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Donnerstag, 24. Mai 2018


Geschrieben von Peter Bischof am 14. Mai 2018
Vereine und Verbände

Immer mit viel Herzblut dabei

Rolf Lutze blickt auf 14 Jahre als Vorsitzender des Schloss Fördervereins Herzberg zurück

Der Marstallflügel war total marode. Er wird zurzeit ebenfalls saniert, anschließend zieht das Amtsgericht mit einigen Abteilungen hier ein.
Der Marstallflügel war total marode. Er wird zurzeit ebenfalls saniert, anschließend zieht das Amtsgericht mit einigen Abteilungen hier ein.
Schaut immer noch verständnislos, wenn er an die Entscheidung für den Stop der Sanierungsarbeiten zurückdenkt: Rolf Lutze.
Schaut immer noch verständnislos, wenn er an die Entscheidung für den Stop der Sanierungsarbeiten zurückdenkt: Rolf Lutze.
Endlich geht es im Schloss weiter. Der Uhrenturm wird sicherlich nach der Sanierung wieder der Blickfang des Schlosshofes sein.
Endlich geht es im Schloss weiter. Der Uhrenturm wird sicherlich nach der Sanierung wieder der Blickfang des Schlosshofes sein.
Auf den kleinen gelben Zetteln sind die positiven Erinnerungen der letzten 14 Jahre komprimiert: Rolf Lutze möchte diese Zeit deshalb nicht missen.
Auf den kleinen gelben Zetteln sind die positiven Erinnerungen der letzten 14 Jahre komprimiert: Rolf Lutze möchte diese Zeit deshalb nicht missen.

„Es muss etwas geschehen. Es geht um den Erhalt eines Kulturdenkmals!“ Wenn es um das Herzberger Welfenschloss ging, konnte er sich so richtig aufregen. Rolf Lutze, Amtsgerichtsdirektor i.R., war über 14 Jahre Vorsitzender des Schloss Fördervereins Herzberg.
In seine Amtszeit fiel gleich zu Beginn die komplette Streichung der Mittel für die Sanierung des Schlosses durch die damalige Niedersächsische Landesregierung im Jahr 2005. Umso mehr freut es Rolf Lutze heute, dass das Land Niedersachsen 2017 für die folgenden beiden Jahre zunächst 7,5 Millionen Euro für die schrittweise Sanierung des Schlosses bereitgestellt hat. Die Gesamtkosten für die Restaurierung werden auf rund 20 Millionen Euro geschätzt.

24 Teilnehmer bei Gründungsversammlung

Bereits 2001 war auf dem Dachboden des Schlosses ein massiver Schwammbefall festgestellt worden. Stark betroffen war vor allem auch der Amtsgerichts-Flügel. Daraufhin waren zwar erste Rettungsmaßnahmen angelaufen, doch 2005 ließ der damalige Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) alle Arbeiten einstellen.
Rund ein Jahr zuvor war der Förderverein Schloss Herzberg am 4. Februar 2004 gegründet worden, 24 Teilnehmer hatten sich seinerzeit in die Gründungsliste eingetragen. Als Ziel hatte sich der Vorstand auf die Fahnen geschrieben, das Welfenschloss als Baudenkmal zu erhalten und das Interesse daran zu unterstützen und zu fördern. Dazu gehöre auch der Erhalt und die Förderung des Museums sowie die Förderung von Kunst und Kultur im Schloss.
Da tat die Entscheidung der damaligen CDU-FDP-Landesregierung natürlich besonders weh. Statt auf eigene Kosten zu sanieren, wollte das Land das Schloss für einen symbolischen Preis von einem Euro verkaufen. Hartmut Möllring hatte sogar ein Gutachten einholen lassen, welches besagte, dass im Schloss Herzberg ein Wellness-Hotel eingerichtet werden könne. „Natürlich hat sich kein Investor gefunden“, schmunzelt Rolf Lutze rückblickend. „Danach ist der Investitionsstopp mit harter Hand durchgeführt worden.“

Schwamm frass sich ins Gebälk

"Dass der seither voranschreitende Verfall jetzt endlich aufgehalten wird, ist eine große Freude", so Rolf Lutze. Er erinnert sich noch gut an die ersten Sanierungsmaßnahmen. Die Decke über dem Rittersaal und Dachstuhlgebälk wurde abgebaut und erneuert. Doch nach der Streichung der Geldmittel blieb nicht nur die Sanierung auf halber Strecke stehen, sondern der Schwamm drohte sogar, auf bereits ausgebesserte Teile überzugreifen. Auch im Direktorenzimmer des Amtsgerichts frass der Schwamm immer weiter.
Selbst die Wohnungen, in denen Herzberger teilweise seit vielen Jahren im Schloss lebten, wurden nicht mehr saniert. „Das zerfallene Fachwerk wäre herausgebrochen, hätte man sich von innen dagegen gelehnt“, erinnert sich der Amtsgerichtsdirektor a.D..

Bereits als Assessor im Welfenschloss

Seine Leidenschaft, um nicht zusagen Liebe, zum Herzberger Schloss hatte Rolf Lutze bereits entdeckt, als er als junger Assessor dort tätig war. Anschließend folgten zehn Jahre am Amtsgericht Osterode. Auch an seine Zeit an den Gerichten in Magdeburg und Halle, Saale, denkt er gern zurück: "Ich bin mit Freude dahin gegangen, weil mir die deutsche Teilung stets ein Dorn im Auge war.“

„Der Investitionsstopp ist 2005 mit harter Hand durchgeführt worden.“  Rolf Lutze, Amtsgerichtsdirektor i.R. und langjähriger Vorsitzender des Schloss Fördervereins

Doch nach zehn Jahren, in denen er in den neuen Bundesländern viel Hilfestellung geben konnte, wollte er nicht weiterhin nur eine Wochenendehe führen. Nachdem er deshalb wieder am Amtsgericht Herzberg gelandet war, habe für ihn festgestanden, nicht nur die Tätigkeit als Jurist auszuüben, sondern sich auch für das Schloss Herzberg zu engagieren. Zu jener Zeit kümmerte sich der Herzberger Heimat- und Geschichtsverein insbesondere um das Schloss-Museum und versuchte, für das Schloss und seinen Erhalt zu werben.

Die Mitglieder bei Laune halten

„Wir haben die Schatztruhe des Herzogs und fast alle Bilder im Schloss finanziert“, blickt Rolf Lutze auf seine Zeit als Vorsitzender des Fördervereins zurück. „Zum Vereinsleben gehört auch, die Mitglieder bei Laune und auf dem Laufenden zu halten. Das geschieht in erster Linie durch Ausflugsfahrten und die Schlossvorträge.“
Bei den Ausflugsfahrten wolle man über den Tellerrand hinausblicken, schauen, wie es woanders läuft. Gibt es dort Fördervereine, wie ist die Zusammenarbeit mit den Betreibern oder Inhabern der Gebäude und Anlagen? Dabei habe man versucht, die nähere Umgebung kennenzulernen, aber auch Fahrten bis nach Wittenberg unternommen.
Rolf Lutze ist zuversichtlich, dass durch die jetzt angelaufenen Sanierungsmaßnahmen dem Schloss sozusagen eine „glänzende Zukunft“ bevorsteht. Er geht auch fest davon aus, dass es bei der jetzt eingespielten guten Kooperation zwischen dem Land Niedersachsen, dem Staatlichen Baumanagement Südniedersachsen, dem Amtsgericht, der Stadt Herzberg und dem Förderverein bleibt.

Behutsam langfristiges Konzept entwickeln

Als mittelfristige Aufgabe stehe noch an, ein langfristiges Konzept für die Nutzung des Schlosses und seine einzelnen Gebäudeteile zu entwickeln. Dies gehe natürlich nur in Zusammenarbeit mit den eben genannten Kooperationspartnern. Wichtig sei, ganz behutsam an dieses Thema heranzugehen, nichts Unmögliches zu verlangen, sondern alles langsam und vorsichtig zu entwickeln.
Für die Zukunft könnte er sich vorstellen, dass das Museum zwei weitere Räume dazu bekomme und man eventuell Möbel anschaffen könnte, um die frühere Wohnkultur im Schloss darzustellen.
Ganz besonders freut er sich, dass der Braunschweiger Prof. Gerd Biegel, der jahrelang mit seinen Schlossvorträgen Stammgast in Herzberg war, auch weiterhin zumindest ein oder zweimal im Jahr im Rittersaal referieren will.
Auch wenn er dann nicht mehr in der ersten Reihe steht, wird er es sich bestimmt nicht nehmen lassen, mit seiner Frau Catherine die Schlossvorträge und anderen Termine weiter wahrzunehmen. Wer sein Herz einmal an das Welfenschloss verloren hat, den lässt es halt nicht mehr los.

Fotos: Förderverein Schloss Herzberg


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