Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung von LauterNEUES erklären Sie sich damit einverstanden.

Dienstag, 22. Oktober 2019
Login



Geschrieben von PM Landkreis Göttingen am 30. August 2018
Region

Planungsgrundlage für mehr Lebensqualität

Daseinsvorsorgeatlas für die Region Göttingen vorgestellt – Karte zu Versorgung und Infrastruktur im Landkreis

Ein Beispiel aus dem Atlas: Karte zum voraussichtlichen Ruhestandseintritt der Hausärzte.
Ein Beispiel aus dem Atlas: Karte zum voraussichtlichen Ruhestandseintritt der Hausärzte.

In welchen Ortschaften gibt es einen Lebensmittelmarkt? Wie gut ist die nächste Arztpraxis erreichbar? Welche Freizeiteinrichtungen gibt es in den Gemeinden? Antworten auf diese Fragen gibt der Daseinsvorsorgeatlas. Er wurde vom ILS-Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH aus Dortmund als Teil der Innovationsgruppe UrbanRural Solutions für den Landkreis Göttingen erstellt.

Verantwortliche in Politik und Verwaltung sowie Akteure in Vereinen und Verbänden haben damit eine Grundlage für ihre Entscheidungen und Planungen zur Entwicklung der Infrastruktur in den Ortschaften. „Der Daseinsvorsorgeatlas kann als Planungsgrundlage beitragen, soziale Infrastruktur zu erhalten und zu entwickeln und damit die Lebensqualität im ländlichen Raum zu steigern“, bringt es Kreisrat Marcel Riethig auf den Punkt.

Der Daseinsvorsorgeatlas für die Region Göttingen ist abrufbar auf den Webseiten des Landkreises Göttingen (externer Link) oder des ILS-Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (externer Link, PDF-Download).

 

Zum Projekt UrbanRural Solutions

Im Projekt stehen Zielgruppen und Themen im Fokus, die im Atlas vertieft analysiert und erläutert sowie in Karten und Diagrammen dargestellt werden. Für ältere Menschen kristallisierte sich im Verlauf des Vorhabens und in nachfolgenden Workshops das Thema Gesundheit und selbstständige Versorgung heraus. Für Jugendliche wurden Freizeitversorgung und Mobilität in den Blick genommen.

Mit regionalen Vertretern aus Haupt- und Ehrenamt, Planern und Experten wurden in Workshops Szenarien für die zukünftige Versorgungslage der Einwohner diskutiert. Der Hintergrund bildet die Bevölkerungsentwicklung, die auf der Basis einer kleinräumigen Bevölkerungsprognose dargestellt wird. Zahlen der Bertelsmannstiftung zeigen, dass einige Städte und Gemeinden, vor allem im Raum Harz von den Jahren 2000 bis 2030 gerechnet, 20 bis 30 Prozent ihrer Bevölkerung verlieren könnten.

 

Welche Probleme kommen auf die Region zu?

Die Szenarien einer zukünftigen Versorgung kleinerer Orte wurden teilweise kontrovers diskutiert. Aktuelle Marktentwicklungen zeigen den Trend zu größeren Lebensmittelmärkten. Ob Dörfer deswegen zukünftig nur noch mit Lebensmitteln über Lieferdienste versorgt werden, wurde von Teilnehmern eher bezweifelt. Wohnortnahe Angebote, an denen persönliche Ansprechpartner zu erreichen sind, seien immer noch zentral für eine Sicherung der zukünftigen Versorgung. Der nächste Lebensmittelladen ist aktuell gut mit dem Auto, in größeren Orten sogar gut zu Fuß zu erreichen. Bricht allerdings der nächste Markt weg, verschlechtert sich die Erreichbarkeit, so dass Menschen, die nicht mehr mit dem Pkw mobil sind, an ihre Grenzen kommen.

In Bezug auf Hausarztpraxen gilt es als wahrscheinlich, dass sie zukünftig vor allem in größeren Siedlungen zu erreichen sind. Bis zum Jahr 2030 werden mehr als die Hälfte aller heute praktizierenden Hausärzte in der Region in das Ruhestandsalter über 68 kommen. Die Nachwuchsgewinnung wird zunehmend ein Thema bei der Gesundheitsversorgung. Die Wege zur nächsten Arztpraxis könnten deutlich länger werden, wenn Landarzt-Praxen schwerer Nachfolger finden, was ebenfalls vor allem für weniger mobile Ältere zu einem Problem werden kann.

Erreichbarkeiten der nächsten Zentren mit Bus und Bahn wurden ebenfalls berechnet. Fahrtzeiten in die Zentren liegen dabei heute im überwiegenden Teil des Gebietes bei über 30 Minuten. Für ältere Menschen sei dabei auch der Weg zum nächsten Bahnhaltepunkt zu berücksichtigen. Bahnhaltepunkte liegen im Harzer Raum eher am Rand oder außerhalb der Kernorte.

 

Lösungsansätze suchen

Wie das Lebensmittelhandwerk, Gemüse- sowie weitere Lebensmittelanbieter heutige und mögliche zukünftige Versorgungslücken in kleineren Orten schließen könnten, wurde in den Workshops diskutiert. Daraus wurde der „Praxistest rollender Markt“ im Frühjahr 2018 gestartet. Die geplanten Orte wiesen keine oder nur noch kleinere Lebensmittelmärkte auf und haben 1.500 bis 2.500 Einwohner. Potenzielle Marktbeschicker wurden gesucht, nur wenige konnten sich eine Kooperation vorstellen, vorwiegend aus Kapazitätsgründen. Ebenfalls aus den Workshop-Diskussionen heraus hat sich ein Netzwerk gebildet, das sich der verstärkten Integration von ländlichen Hausarztpraxen in die Ausbildung junger Mediziner widmet.

Die regionale Projektkoordination, des vom BMBF geförderten Vorhabens UrbanRural Soilutions ist beim Landkreis Göttingen im Referat für Demografie und Sozialplanung angesiedelt. Das Projekt läuft noch bis Frühjahr 2019.


mt_ignore

.................................................................................................................................................

Bild der Woche