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Samstag, 28. Januar 2023
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Geschrieben von PM Haus und Grund Bad Lauterberg und Umgebung e.V. am 29. November 2022
Vereine und Verbände

Vortrag und Diskussion über ein brandaktuelles Thema: die Gasversorgung

Aus der Mitgliederversammlung Haus & Grund Bad Lauterberg

Der 1. Vorsitzende: Rechtsanwalt Andreas Körner
Der 1. Vorsitzende: Rechtsanwalt Andreas Körner

Vor kurzem fand die Mitgliederversammlung des Haus & Grund Vereins Bad Lauterberg im Kursaal/Movement statt. Von den derzeit fast 500 Mitgliedern waren 60 Mitglieder erschienen.. Der Vorsitzende des Vereines, Rechtsanwalt Andreas Körner, berichtete über das sich allmählich wieder normalisierende Vereinsleben sowie die im vergangenem Jahr 2021 stattgefundene 100-Jahr-Feier. Es schloss sich ein Bericht über die (gute) finanzielle Situation des Vereins an.

Der ursprünglich geplante Festvortrag des Landesverbandsvorsitzenden Dr. Horst musste leider von diesem am Tag der Versammlung kurzfristig gesundheitsbedingt abgesagt werden. Der Justiziar des Vereins, Rechtsanwalt Andreas Körner, hat daraufhin einen Vortrag über die aktuellen Herausforderungen der Erdgasversorgung gehalten. Dank kurzfristig erhaltener Informationen von der Harz Energie war es möglich, hier einen für die Mitglieder hoch interessanten Bericht über die aktuellen Problematiken der Situation am Erdgasmarkt zu halten.

Im Jahr 1812 entstand in London das erste kommerzielle Gaswerk zur Betreibung der Straßenbeleuchtung. In Deutschland wurde das erste Gaswerk im Jahr 1825 in Hannover errichtet. In Form von Kohlevergasung wurde die Versorgung insbesondere durch das sogenannte Stadtgas auch für Privathaushalte sichergestellt. Ca. im Jahr 1880 erfand man den Gaszähler, sodass der konkrete Verbrauch auch erfasst und gegenüber Mietern abgerechnet werden konnte.

Die Entdeckung von erheblichen Erdgasvorkommen in den Niederlanden führten zum Niedergang der Stadtgaserzeugung, so stellte zum Beispiel Göttingen im Jahr 1970 auf Erdgas -geliefert aus den Niederlanden- um. Interessant ist in diesem Zusammenhang die noch sehr lange in Westberlin laufende Versorgung der Bevölkerung mit Stadtgas. Der Grund, warum Westberlin erst nach der Wiedervereinigung auf Erdgas umstellte, war die Tatsache, dass nach Ende der 80er Jahre man sich nicht von Russland abhängig machen wollte. Leider wurde diese, wie sich nunmehr in der Krisensituation herausstellt, sehr richtige Vorsorgemaßnahme in der Folgezeit nicht mehr für erforderlich angesehen. Dies führte dazu, dass die Erdgasbezugsquellen für Deutschland über 55 % aus Russland stammen, nur noch ca. 13 % aus den Niederlanden, 30 % aus Norwegen und 2 % aus dem übrigen Europa.

Der sich immer weiter zuspitzende Konflikt in der Ukraine aufgrund des von Russland ausgeübten Angriffskrieges und die damit zusammenhängende Einstellung der Erdgasversorgung führte zu erheblichen Problemen in Deutschland. Es musste unverzüglich gehandelt werden. Mittlerweile gibt es sogenannte LNG-Terminals. Hierbei handelt es sich um mit Spezialbehältern, gefüllt mit Flüssiggas beladene Schiffe. Die kurzfristige Notlösung liegt darin, dass 4 schwimmende LNG-Terminals geschaffen werden sollen. Pro Schiff muss eine Miete von ca. 75 Millionen Euro jährlich gezahlt werden. Die Anbindung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven wurde endlich genehmigt, sodass der ca. 150 Millionen Euro teure Anschluss nunmehr gebaut wird und in Kürze in Betrieb geht.

Das Erdgas in Deutschland wird ungefähr zu 44 % durch private Haushalte sowie Handel und Gewerbe, zu 39 % Industrie und ca. 17 % durch Kraft- und Heizwerke der allgemeinen Versorgung verbraucht. Erfreulicherweise füllen sich die Erdgasspeicher schneller als ursprünglich befürchtet. Die Erdgasspeicher in Deutschland decken jedoch lediglich 1/4 des gesamten Jahresverbrauchs, selbst wenn sie zu 100 % gefüllt sein würden, wie es momentan der Fall ist.

Sodann wurde auf den Verlauf der Gaskostenproblematik eingegangen. Rechtsanwalt Andreas Körner führte aus, wie die Erdgasbeschaffung zum Beispiel des hiesigen regionalen Versorgers vonstattengeht, der Langfristgeschäfte tätigt zur Sicherung der Versorgung seiner Kunden. Spekulative Geschäfte am sogenannten Spotmarkt führten zur Insolvenz einiger Direktanbieter und Billigversorger. Die Kunden dieser sich offensichtlich aufgrund von Spekulationen insolvent gewordener Gasversorger mussten sodann von dem hiesigen Versorger als sogenannte Grundversorgungskunden aufgenommen werden – zum selben Preis wie die ursprünglichen Altkunden. Selbstverständlich konnte dann die sichere und richtige Langfriststrategie des Versorgers nicht aufrechterhalten werden, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass zum Beispiel 1.500 neue Gaskunden Anfang Dezember 2021 von den Billiglieferanten, wie Gas.de usw. verkraftet werden mussten.

Eine Verschärfung der Gaspreissituation erfolgte zunächst durch die Konjunkturerholung nach der Corona-Krise, dem langanhaltenden Winter 2020/2021, der deutlichen Nachfrage nach mehr Flüssiggas in Asien aber auch durch erhöhte Gasnachfrage in Südamerika, da dort die Dürre einige Wasserkraftwerke außer Betrieb setzte. Hinzu kam dann vor allem noch der völkerrechtswidrige russische Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 2022.

An den informativen Vortrag schloss sich eine rege Diskussion bezüglich zum einen weltweiter Auswirkung aber auch zu den Auswirkungen der sich zuspitzenden Situation hier vor Ort, insbesondere zwischen Vermieter und Mieter an.

Rechtsanwalt Andreas Körner gab hierzu informative und rechtliche Ratschläge.

Im Anschluss an diese Diskussionen wurde sodann – wie üblich – ein gut vorbereiteter Imbiss gereicht. Man saß noch einige Zeit zusammen, bevor sich die Mitgliederversammlung auflöste, nicht jedoch ohne die Einladung zur anstehenden Weihnachtsfeier des Vereins am 07. Dezember 2022 in der Jägerstuben in Bad Lauterberg, zur Kenntnis zu nehmen.


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