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Dienstag, 29. September 2020
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Geschrieben von Peter Bischof am 21. September 2018.
Politik

Den Königsweg gibt es nicht

Kreisrat Marcel Riethig referierte über den Schulentwicklungsplan des Landkreises Göttingen

Marcel Riethig bei seinem Vortrag. Foto: Peter Bischof
Marcel Riethig bei seinem Vortrag. Foto: Peter Bischof
Investition des Landkreises: Brandschutzmaßnahmen an der KGS Bad Lauterberg. Foto: ski
Investition des Landkreises: Brandschutzmaßnahmen an der KGS Bad Lauterberg. Foto: ski

Am Donnerstag, 18. Oktober, will der Landkreis Göttingen in einer öffentlichen Sitzung seinen Schulentwicklungsplan präsentieren. „Es ist vorerst nur eine Vorstellung, es wird noch kein Beschluss gefasst“, sagte Göttingens Kreisrat Marcel Riethig. Alle Beteiligten, Schulen und Eltern, hätten nach dem 18. Oktober Zeit, ihre Sicht der Dinge einzubringen.

Der SPD Ortsverein Herzberg hatte am Donnerstagabend nach einer kurzen Mitgliederversammlung zu einer öffentlichen Diskussion zum Thema "Schulentwicklung im Landkreis Göttingen" mit Marcel Riethig in das Restaurant „Zur Quelle“ in Lonau eingeladen.
 
Keine ideologischen Scheuklappen
 
Nach einem kurzen Exkurs zur Europa-Politik ging Riethig auf die lokale Bildungs- und Schulpolitik ein. Für den Landkreis seien bei der Aufstellung des Schulentwicklungsplanes drei Punkte wichtig, so der Kreisrat. Als erstes habe der Landkreis die Eltern gefragt, ob sie sich neue Schulformen wünschen. „Es ist nicht so wichtig, was an der Schule dransteht, sondern entscheidend, was in der Schule passiert.“ Die SPD solle in dieser Frage keine ideologischen Scheuklappen aufsetzen, schließlich habe die Elternumfrage ergeben, dass eine IGS nur von einer kleinen Minderheit gewünscht werde. Im übrigen habe man mit den Oberschulen gute integrative Systeme.
Als zweites habe man sich die Einzugsgebiete der Schulen angeschaut. Er selbst rate davon ab, diese Zuschnitte zu ändern. „Sonst untergraben wir die vorhandenen Angebote.“
 
Oft sind kleine Dinge entscheidend
 
Dem dritten Punkt schickte Riethig einige Zahlen voraus. Vor der Kreisfusion habe man insgesamt 16,9 Millionen Euro im Schuletat gehabt, jetzt seien es 27,7 Millionen, und zwar in jedem Jahr. Der Landkreis stelle also rund zwei Drittel mehr Geld für die Schulen bereit.

„Wenn wir irgendwo vier oder fünf Millionen Euro investieren, müssen wir sicher sein, dass die Schule in fünf Jahren noch existiert.“   -Marcel Riethig, Kreisrat Göttingen


Die Frage sei, wie verteile man das Geld? Ziel im Schulentwicklungsplan sei, den Schulen zu den Mindestschülerzahlen zu verhelfen. „Denn wenn wir irgendwo vier oder fünf Millionen Euro investieren, müssen wir sicher sein, dass die Schule in fünf Jahren noch existiert.“ Deshalb helfe man den Schulen, ihre Attraktivität zu steigern. Dabei spielten häufig kleine Dinge eine Rolle, wie zum Beispiel eine Jahresfahrkarte für Neuhofer Schüler der Oberschule Bad Sachsa oder ein Catering-Angebot für die Oberschule Badenhausen durch die Gastronomie der BBS. Auch die Oberschule Hattorf habe durch gezielte Werbemaßnahmen mit 51 Schülern fast doppelt so viele Anmeldungen wie im Vorjahr.
 
Attraktivität entscheidet
 
Beim Thema Schule könne man es aber ohnehin nicht allen recht machen, betrachtete Marcel Riethig die Situation nüchtern. Man könne sich nur an den Wünschen der Mehrheit orientieren. Bildung sei schließlich keine Ware und die Schullandschaft kein freier Markt, der dem Spiel der Kräfte überlassen werden könne. „Dann sind Verlierer vorprogrammiert. Wir wollen keinen freien Markt, sondern Schulen, die den Schülern gerecht werden.“ Deshalb wolle man auch keine weiteren Oberstufen an Schulen einrichten. Eine IGS könnte für die bestehenden Gymnasien eine echte Bewährungsprobe werden zulasten der Qualität.

Bei vielen Oberstufen mit geringen Schülerzahlen wäre man aufgrund des dann nur möglichen geringeren Angebotes schnell wieder bei dem Thema Zugkraft der Schule.
Auch die Frage aus der Zuhörerschaft, wie es mit der Lehrerversorgung aussehe, führte Marcel Riethig wieder zum Stichwort Attraktivität. Zwar sei die Lehrerversorgung Sache des Landes, aber der Landkreis sei hier gefordert, die Schulen so auszustatten, dass gute Lehrkräfte gewonnen werden könnten.
Der oft beklagte Lehrermangel ginge ebenfalls häufig einher mit der Bindung von Lehrkräften an zu geringe Schülerzahlen. In letzter Konsequenz müssten zu kleine Schulen geschlossen werden. Das schreibe das Land Niedersachsen den Kommunen vor.
Bei der Schulentwicklung gebe es aber nicht den Königsweg. Letztenendes entscheiden die Eltern, welche Schule und welche Schulform ihre Kinder besuchen. Da müssten die Schulen ansetzen, sich darstellen und interessant machen.
 


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