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Freitag, 03. Juli 2020
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Geschrieben von Peter Bischof (Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz am 28. Januar 2020
Vereine und Verbände

Wenn Rettungshunde Leben retten

Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz unterstützt Johanniter Rettungshundestaffel

Zehn Mitglieder der Johanniter Rettungshundestaffel Südniedersachsen aus Göttingen kamen mit ihren Hunden zum Rotary-Meeting im Hotel Englischer Hof in Herzberg. Mit im Foto Dr. Astrid Laue-Savic, die Präsidentin des Rotary Clubs.
Zehn Mitglieder der Johanniter Rettungshundestaffel Südniedersachsen aus Göttingen kamen mit ihren Hunden zum Rotary-Meeting im Hotel Englischer Hof in Herzberg. Mit im Foto Dr. Astrid Laue-Savic, die Präsidentin des Rotary Clubs.
Lucky, Karim, Biuka und ihre Artgenossen warteten ganz entspannt auf ihren späteren Schau-Einsatz.
Lucky, Karim, Biuka und ihre Artgenossen warteten ganz entspannt auf ihren späteren Schau-Einsatz.
Dr. Bettina König ist die Staffelleiterin und Zugführerin. Sie ist Försterin in den Niedersächsischen Landesforsten und arbeitet mit der Rettungshundestaffel seit 2001. Zudem ist sie Bundesausbilderin für Rettungshunde.
Dr. Bettina König ist die Staffelleiterin und Zugführerin. Sie ist Försterin in den Niedersächsischen Landesforsten und arbeitet mit der Rettungshundestaffel seit 2001. Zudem ist sie Bundesausbilderin für Rettungshunde.
Volles Haus beim Rotary-Meeting mit den Johannitern. Das Thema stieß auch bei den Mitgliedern des Clubs auf großes Interesse.
Volles Haus beim Rotary-Meeting mit den Johannitern. Das Thema stieß auch bei den Mitgliedern des Clubs auf großes Interesse.
Es ging sehr lebhaft zu im kleinen Saal des Englischen Hofes.
Es ging sehr lebhaft zu im kleinen Saal des Englischen Hofes.

Karim, Lucky und Biuka waren ganz entspannt. Die drei Hunde der Johanniter-Rettungshundestaffel Südniedersachsen dösten während des Vortrages von Dr. Bettina König, Leiterin der Staffel, vor sich hin. Umso aufmerksamer waren die Teilnehmer des Meetings des Rotary Clubs Bad Lauterberg-Südharz, die sich von Dr. König über die Johanniter und die oft lebensrettende Arbeit mit den Tieren informieren ließen.

 

„Für den Hund ist das Motto ,Menschen sind toll, wenn ich sie gefunden habe, bekomme ich Spielzeug oder Futter‘.“

Dr. Bettina König, Leiterin der Johanniter Rettungshundestaffel Südniedersachsen

 

Die Hunde kämen zum Einsatz, so Dr. König, wenn ältere Personen aufgrund von Verwirrtheit und dem Fehlen von dringend benötigten Medikamenten in lebensgefährliche Situationen gekommen seien, spielende Kinder sich verlaufen hätten, Jogger oder Mountainbiker nach einem Sportunfall hilflos im Wald lägen oder Wanderer und Pilzsucher nach einem Schwächeanfall dringend ärztliche Hilfe benötigten. „Häufig werden wir auch gerufen, wenn Unfallopfer im Schockzustand vom Unfallort fortgelaufen sind oder suizidgefährdete Personen gefunden werden müssen.“

Leider, so die Staffelführerin, werde man aber auch häufig zu spät angefordert. So zuletzt bei einem Einsatz in Bad Grund, wo nach 48 Stunden aufgrund der Witterungslage kaum noch Spuren vorhanden waren. Häufig stehe der Glaube im Weg, dass der Einsatz der Hundestaffel mit hohen Kosten verbunden sei. „Aber unser Einsatz ist grundsätzlich für die Betroffenen kostenfrei“, so Dr. König.

 

Geruchssinn der Hunde 100 Millionen Mal besser

Die Rettungshundestaffel wurde im Oktober 2001 gegründet. Sie besteht aus 29 Rettungshundeteams, die jeweils aus dem Hundeführer und seinem Hund bestehen. Die Tiere sind in Privatbesitz der ehrenamtlich tätigen Johannitermitarbeiter. Für Kosten wie zum Beispiel Tierarzt müssen die Halter selbst aufkommen. Und alle zwei Jahre muss die Prüfung zum Rettungshundeführer neu abgelegt werden. 

Die Hundeführer sind wie ihre Tiere mit großem Engagement dabei, das wurde bei dem Treffen mit den Rotariern deutlich. Das Motto „Aus Liebe zum Leben“ sei Ansporn und es sei immer wieder eine tiefe Befriedigung, wenn der Hund bei der Suche die vermisste Person „verbellen“ könne.

„Die Hunde sind in der Lage, die Vermissten zu finden, weil sie durchschnittlich 220 Millionen Riechzellen besitzen. Der Mensch verfügt nur über fünf Millionen Riechzellen“, erklärte König. „Der Geruchssinn der Hunde ist aber nicht nur 44 Mal stärker als der des Menschen, sondern 100 Millionen Mal besser, da beim Hund jede Zelle einzeln an das  Gehirn sendet. Beim Menschen werden die wenigen Riechinformationen noch zusätzlich gebündelt.“

Das Riechen der Menschen sei für den Hund möglich, da menschliche Hautpartikel mit Bakterien beladen seien. Hautsekrete wie Talg und Öle sowie Schweiß im Zusammenspiel mit den Hautbakterien nehme der Hund aus der Luft auf und finde so die vermisste Person.

Deshalb werden die Rettungshunde auch bei der Trümmersuche, der Lawinensuche, der Wasserrettung und Wasserortung eingesetzt. Wobei die Mantrailer nach der individuellen Geruchsspur eines bestimmten Menschen, die Rettungshunde bei der Flächensuche grundsätzlich nach menschlichem Geruch suchen. Die Mantrailer können die individuelle Spur je nach Witterung auch noch nach Wochen selbst in Städten finden.

„Mit einem Mantrailer kann auch überprüft werden, ob eine Person an einem bestimmten Ort gewesen ist. Gerade bei der Vermisstensuche gehen häufig Falschmeldungen ein.“

 

14 Fußballfelder in 60 Minuten

Das Einsatzgebiet der Rettungshundestaffel Südniedersachsen reicht vom Raum Hannover bis westlich zur Grenze von Nordrhein-Westfalen und im Osten zur Grenze nach Sachsen-Anhalt und Thüringen. In Teilen von Nordhessen darf die Staffel tätig werden.

Neben der Suche nach Vermissten im Wald, Feldmark, Fabriken und großen Freiflächen gibt es Einsatzmöglichkeiten beim Hochwasserschutz, bei Busunglücken oder Bombenräumungen, in Altenheimen, Kindergärten und Schulen. „Wir sollten alarmiert werden, wenn große Gebiete in kürzester Zeit abgesucht werden müssen. Ein Team, also ein Hundeführer und ein Rettungshund, können die Fläche von rund 14 Fußballfeldern in circa 60 Minuten absuchen. Sie sind damit sechsmal schneller als eine Suchkette mit 80 Helfern. Auch dort, wo die Suchkette nicht durchkommt, zum Beispiel Dickicht, sucht der Hund. Gerade in unübersichtlichen und unwegsamen Gelände mit dichtem Bewuchs haben die Hunde viele Vorteile gegenüber der technischen Ortung zum Beispiel mit Wärmebildkameras und den Suchketten.

„Allerdings sucht der Rettungshund nicht nur die vermisste Person, sondern auch immer sein Spielzeug und Futter“, so Dr. König. „Für den Hund ist das Motto ,Menschen sind toll, wenn ich sie gefunden habe, bekomme ich Spielzeug oder Futter‘. Dieses bekommt der Hund im Training grundsätzlich von der versteckten Person, im Einsatz jedoch vom Hundeführer.“

 

Hochprofessionell aufgestellt

„Wir sind eine hochprofessionelle Truppe“, sagt Dr. Bettina König. So sind alle Staffelmitglieder als Sanitätshelfer ausgebildet, können Erste Hilfe am Hund leisten, sind vertraut mit dem Digitalfunk, Kynologie (Lehre von Zucht, Dressur und Krankheiten der Hunde) und Einsatztaktik. Der Umgang mit GPS, Karte und Kompass ist sozusagen selbstverständlich. Die mobile Einsatzzentrale ist technisch perfekt ausgestattet.

Die Hundeführer leisten 750 ehrenamtliche Stunden im Jahr, sind bei zwei bis drei Trainingstagen in der Woche im Einsatz. Im Jahr kommt die Staffel auf rund 30 Einsätze. Wie bereits gesagt, sind diese Einsätze grundsätzlich kostenfrei.

Wobei die Rettungshundestaffel immer nur von der Polizei alarmiert werden kann. Wichtig ist dann der direkte Kontakt zu den Angehörigen des Vermissten zur Informationsgewinnung. Bei der Zusammenarbeit mit der Polizei ist diese dann für die Absicherung der Rettungshundeteams und Absperrung von Gelände zuständig.

Die Johanniter finanzieren sich durch Spenden. Dr. Astrid Laue-Savic, Präsidentin des Rotary Clubs Bad Lauterberg-Südharz, übergab am Ende der Veranstaltung einen Betrag in Höhe von 900 Euro. Mit der Summe soll die Anschaffung von zehn Helmen finanziert werden.

Abschließend demonstrierten die Johanniter in einer kurzen Vorführung im Garten des Englischen Hofes die Fähigkeiten ihrer Hunde.


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