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Montag, 28. November 2022
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Geschrieben von Boris Janssen am 11. April 2014
Region

Offene Tür in eine spezielle Gefühlswelt

Selbsthilfegruppe Autismus-Osterode beim 1. Peiner Autismustag

In den Räumen einer Peiner Kirchengemeinde standen die Türen allen Interessierten offen. (Fotos: privat)
In den Räumen einer Peiner Kirchengemeinde standen die Türen allen Interessierten offen. (Fotos: privat)
Doktor der Geophysik, Bestseller-Autor und Autist: Peter Schmidt.
Doktor der Geophysik, Bestseller-Autor und Autist: Peter Schmidt.
Peter Schmidts Hauptproblem bei der Kommunikation: „Ich kann keine Farben sehen.“ Schon dass dieser Satz im übertragenen Sinn gemeint ist, nicht wörtlich, überfordert die meisten Autisten.
Peter Schmidts Hauptproblem bei der Kommunikation: „Ich kann keine Farben sehen.“ Schon dass dieser Satz im übertragenen Sinn gemeint ist, nicht wörtlich, überfordert die meisten Autisten.

Die Selbsthilfegruppe Autismus-Osterode hat am Samstag (05.04.2014) am 1. Peiner Autismustag teilgenommen. Den hatte die dortige Selbsthilfegruppe zum jährlichen Welttag der Aufklärung über Autismus (2. April) organisiert. Ziel war es, mit Infoständen und einem hochkarätig besetzten Vortragsprogramm die Öffentlichkeit über diese tiefgreifende Entwicklungsstörung und das Leben von und mit Autisten zu informieren. Und für die Probleme und Sorgen zu sensibilisieren, die sich durch den Autismus für alle Betroffenen im Alltag ergeben. Deshalb standen die Türen natürlich allen offen, die einen Blick in die ganz spezielle Gefühlswelt von Autisten werfen wollten.

Die Selbsthilfegruppe Autismus-Osterode beteiligte sich einerseits selbst mit einem Infostand an der Veranstaltung in den Räumen der Peiner Friedenskirchengemeinde. Aber natürlich nutzten die Mitgereisten auch die Gelegenheit zum Austausch mit Betroffenen. „In den Pausen ergaben sich spannende Gespräche“, sagt Grit Bormann, Ansprechpartnerin bei Autismus-Osterode. „Tief beeindruckt hat mich die ungezwungene Atmosphäre zwischen Autisten, Angehörigen und Interessierten.“

 

Grautöne statt Regenbogen

Das Vortragsprogramm sei dann höchst informativ und abwechslungsreich gewesen, berichtet die Gruppe. Die Sicht eines Autisten selbst schilderte Bestseller-Autor Peter Schmidt („Ein Kaktus zum Valentinstag“, „Der Junge vom Saturn“). Der promovierte Geophysiker ist Autist mit ausgeprägtem Asperger-Syndrom. Er vergleicht die zwischenmenschliche Kommunikation mit all ihren emotionalen Zwischentönen gerne mit einem Farbspektrum. Mit dem hätten Autisten ein großes Problem: Sie könnten keine Farben sehen, sondern nur Grautöne. Unterschiedliche Farben verschmelzen zu einem unübersichtlichen Brei oder gehen einfach unter (siehe Foto unten).

Die Psychotherapeuten Uwe Tänzer (Peine) und Ingo Spitczok von Brisinski (Viersen) sprachen über Diagnose und Therapie. Noch immer ist die Diagnose und Früherkennung von Autismus schwierig, viele erfahren erst als Erwachsene, was es mit ihrer Besonderheit auf sich hat, wie eben Peter Schmidt. Auch die Therapieangebote sind meist verbesserungswürdig.

Tina Crimmann aus Leipzig ist Mutter von vier Kindern, darunter gleich drei Autisten. Sie erzählte, wie es ihr gelingt, mit ihrem jüngsten Sohn zu kommunizieren, obwohl er nicht sprechen und – für Autisten typisch – Gebärden, Mimik und Symbole nur sehr schwer deuten kann.

Dank örtlicher Sponsoren war der 1. Peiner Autismus-Tag für jedermann kostenlos. Aber gewiss nicht umsonst. Die Selbsthilfegruppe Autismus-Osterode jedenfalls findet ihn unbedingt wiederholenswert.

 

Selbsthilfegruppe Autismus-Osterode

Autismus-Osterode ist eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Autisten. Es finden regelmäßige Treffen statt, um sich auszutauschen und neue Anregungen zu finden. Am zweiten Freitag jedes Monats trifft sich die Selbsthilfegruppe zum Stammtisch. Mehr zur Selbsthilfegruppe und zu Kontaktmöglichkeiten lesen Sie hier.


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