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Dienstag, 07. Juli 2020
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Geschrieben von Boris Janssen am 24. Juli 2013.
Politik

Tourismus endlich in Gang bringen

Seine „Sommertour“ führte Niedersachsens CDU-Generalsekretär auch nach Bad Lauterberg – es ging um Weltkulturerbe, Wassersport und unflexible Behörden

Gehen gut gelaunt in den Bundestagswahlkampf: Ulf Thiele (l.) und Fritz Güntzler.
Gehen gut gelaunt in den Bundestagswahlkampf: Ulf Thiele (l.) und Fritz Güntzler.
Roland Stahl (r.) und Susanne Mackensen-Eder erläutern die Probleme an der Odertalsperre.
Roland Stahl (r.) und Susanne Mackensen-Eder erläutern die Probleme an der Odertalsperre.
Auch Maik Dombrowsky (3.v.r.) weiß einiges zu erzählen. Rechts Horst Tichy.
Auch Maik Dombrowsky (3.v.r.) weiß einiges zu erzählen. Rechts Horst Tichy.
Überblick verschaffen: Der Generalsekretär zählt mal eben die Stellplätze auf dem Campinglatz.
Überblick verschaffen: Der Generalsekretär zählt mal eben die Stellplätze auf dem Campinglatz.
Darum geht es: Ute Kruse zeigt Ulf Thiele das Wiesenbek-Panorama.
Darum geht es: Ute Kruse zeigt Ulf Thiele das Wiesenbek-Panorama.

Bad Lauterberg ist ja doch irgendwie tiefste Provinz. So hat sich der Generalsekretär der CDU Niedersachsen Ulf Thiele denn auch mit einer Mischung aus Amüsement und Fassungslosigkeit angehört, welche Probleme die örtlichen Unions-Politiker mit Kommunen und Behörden so erleben. Auf Einladung des CDU-Direktkandidaten für die Bundestagswahl Fritz Güntzler und des CDU-Stadtverbandes machte Ulf Thiele am Dienstag (23.07.2013) auf seiner „Sommertour“ in der Kneippstadt Station. Seine Gastgeber hatten den Tourismus, insbesondere die Wassersportmöglichkeiten, zum Tagesthema erklärt.

Dass der Tourismus im Niedersächsischen Harz dringend gefördert werden muss, ist für Ulf Thiele keine Frage. Schließlich stehe neben Wattenmeer und Heide ja gerade der Harz für die große Vielfalt des Urlaubslandes Niedersachsen. Und dass sich da in Lauterbergs Nachbargemeinden auch durchaus etwas tut, verdeutlichte Horst Tichy, Vorsitzender der Stadtratsfraktion: In Bad Sachsa entwickelt sich der Ferienpark Salztal nach der Übernahme durch Landal aus den Niederlanden prächtig, in der Einöde auf Torfhaus wurde gerade ein neues Feriendorf eröffnet, in St. Andreasberg planen Dänen etwas ähnliches.

 

„Uns wird alles untersagt“

„Nur wir in der interessantesten Stadt im Südharz kriegen nichts gehoben“, stellte Tichy fest. Die Stadt liege nun einmal in einem schmalen Tal, was für Investoren schon ungünstig sei. Aber viel wichtiger: „Uns wird alles untersagt.“ Vor allem der Landkreis als Baubehörde erweise sich immer wieder als hartnäckiger Bremsklotz. Dazu kämen Institutionen wie Forst und Harzwasserwerke. Selbst die Stadt setze Investoren zuweilen Steine in den Weg, beziehungsweise marode Straßen vor. Durch die Weigerung, die Straße zum Wiesenbeker Teich zu sanieren, werde zum Beispiel „die Zufahrt zum Weltkulturerbe erschwert.“

Kreisvorsitzende Susanne Mackensen-Eder stimmte ein. Sie bezeichnete Bad Lauterberg als „super Ort“, der durch seine für den Harz vergleichsweise gute Anbindung vor allem auch für Kurzurlauber interessant sei. „Man könnte hier viele Konzepte aufbauen, die viele Menschen ansprechen – wenn man denn etwas bewegt kriegte.“

 

Motorverbot und einer der schlechtesten Campingplätze Deutschlands

Um konkret werden zu können, zeigten die Lokalpolitiker Ulf Thiele die beiden Bergseen Bad Lauterbergs. „Das ist ein schönes Fleckchen Erde“, sagte Stadtverbandsvorsitzender Roland Stahl an der Odertalsperre. Eigentlich müsste hier prima Wassersport möglich sein, zumal der Stausee nur zum Hochwasserschutz und zur Stromerzeugung dient. Allerdings dulden die Harzwasserwerke nur noch Angler und Segler, schon vor Jahren verboten sie jeglichen Motorverkehr. „Ein möglicher Investor braucht aber genau den“, so Stahl. Außerdem habe man vor einigen Jahren das Café auf dem Staudamm abgerissen – „das versteht keiner.“ Und dann ist da noch das Sorgenkind Campingplatz. „Das ist einer der schlechtesten in ganz Deutschland“, so Stahl. Doch wenn es um die Sanierung und Modernisierung geht, stellten sich die Beteiligten mit überzogenen Auflagen allesamt quer. Aber es frage sich ja ohnehin, ob der Campingplatz die mehrjährige Sperrung des Damms wegen der Sanierung der Talsperre überhaupt überlebt.

Im Anschluss ging es an den Wiesenbeker Teich, vorbei an der Handvoll Häuser im sogenannten Außenbereich, für die laut Tichy mittlerweile zum Teil Abrissverfügungen vorlägen – wegen Naturschutzbelangen. „In Braunlage entsteht ein neues Skigebiet, da ist sogar der Nationalpark egal, aber hier…“, ärgerte sich Tichy. Dafür interessiere sich dann wieder keiner für den Zustand der Hotelruine am Wiesenbeker Teich.

 

„Wasser muss man erleben“

Schließlich ging es zum Campingplatz von Maik Dombrowsky. Der erzählte von seinen Versuchen, einen Teil seiner Stellplätze mit Ferienhäusern zu bebauen oder eine Wasserskianlage zu errichten, von seinem Ärger mit der Stadt, wenn es um den Betrieb des Freibades, den Winterdienst oder die Sanierung der Fahrstraße geht und vom Ansinnen des Landkreises, den Tretbootverleih zu verbieten. Den häufigen Verweis auf den Weltkulturerbe-Status des Wiesenbeker Teiches kann Dombrowsky nicht verstehen: „Ich bin der einzige, der für dieses Denkmal Werbung macht.“ Es sei sinnlos, den Teich nur angucken zu dürfen – „Wasser muss man erleben.“

Ulf Thiele sieht das ganz ähnlich. „Der Titel Weltkulturerbe ist ja kein Rechtsgut. Er ist doch vielmehr dazu gedacht, ihn auch touristisch zu nutzen.“ Es könne nicht sein, dass willigen Investoren ständig Steine in den Weg gelegt werden, anstatt sie zu unterstützen. Wie angespannt zum Beispiel der Haushalt einer Stadt auch sein mag, „es gibt immer einen Weg, wie eine Kommune mit Unternehmern zusammenkommen kann“, ist Thiele überzeugt. Überhaupt müssten Land und Kommunalverwaltungen flexibel sein.

 

Dinge von unten anschubsen

Das scheinen sie im Südharz aber eher weniger zu sein. Deshalb wolle man nun versuchen, Dinge von ganz unten anzuschubsen, erklärte Roland Stahl. So sah er denn den Abend weniger als Wahlkampftermin denn mehr als Start einer überparteilich gedachten Initiative, für die man sich einmal professionelle Hilfe von außen hole.

Der Generalsekretär gab denn auch gleich einen Rat: Man müsse Detailkonzepte erarbeiten, sich mit allen Beteiligten und eventuell Betroffenen an einen Tisch setzen und schauen, wie ein Vorhaben am besten umgesetzt werden könne. „Eigentlich ist eine solche Moderation ja die klassische Aufgabe des Landrates“, stellte Ulf Thiele fest. Aber den gibt es hier im Moment ja nicht. Provinz halt.


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