Sonntag, 30. April 2017


Geschrieben von PM / Boris Janssen am 13. April 2017
Region

Fast alle Aufkleber des Gedenkprojekts „72 Jahre danach“ verschwunden

Verein Jugend für Dora erschrocken darüber, dass „öffentliche Diskussion über Erinnerungskultur in Nordhausen offenbar nicht möglich ist“

Auch der Aufkleber am Eingang zum Bad Lauterberger Boulevard ist beschädigt – hier scheint aber eher das Kleben Probleme zu machen.
Auch der Aufkleber am Eingang zum Bad Lauterberger Boulevard ist beschädigt – hier scheint aber eher das Kleben Probleme zu machen.

Rund um den 72. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora hat der Verein Jugend für Dora ein eigenes Projekt initiiert: Rund 40 Bodenaufkleber verteilten die Mitglieder im Stadtgebiet Nordhausen, jeweils vier weitere in Osterode und Bad Lauterberg, um im öffentlichen Raum eine Diskussion zur Erinnerungskultur anzuregen. Kaum zwei Tage später sind die meisten Aufkleber geklaut und zerstört. Daraus schloss der Verein am Mittwoch (12.04.2017) ernüchtert: „Eine öffentliche Diskussion über Erinnerungskultur ist in Nordhausen offenbar nicht möglich.“

Mitglieder des Vereins hatten in der Nacht von Sonntag auf Montag rund 40 Bodenaufkleber an belebten Orten in der Stadt Nordhausen verteilt. Auf den Aufklebern sind Statements aufgedruckt, die eine Diskussion über die zukünftige Erinnerungskultur und aktuelle politische Debatten anregen sollen. Dazu wurde eigens ein Internet-Blog angelegt, auf welchem offen diskutiert werden soll. Auf diesen Blog kann man über einen QR-Code auf den Aufklebern gelangen.

 

„Straftaten, um eine Debatte zu verhindern“

Bereits einen Tag nach Beginn des Projektes wurden aber fast alle Aufkleber in Nordhausen gestohlen oder zerstört – dies zum Teil unter den Augen von Mitgliedern des Vereins und der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. „Es ist erschreckend, wie selbstbewusst hier Straftaten begangen werden, um eine Debatte über Erinnerungskultur zu verhindern“, sagt Carmen Hause, die Vorsitzende von Jugend für Dora. Mittlerweile hat der Verein Strafanzeige gestellt. „Der erhebliche finanzielle Schaden ist für uns nicht der zentrale Punkt, vielmehr sind wir erschrocken darüber, dass es in Nordhausen nicht möglich ist, eine offene Diskussion über Erinnerungskultur anzustoßen, ohne dass Menschen versuchen, dies zu verhindern“, so Carmen Hause weiter.

Für den Verein war das diesjährige Projekt rund um den Jahrestag der Befreiung in der Gedenkstätte ein offenes Experiment, bei dem ein Dialog mit Nordhäuserinnen und Nordhäusern entstehen sollte. „Dass das Projekt nun durch Sachbeschädigungen und Diebstahl zu einem vorzeitigen Ende gekommen ist, bietet sicher eine ebenfalls spannende Diskussion über den Umgang mit offenen und demokratischen Diskussionsprojekten in Nordhausen“, schätzt der Verein.

In Bad Lauterberg hatte Bürgermeister Dr. Thomas Gans zusammen mit Douglas, Praktikant im Jugendraum, die vier Aufkleber angebracht. Auch hier waren am Donnerstag nur noch zwei intakt. Der dritte war zerknittert, der vierte vor dem Heimatmuseum verschwunden. Allerdings ist hier unklar, ob die Aufkleber vorsätzlich beschädigt wurden oder ob sie auf dem Pflaster einfach nicht so gut halten.

 

Blog bleibt wie geplant bis Ostersonntag geöffnet

Das Kommentieren und Diskutieren der Statements und Ereignisse auf dem Blog wird wie geplant bis zum Sonntag, dem 16. April 2017, möglich sein. Die Seite ist unter dem Link jfd72.wordpress.com (externer Link) zu erreichen.


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