. Der Umbau sei recht einfach und vergleichsweise kostengünstig (842.000 Euro) umzusetzen. Zwingend erforderlich sei jedoch ein Aufzug, dessen Ein- beziehungsweise Anbau sich auf jeden Fall „über mehrere Ferien“ hinweg hinziehen werde – die Arbeiten seien im laufenden Betrieb schlicht nicht möglich.

Für die Grundschule Barbis spreche der ebenerdige Bau, für die Inklusion „nahezu optimal“. Auch die Turnhalle sei direkt angebaut. Allerdings sei die Schule deutlich zu klein. Mitsamt der nötigen Erweiterung würde der Umbau laut Studie 531.000 Euro mehr kosten (insgesamt 1,373 Millionen Euro).

Denkbar sei letztlich auch eine Nutzung der Lutterbergschule. Die sei allerdings viel zu groß und erfordere nicht zuletzt aus Brandschutzgründen (zweiter Fluchtweg) erhebliche Umbauten. Wegen der Größe des Gebäudes haben sich die Architekten mehrere Umbauszenarien ausgedacht: Die Varianten A und B berücksichtigen nur den Neubau in unterschiedlicher Umbauqualität – der Altbau könnte anderweitig genutzt werden. Die günstigste Variante C hingegen sieht die Nutzung des gesamten Gebäudes vor, bei gleichzeitig minimalem Umbau. Hier schlügen laut Schätzung 927.000 Euro zu Buche. Allerdings warnten die Architekten vor deutlich höheren Unterhaltskosten, als bei allen anderen Varianten.

Die derzeit einzügige Grundschule Bartolfelde scheide wegen ihrer Größe komplett aus. Auch brauche das bestehende Gebäude einen zweiten Fluchtweg. Die erforderlichen An- und Umbauten würden fast 3,4 Millionen Euro verschlingen.

Natürlich ist den Architekten bewusst, wie kontrovers solche Schulfragen diskutiert werden. Deshalb betonte Thomas Haase gleich zu Beginn, die Empfehlung der Grundschule am Hausberg beruhe auf der Fragestellung: Wo lasse sich das zwingend erforderliche Raumprogramm am einfachsten und kostengünstigsten umsetzen. „Aber natürlich gehören zu einer Entscheidung vielfältige Abwägungen, das ist nicht einfach.“

 

Pädagogen erklären Wünsche

Man könnte also auch zu anderen Schlüssen kommen – wie die Arbeitsgruppe der Schulvorstände. Die hatte sich in der vergangenen Woche bekanntlich für die Grundschule Barbis als Standort ausgesprochen, und zwar aus pädagogischen Erwägungen.

„Ich vertrete die Interessen der Kinder“, sagte Anke Tilhein-Engelke. Sie ist seit diesem Schuljahr Leiterin der Grundschule am Hausberg und war bis dahin die Leiterin der Grundschule Barbis – mithin sind ihr beide Gebäude bestens vertraut. „Die Kinder sollten eine ganztags- und inklusionsfähige Schule haben“, stellte sie fest. Dazu gehörten attraktive Pausenmöglichkeiten und Schulhöfe. Und dazu gehörten auch Fachräume wie ein Musik-, Textil- oder Werkraum. „Als wir gesehen haben, dass in Bad Lauterberg bis auf den Computerraum alle Fachräume wegfallen sollen, da ging uns ehrlich gesagt die Muffe.“

Auch Lehrerin Nicole Möhring betonte die Notwendigkeit eines „großen Raumangebots“. Inklusive Schule bedeute, in der Lage zu sein, jedes Kind individuell zu fördern. Es müsse die unkomplizierte Möglichkeit zur Gruppenarbeit geben, ohne jedes Mal Tische zu rücken. In den Unterrichtsräumen müsse viel Material untergebracht werden können. Die viel zitierten Gruppenräume neben den eigentlichen Klassenzimmern müssten – beispielsweise durch Glaswände – einsehbar sein, sonst könnten die Lehrer ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen. Wünschenswert sei ein direkter Zugang nach draußen ins „grüne Klassenzimmer“. „Wir bezeichnen heutzutage den Raum nicht umsonst als dritten Pädagogen.“

Derlei Betrachtungen berücksichtigt die Marchbarkeitsstudie freilich überhaupt nicht – an keinem einzigen der Standorte. Die Architekten orientieren sich stur an vorgegebenen Musterzahlen für Größe und Anzahl der unbedingt erforderlichen Räume. Schließlich sollte damit eine Vergleichbarkeit der vier Standorte erreicht werden. Jeder Zusatzwunsch kostet auch zusätzlich – egal wo.

Offenbar sieht man aber in der Arbeitsgruppe die Grundschule Barbis dem Ideal am nächsten. Dass Anke Tilhein-Engelke auf deren jüngsten Sitzung jedoch kein eindeutiges Votum oder auch nur Meinungsbild gesehen haben möchte, verblüffte Axel Peter und Thomas Gans gleichermaßen. Peter: „Ich will es mal so sagen: Auf der Sitzung waren über 20 Personen, davon haben sich nur ,anderthalb‘ nicht für Barbis ausgesprochen.“ Die „halbe Stimme“ sei dabei rein emotional begründet gewesen.

 

Ratsmitglieder erklären Entscheidungsnöte

Nun haben es die Ratsmitglieder also mit zwei unterschiedlichen Empfehlungen zu tun. Und vor allem weiteren drängenden Fragen, die weder die Studie noch die Arbeitsgruppe beantworten. „Was machen wir denn mit den Turnhallen, wenn die Schulen geschlossen sind?“ fragte Rainer Eckstein (BI). „Was machen wir mit den leerstehenden Gebäuden?“ sei die nächste Frage, so Bürgermeister Gans.

Und die Antworten könnten sehr unbequem werden. Zu einer Schule gehöre eine Sporthalle einfach dazu, erklärte Thomas Gans. Die könne dann natürlich auch von Vereinen genutzt werden, sie ist ja da. Eine Turnhalle ohne Schule sei aber eine freiwillige Leistung, die bei der Kommunalaufsicht sofort durchfallen werde, ist Gans überzeugt. Es könne auch kein ansonsten leerstehendes Gebäude nur für einen Jugendraum weiter bewirtschaftet werden.

Angesichts der Tragweite dieser Entscheidungen geht der Gruppe Volker Hahn/Grüne die an den Tag gelegte Eile zu weit. „Jetzt wird uns die Pistole auf die Brust gesetzt“, kritisierte Fritz Vokuhl (Grüne). Wenn man Zukunft gestalten wolle, müsse man ein vernünftiges Konzept haben, das auch Angebote für Jugendliche berücksichtigt, befand Volker Hahn (parteilos). Uwe Speit (SPD) bemerkte dagegen: „Wir diskutieren seit einem Jahr. Wir sind auch irgendwann mal verpflichtet, zu einer Entscheidung zu kommen.“

Fallen wird die Entscheidung noch nicht in dieser Sitzungswoche, geht es nach der Stadtverwaltung aber auf jeden Fall noch in diesem Jahr.

 

BürgerInnen erklären Sorgen

In der Einwohnerfragestunde plädierte Petra Schultheis für die Grundschule am Hausberg. Dafür sprächen auch 350 Unterschriften, die in den vergangenen Tagen bei einer Unterschriftensammlung zusammen gekommen seien. Außerdem: Was hätte es für Konsequenzen für die Bürger, wenn der teurere Standort Barbis gewählt würde? Der Effekt lasse sich nicht genau beziffern, antwortete Thomas Gans. Es sei aber klar, dass jede Mehrausgabe an einer Stelle dazu führe, dass an anderer Stelle Ausgaben wegfallen oder verschoben werden müssten.

Ina Hildebrand wollte wissen, wie es denn nun weitergehe, ob das vorgestellte pädagogische Konzept berücksichtigt werden solle. Wolle man das tun, so müssten alle Standorte neu berechnet werden, so der Bürgermeister.

 

Es bleibt also für den Stadtrat noch vieles zu klären. Auch, ob es eine Bürgerbeteiligung geben soll, was unter den Ratsmitgliedern sehr umstritten ist. Aber klar geworden ist inzwischen allen Bad Lauterbergern: Stadtverwaltung und Rat haben Wort gehalten – das Ergebnis der Diskussion ist völlig offen. Nur Spaß macht das leider keinen.

 

Die Sitzung des Stadtrates findet am Donnerstag, 23.10.2014, um 18 Uhr auf „neutralem Boden“ statt: im DGH Osterhagen.


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