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Donnerstag, 03. Dezember 2020
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Geschrieben von Karl-Heinz Wolter am 26. Juli 2020
Region

"Wie Bad Sachsa in den Westen kam"

Vortrag von Uwe Oberdiek im Kursaal Bad Sachsa

Herr Oberdiek bei seinem Vortrag
Herr Oberdiek bei seinem Vortrag
Blick in den Saal
Blick in den Saal
Original-Dokument und Übersetzung
Original-Dokument und Übersetzung
Karte aus der damaligen Zeit
Karte aus der damaligen Zeit
Auszug aus der Ausstellung im Grenzlandmuseum
Auszug aus der Ausstellung im Grenzlandmuseum

Am 23.07.2020 fand im Kursaal Bad Sachsa eine ganz besondere Veranstaltung statt, zu der der Förderkreis Grenzlandmuseum Bad Sachsa e.V. unter dem Vorsitz von Uwe Oberdiek eingeladen hatte. Thema an diesem Abend war die neue Ausstellung: "Wie Bad Sachsa in den Westen kam", die gemeinsam mit der Tourist-Information Bad Sachsa und der Bad Sachsa Holding präsentiert wurde. Das Datum der Veranstaltung wurde gewählt, weil sich genau vor 75 Jahren, nämlich am 23. Juli 1945, ein Gebietsaustausch zwischen der damaligen britischen und der sowjetischen Besatzungszone ereignet hatte, der wesentlich in die Geschichte der seinerzeit betroffenen Gemeinden, Städte und Gebietskörperschaften eingegriffen hatte. Über die Hintergründe dieses Tausches gab es z.T. unterschiedliche Aussagen; daher hatte sich der Förderkreis entschlossen, zu diesem 75-jährigen Jubiläum die wahren Gründe zu ermitteln.

Neue Erkenntnisse nach Recherche im National Archive

Diese neuen Erkenntnisse hatte Uwe Oberdiek im März dieses Jahres bei einem 1-wöchigen Besuch des Londoner National-Archivs gewinnen können und die Schriftstücke und Dokumente entsprechend gesichert. Die wesentlichen Erkenntnisse stellte er an diesem Abend im - unter den gegebenen Voraussetztungen voll besetzten -  Kursaal Bad Sachsa der Öffentlichkeit und den geladenen Gästen in einer Powerpoint-Präsentation vor. In seiner Begrüßung hieß er besonders willkommen Herrn Stefan Wenzel als Mitglied des Nds. Landtages; den Vertreter des Landkreises Göttingen, Kreisrat Marcel Riethig; eine Delegation aus der ehemaligen Kreisstadt Blankenburg mit dem stellvertretenden Bürgermeister Andreas Flügel; den Vertreter des Landkreises Nordhausen, den 1. Beigeordneten des Landrates Steffan Nüssle; den stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Bad Sachsa, Ralph Böhm und andere Ratsmitglieder.

Oberdiek war froh, dass die Veranstaltung unter den geltenden Schutzmaßnahmen überhaupt möglich geworden ist. Er bedankte sich ausdrücklich auch bei seinen Helfern bei den Übersetzungen. "Der Lauf der Geschichte muss nicht verändert werden - aber die Geschichte des Weges, die zu diesem Gebietstausch führte, kann jetzt angepasst werden" so Oberdiek in seiner Einleitung. Zuvor richteten Marcel Riethig, Stefan Nüssle, Andreas Flügel und Ralph Böhm Grußworte an die Teilnehmer und die Veranstalter, in denen die Wichtigkeit solcher Einrichtungen wie dem Grenzlandmuseum immer wieder betont wurde, um auch nachfolgenden Generationen die Geschichte näher zu bringen.

Detaillierter Vortrag zu den historischen Ereignissen

Alle waren neugierig und gespannt auf den Vortrag und bedankten sich ausdrücklich für das hohe Engagement des Vereins. Und dieser Vortrag begann mit einer Bilderserie aus der Vergangenheit. Dann beschrieb Oberdiek detailliert und fundiert die Entwicklungen in der damaligen Besatzungszeit durch die Alliierten. Den eigentlichen Kampftruppen folgten Militärregierungen und diese regelten alsbald die Aufgaben der öffentlichen Sicherheit und der Versorgung in den jeweiligen Zonen. Dabei wurde bereits in einem ersten Bericht einer britischen Militäreinrichtung vom 17.05.1945 neben der allgemeinen Lage die besondere Bedeutung für die Stromerzeugung das Kraftwerk Harbke bei Helmstedt erwähnt. Die Briten hatten dieses Kraftwerk in ihre weiteren Planungen zur Energieversorgung fest eingeschlossen, obwohl es in der sowjetischen Zone lag.

Da die Russen auf die Einhaltung der Grenzpläne von Jalta pochten und die US-Amerikaner ihren Rückzug aus den hier betroffenen Gebieten überraschend schnell durchführten, entwickelten die Briten unterschiedliche Pläne, um Problemen in der Versorgung vorzubeugen. So sollten 147 Gemeinden aus der sowjetischen in die britische Zone übertragen werden, zu denen auch Bad Sachsa gehörte. Da es aber als sehr unwahrscheinlich galt, dass die Sowjets diesen Plänen zustimmen, wurde nach Alternativen gesucht, um zumindest das Kraftwerk Harbke in britischer Hand zu lassen, weil der Wegfall dieses wichtigen Energielieferanten ein Dilemma für die britische Zone gewesen wäre.

So kam es dann nach Prüfungen und Machbarkeitsstudien zu deutlich reduzierten Gebietsforderungen: Für das Kraftwerk und die Stadt Harbke und das Gebiet um Bad Sachsa wurde das Amt Neuhaus und der Ostteil des Landkreises Blankenburg angeboten. Eigentlich von den Einwohnerzahlen her ein ungleicher Tausch (23 500 Einwohner zu 4500 in Bad Sachsa) aber diese Tatsache wurde als "Verhandlungsmasse" zur Sicherung der britischen Interessen genutzt. Die Verantwortlichen des 30. Korps der britischen Armee erhielten dann die Erlaubnis für weitere Unterredungen mit den Sowjets, die auch geführt wurden. Da die Sowjets aber Harbke nicht abgeben wollten, wurde auch diese Forderung aus den weiteren Verhandlungen herausgenommen, da die Sowjets sich vertraglich verpflichtet hatten, auch weiterhin 75 % der erzeugten Energie in die britische Zone zu liefern. So blieb dann von den ursprünglich vielen Gebieten des Tausches nur Bad Sachsa übrig. Und so ist es eigentlich dem Zufall und den nicht realisierbaren Gesamtplänen der Briten zu verdanken, dass "Bad Sachsa in den Westen" kam.

Die Bahntrasse, die auch schon mal als Hauptgrund für den Tausch genannt wurde, ist nach den neuesten Erkenntnissen nicht bedeutsam gewesen. Zum Schluss seiner hochinteressanten Ausführungen bedankte sich Oberdiek für alle Unterstützungen und zeigte sich zuversichtlich, auch weiterhin das Grenzlandmuseum in der neu gestalteten, modernen Form aufrecht erhalten zu können und er hofft auf eine uneingeschränkte Nutzung im neuen Jahr. Die Gäste dieses Abends nutzten im Anschluss die Gelegenheit, einen Teil der zitierten Dokumente und Protokolle, die so in keiner anderen Publikation bislang aufgetaucht sind, im Museum zu besichtigen.


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