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Montag, 22. April 2019
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Geschrieben von Karl-Heinz Wolter am 01. April 2019
Vereine und Verbände

Heute, morgen, übermorgen: Nahverkehr, hausärztliche Versorgung und der Bevölkerungsrückgang

DGB-Regionsvorsitzender sprach über Perspektiven und Entwicklungen im Harz

Foto: Der Ortsverbands-Vorsitzende (links) Klaus-Richard Behling, Schriftführerin Yvonne Willig (mit dem Motto) und der Referent Lothar Hanisch.
Foto: Der Ortsverbands-Vorsitzende (links) Klaus-Richard Behling, Schriftführerin Yvonne Willig (mit dem Motto) und der Referent Lothar Hanisch.

Beim letzten Treffen des DGB-Ortsverbandes Bad Lauterberg am 25.03.2019, zu dem der Vorsitzende Klaus-Richard Behling eingeladen hatte, stand neben allgemeinen gewerkschaftlichen Belangen ein Vortrag des Regionsvorsitzenden des DGB Südniedersachsen, Lothar Hanisch, im Vordergrund. Dieser referierte zu dem Thema "Heute, Morgen, Übermorgen: Gutes Leben für Jung und Alt?" und gab dabei einen Überblick zu den Perspektiven und Entwicklungen im Harz. Die jeweiligen Themenbereiche wurden in der Runde gleich diskutiert. Zu Beginn der Veranstaltung wurde ein kleiner Film gezeigt, der sich mit diesem Thema kritisch auseinandersetzte. Dieser Clip wurde auf einer Klausurtagung unter der Mitwirkung von Teilnehmern des Ortsverbandes gedreht. Ausgangspunkt ist eine Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbundes, die sich unter dem Motto "Reden wir über....."mit unterschiedlichen Themen in einem Zukunftsdialog auseinandersetzt.

Bevölkerungsrückgang und Auswirkungen auf die Infrastruktur

In seinem Vortrag bezog sich Hanisch auch auf den Daseinsvorsorge-Atlas in der Region Göttingen, in dem die derzeitige und künftige Situation für Wohnen und gutes Leben in unserer Region abgebildet wird. Es ging auch um Perspektiven im Harz für die Jugend und für ältere Menschen. Laut dem Vorwort besteht in vielen Kommunen die Gefahr, dass Bevölkerungsrückgang-und Alterung zu einer Schließung von wohnstandortbezogenen Einrichtungen der Daseinsvorsorge führen können und damit die verbundenen Probleme stetig zunehmen werden. Eine besondere Herausforderung ist dabei die Bevölkerungsentwicklung: Bis auf Göttingen und Rosdorf werden vermutlich alle anderen Gemeinden Einwohner verlieren; im Altkreis Osterode werden das im Jahr 2030 vermutlich ca. 30 Prozent sein, es wird mehr ältere und weniger jüngere Einwohner geben. Und das hat dann Auswirkungen auf den Bestand von Krankenhäusern, Pflegeheimen, Tagespflegen und andere Einrichtungen. Im hiesigen Bereich gibt es derzeit noch eine ausreichende Versorgung bei den Grundschulen und den Kindergärten, wodurch noch keine weiten Anfahrten in die Mittelzentren notwendig ist. Anders sieht das schon aus bei öffentlichen Freizeiteinrichtungen für Jugendliche; dabei müssen mitunter schon Anfahrten in Kauf genommen werden. Vereine leisten derzeit eine gute Arbeit bei der Betreuung von Jugendlichen. In einer Erreichbarkeitsanalyse wurde beleuchtet, dass man für Anreisen in ein Mittelzentrum (z.B. Osterode) oder ins Oberzentrum Göttingen recht lange Fahrtzeiten in Kauf nehmen muss. Und wenn man selbst nicht mehr mobil ist, gestaltet sich dieses mitunter als ziemlich schwierig und umständlich. Die Versorgung durch den öffentlichen Nahverkehr wurde kritisiert; einmal in Bezug auf die Fahrtzeiten und auch auf die Preisgestaltung.

Hausärztliche Versorgung

Ein weiteres Thema war die hausärztliche Versorgung auf dem Lande, die derzeit zwar noch gesichert ist, aber in der nahen Zukunft problematisch werden könnte, weil durch die Zunahme des Anteils der älteren Bevölkerung auch der Bedarf an hausärztlichen Dienstleistungen steigen dürfte. In Niedersachsen ist jeder dritte Hausarzt älter als 60 Jahre, dadurch könnten sich Probleme in der Praxisnachfolge ergeben, da die städtischen Räume für Ärzte attraktiver sind. Je kleiner die Orte sind, um so schlechter könnte die hausärztliche Versorgung in einem Ort werden. Weitere Fahrtwege und Wartezeiten (auch bei den Fachärzten) wären die Folgen; daher ging ein dringender Appell an die Politik, hier Ideen und neuen Modelle zu entwickeln.

Ein weiteres Szenario war die schwieriger werdende Nahversorgung auf dem Lande mit Lebensmitteln durch die fortschreitende Konzentration auf Discounter und Supermärkte mit großen Verkaufsflächen. Positiv wurde der Breitbandausbau beschrieben. Der Einsatz von sogenannten Eco-Bussen wurde in der abgelaufenen Testphase im Bereich Osterode und Goslar als äußerst positiv bewertet, weil individuelle Bedürfnisse berücksichtigt wurden ohne dabei besonders teuer zu sein, da es eine Förderung durch die Kommunen gegeben hat. Dieses System wird zunächst an einem anderen Ort weiterhin getestet und steht daher hier vermutlich nicht zur Verfügung. Insgesamt wurde die Situation der Versorgung im ländlichen Bereich von Hanisch als überwiegend noch ausreichend beschrieben, die Probleme müssen aber erkannt werden und die Verantwortlichen (auch die Kommunen) müssen kreativ gegensteuern, um die Versorgung in der Fläche und in der Breite zu sichern oder zu verbessern.  Zum Ende der Veranstaltung wies Behling noch auf die kommende Jahresveranstaltung am 27.04.2019 hin.


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