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Geschrieben von ski am 25. März 2013
Vereine und Verbände

Kulturkreis vor dem Aus?

Noch kein Nachfolger für den Vorsitz gefunden

Renate und Fritz Dittmar
Renate und Fritz Dittmar

Zwei örtliche Vereine stehen gerade aufgrund leerer Kassen vor dem Aus – ein ganz anders geartetes Problem hat dagegen der Kulturkreis Bad Lauterberg: für die Spitze des Vereins ist kein Nachfolger in Sicht.

Bei der Jahreshauptversammlung im letzten Jahr hatte Renate Dittmar, die erste Vorsitzende, schon angekündigt, bei der nächsten Wahl nicht mehr zur Verfügung zu stehen. 22 Jahre steht sie nun dem Verein bereits vor und hat ihn maßgeblich geprägt. Zusammen mit ihrem Ehemann Fritz Dittmar, der seit 28 Jahren den Posten des Kassenwarts innehat, war sie die treibende Kraft hinter zahllosen kulturellen Veranstaltungen. Konzerte der verschiedensten Musikrichtungen, Vorträge, die Universitätstage und natürlich die Bad Lauterberger Musiktage – all dies machte den Kulturkreis überregional bekannt und zu einem Aushängeschild der Stadt.

Doch nun droht dem Verein die Auflösung, sollte sich niemand dazu bereit erklären, die Nachfolge von Renate Dittmar anzutreten.

Am 12. April findet die Jahreshauptversammlung statt, auf der die Posten des ersten und zweiten Vorsitzenden und des Kassenwarts besetzt werden müssen. Etliche Kulturinteressierte wurden bereits persönlich angesprochen, es erfolgte ein brieflicher Appell an die 182 Mitglieder, ein öffentlicher Aufruf in der Zeitung – und dennoch ist weit und breit kein/e Kandidat/in in Sicht. „Wir zerbrechen uns den Kopf darüber, woran es liegt. Seit fünf Jahren versuche ich nun schon, einen Nachfolger zu finden, denn eigentlich wollte ich ja mit siebzig aufhören“, erklärt Renate Dittmar.

Große Fußstapfen, viel Arbeit

Eine Ursache könnte darin liegen, dass die Fußstapfen, in die der nächste Vorsitzende treten müsste, schon gewaltig groß sind. Rund 25 Veranstaltungen organisierte der Kulturkreis letztes Jahr – ein enormer Arbeitsaufwand für den Vorstand. Für die Vorsitzende bedeutet dies sehr viele Arbeitsstunden, die für die Organisation aufgewendet werden müssen – und das ehrenamtlich. „Ich war doch auch berufstätig und habe drei Kinder und ein Pflegekind großgezogen“, sagt Renate Dittmar, „ich habe es auch geschafft.“ Früher seien es sogar bis zu 40 Veranstaltungen im Jahr gewesen, von daher habe sich der Aufwand bereits reduziert.

Vierzehn Veranstaltungen sind für das laufende Jahr geplant. „Wir wollten dem neuen Vorstand nicht vorschreiben, was zu tun ist – aber wir wollten ihm die Einarbeitung erleichtern, indem einiges schon vorbereitet ist.“ Schließlich müssen Sponsorengelder rechtzeitig eingeworben, und Künstler und Säle schon ein Jahr im Voraus gebucht werden.

Neue Wege gehen

Vermutlich, so geben beide Dittmars zu bedenken, muss der Kulturkreis – und sein Angebot – entscheidend verändert werden, um zu überleben: „Man muss sich nicht immer das Gewesene als Maßstab nehmen. Da müssen jetzt junge Leute ran, um etwas zu verändern – es lachen sich doch alle krank, wenn wir jetzt mit Rockkonzerten anfangen würden“. Denkbar seien weniger Veranstaltungen, andere Schwerpunkte, eine andere Arbeitsorganisation im Vorstand, selbst über eine Umbenennung des Vereins denkt Fritz Dittmar laut nach: „Vielleicht hat der Kulturkreis – zu Unrecht! – bei den Leuten noch von ganz früher den Ruf von Haute-Volée und Elite“.

Ein Geldproblem hat der Verein jedenfalls nicht, hat die Vorsitzende doch ein enormes Talent darin bewiesen, für die Veranstaltungen des Kulturkreises immer wieder Fördertöpfe anzuzapfen, öffentliche Gelder oder Gelder von Stiftungen zu beantragen und private Sponsoren zu finden. Die Finanzsituation ist gut, und für die kommenden Jahre sind bereits feste Zuschüsse bewilligt worden. „Eine geordnete Organisation ist vorhanden, und alles ist bereit für die Übergabe“, erklären die Dittmars. Auch sei die Kassenführung im Computerzeitalter ja nicht mehr so aufwendig, so der Kassenwart. Und beide versichern: „Der neue Vorsitzende hat unsere volle Unterstützung – in jeder Hinsicht. Wir sind für alle Lösungsmöglichkeiten offen“.

Dass der Verein jetzt droht, führungslos dazustehen und sich am Ende aufzulösen, lässt natürlich auch die Noch-Vorsitzende nicht kalt. Der Kulturkreis, gibt sie zu bedenken, hat ja einen enormen Bekanntheitsgrad für die Stadt und den Tourismus gebracht und viel zur Attraktivität beigetragen; wenn dies alles ersatzlos wegbräche, wäre dies ein gewaltiger Imageverlust.

Kommissarische Leitung bis Jahresende

Sollte sich bis zur Hauptversammlung niemand finden, wollen die beiden Dittmars ihre Ämter noch bis zum Jahresende kommissarisch weiterführen. Dann müsste auf einer Mitgliederversammlung im nächsten Januar die Auflösung des seit 1950 bestehenden Vereins beschlossen werden.

„Es tut mir sehr leid, Schluss zu machen“, resümiert Renate Dittmar, „doch es muss irgendwann ein Ende kommen, und zwar nicht erst dann, wenn ich selbst am Ende bin“.

Die Jahreshauptversammlung wird diesmal im Café Amadeus stattfinden, eine Powerpoint-Präsentation als Rückblick auf das vergangene Jahr und einen kleinen Imbiss beinhalten. Termin ist Freitag, der 12. April um 20 Uhr.


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