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Dienstag, 01. Dezember 2020
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Geschrieben von Harzklub e.V. am 21. November 2020
Region

Wald im Ausnahmezustand: Harzklub e.V. sucht Allianzen

Verein verabschiedet Resolution und startet länderübergreifenden Appell

Waldsterben im Harz: der Harzklub-Hauptverein schlägt Alarm. Foto: Rainer Köpsell
Waldsterben im Harz: der Harzklub-Hauptverein schlägt Alarm. Foto: Rainer Köpsell

Im Mittelpunkt der Beschlüsse zur Jahreshauptversammlung des Harzklub e.V. stand die Verabschiedung der Harzklub-Resolution. Mit dem Titel „Der Harz(er) Wald geht nicht ohne uns“ richtet sich der länderübergreifend tätige Heimat-, Wander- und Naturschutzbund an politische Entscheidungsträger auf Länder-, Bundes-, und Europaebene. Ziel der Resolution ist es, eine breite gesellschaftliche Allianz zu schmieden, um den bedrohlichen Ausnahmezustand der Harzwälder abzuwenden. Der weit über den Harz hinaus aktive Verein zählt 12.000 Mitglieder und gliedert sich in 86 Zweigvereine. Die jetzt auf der Jahreshauptversammlung von breiter Mehrheit getragene Resolution fordert mehr öffentliche Hilfe. Die Wälder vor noch größeren Schäden zu bewahren bedarf es einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung, fordert der Verband in seiner Verabschiedung vom 7. November 2020.

Die Wälder vor noch größeren Schäden bewahren

Hintergrund für den Appell des Heimatbundes ist ein frappierender Verlust alter Nadelwälder im Mittelgebirge. Stürme, Trockenheit und Borkenkäferbefall hätten dazu geführt, dass riesige Flächen schon jetzt und auch künftig frei von Fichten sein werden, lautet seine Sorge. Auch Buchen und Eichen seien bereits gravierend geschädigt, beobachtet der Naturschutzverein. Dass „sich in jüngster Zeit die uns vertrauten Waldbilder rasant verändern“, sieht der Harzklub besonders kritisch und wendet sich in einem Brief an Politiker mit der Bitte, den Aufbau stabiler artenreicher Wälder mit geeigneten Maßnahmen zu fördern.

Der Wanderverband sieht sich in besonderer Verantwortung für den Naturraum. In seiner über 130- jährigen Vereinsgeschichte hat er die Grundlagen dafür geschaffen, dass der Harz zu einer attraktiven Wanderregion wurde. Viele Zweigvereine engagieren sich seit Jahrzehnten für gesunde Wälder. In ehrenamtlicher Arbeit gestalten sie Biotope, widmen sich der Landschaftspflege und dem Artenschutz. Unter dem Motto „Naturschutz mit Augenmaß“ beziehen die Zweigvereine den Mensch mit seinem Recht auf Erholung in der Natur mit ein.

"Unsere Heimat muss für die Enkel erhalten werden"

Doch die bisherigen Anstrengungen reichten nicht aus Deshalb müsse laut Harzklub mehr getan werden: „Der Harzer Wald braucht unser aller Hilfe“. Die fünf Haupt-Forderungen an die Landesregierungen in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fasst der Verein so zusammen: Ein Waldschadensfonds soll Waldbesitzern schnelle Hilfe zum Beispiel für Aufforstungen gewähren. Auch die Gemeinwohlleistungen des Waldes sollten honoriert werden. Zweitens will er Waldbauprogramme fortführen, die stabile und artenreiche Mischwälder entwickeln und setzt auf länderübergreifende Abstimmung. Der dritte Punkt gilt dem freien Betretungsrecht. Hier setzt sich der Harzklub dafür ein, dass Rechtssicherheit für Waldbesitzer in Fragen der Verkehrssicherheit hergestellt werde. Die vierte Forderung ist in die Zukunft gerichtet. Die Leistungsfähigkeit der Harzer Wälder soll gewährleistet bleiben und zwar hinsichtlich der Erholungsfunktion, seiner Vielfalt an Lebensräumen und einer nachhaltigen Holzproduktion. Der Harz könne mehr zum Klimaschutz beitragen, wenn leistungsstärkere Baumarten mehr Kohlendioxid binden würden. Die fünfte Forderung ruft nach einem länderübergreifenden Krisenstab, der diese und weitere Aufgaben koordinieren könne.

Als wesentliches Ziel will der Harzklub mit seiner Resolution „Enkeltauglichkeit sicherstellen“. Die Resolution wendet sich nicht nur an die Politik und die regionalen und kommunalen Entscheidungsträger im Harz. Sein Appell richtet der Verband letztlich an alle und verlangt: „Unsere Heimat muss für unsere Enkel erhalten werden!“

Vorrangige Aufgabe sei das Eindämmen der aktuellen Borkenkäferschäden. Daran anschließend müssten die waldbaulichen Weichen hin zu artenreichen Mischwäldern mit einer hohen Kohlendioxidbindung gestellt werden, lautet einer der Kernpunkte. Wichtig aus Sicht des Harzklubs sei das gemeinsame Handeln über Landkreis- und Landesgrenzen, über berufspolitische Interessen sowie über politische Gesinnungen hinweg, um den Wald von morgen erfolgreich zu gestalten.

Der Harzklub e.V. versteht sich als Vermittler zwischen den Interessen der Waldeigentümer und der Waldbesucher. Die Harzer Wälder sind seine Herzensangelegenheit. Er ist verantwortlich für die Markierung und Unterhaltung der Wanderwege des Harzes, natürlich unter Berücksichtigung schutzwürdiger Bereiche. In enger Zusammenarbeit mit Forstleuten und Waldbesitzern fördert er die Erholungsqualität.

So beinhalten die jüngsten Beschlüsse zur Jahreshauptversammlung auch aktive Hilfsmaßnahmen des Harzklubs und seiner Mitglieder beim Aufbau stabiler artenreicher Wälder, beispielsweise in Form von Pflanzaktionen oder Spenden zum Kauf von Pflanzmaterial. Eine erste Pflanzaktion auf einer Fläche der Niedersächsischen Landesforsten fand positives Echo.

Aufgrund der deutschlandweit hohen Infektionszahlen mit dem Corona-Virus erfolgte die Abstimmung zur Jahreshauptversammlung in schriftlicher Form. Das Interesse war sehr hoch, 79% der stimmberechtigten Mitglieder haben sich beteiligt. „Die Harzklub-Resolution zum Erhalt und der künftigen Entwicklung unserer Harzer Wälder wurde ohne Gegenstimmen verabschiedet. Ich übergebe hiermit die Resolution des Harzklub e.V. mit der Bitte, unser Anliegen zu diskutieren und zu beschließen“, lautet der Aufruf von Harzklub-Präsident Dr. Oliver Junk.


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