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Mittwoch, 19. Dezember 2018
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Geschrieben von Peter Bischof (Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz) am 08. Oktober 2018
Vereine und Verbände

Gib mir mal das schöne Händchen

Kreisverband Legasthenie Osterode: Das Problem mit der Linkshändigkeit

Ein Spiralblock kann für Linkshänder schon Probleme bergen. (Fotos: Peter Bischof)
Ein Spiralblock kann für Linkshänder schon Probleme bergen. (Fotos: Peter Bischof)
Thea Schunk, die Vorsitzende des Kreisverbandes Legasthenie Osterode, referierte beim Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz.
Thea Schunk, die Vorsitzende des Kreisverbandes Legasthenie Osterode, referierte beim Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz.
Um die richtige Blatthaltung zu üben, gibt es Schreibtischunterlagen mit entsprechenden Markierungen.
Um die richtige Blatthaltung zu üben, gibt es Schreibtischunterlagen mit entsprechenden Markierungen.
Die Kaffeetasse mit dem Gesicht lächelt den Rechtshänder an, dem Linkshänder würde sie den Tassenrücken zukehren.
Die Kaffeetasse mit dem Gesicht lächelt den Rechtshänder an, dem Linkshänder würde sie den Tassenrücken zukehren.
Für Rechtshänder ist das Ausschneiden mit der Schere kein Problem, für Linkshänder kann es schwierig werden.
Für Rechtshänder ist das Ausschneiden mit der Schere kein Problem, für Linkshänder kann es schwierig werden.

Osterode. Vor gar nicht so langer Zeit hat man Kindern, die mit der linken Hand schreiben wollten, in der Schule den linken Arm am Stuhl festgebunden und sie gezwungen, mit der rechten Hand zu schreiben. „Das wird zwar heute nicht mehr gemacht, doch vielfach tun sich Linkshänderkinder schwer in unserer Welt, die fast komplett auf Rechtshänder ausgerichtet ist“, sagt Thea Schunk, Vorsitzende des Kreisverbandes Legasthenie Osterode. „Bestes Beispiel ist die Kaffeetasse mit dem Gesicht, das den Rechtshänder anlächelt, dem Linkshänder aber nur den Tassenrücken zukehrt.“

Thea Schunk stellte die Linkshänder-Schreibvorkurse, ein Projekt ihres Verbandes, beim Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz vor. Clubpräsident Hinrich Bangemann signalisierte eine Unterstützung beim Kauf von Arbeitsmaterialien für die Teilnehmer der Kurse.

 

„Eltern sollten schon früh drauf achten, welche Hand ihr Kind bevorzugt.“

Thea Schunk, Vorsitzende des Kreisverbandes Legasthenie Osterode

 

Der Stift wird in die rechte Hand gegeben

Viele Eltern rechnen nicht damit, dass ihr Kind Linkshänder sein könnte. Dann heißt es oft, wenn die Kinder ihre linke Hand zum Gruß ausstrecken, „gib mir mal das schöne Händchen“. Und ganz unbewusst geben Eltern dem Nachwuchs zum Essen oder Malen den Löffel oder den Buntstift in die rechte Hand. Kinder, die Linkshänder sind, werden so, wenn auch häufig unbeabsichtigt, immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass sie anders sind als die Rechtshänder.

Für die Linkshänderkinder kann das schwerwiegende Folgen haben. Aus Frust darüber, dass ihnen anscheinend alles schwerer fällt, entstehen in der Folge Konzentrationsstörungen, Lese-Rechtschreibschwierigkeiten und Sprachstörungen bis hin zur Störung in der Persönlichkeitsentwicklung. Die psychischen Folgen sind geringes Selbstbewusstsein und Verhaltensstörungen.

 

Manche Kinder imitieren Rechtshänder

„Eltern sollten deshalb schon früh darauf achten, welche Hand ihr Kind bevorzugt“, rät Thea Schunk. Wichtig sei auch, zu erkennen, ob die Kinder Linkshänder seien und deshalb Rechtshänder nur imitierten. Gerade kleine Kinder kopierten schnell ihre Eltern und Freunde, zum Beispiel beim Halten eines Stiftes. Das werde verstärkt durch das Lob der Eltern, wie toll das Kind das mache. Eltern sollten im Gegenteil darauf achten, ihren Kindern die Linkshändigkeit zu erleichtern.

Linkshändige Kinder brauchen dann aber Hilfestellungen und Anleitungen, wie sie in der Rechtshänderwelt zurechtkommen können. Dies geschieht am effektivsten mit Schreib-Vorkursen für Linkshänderkinder, die der Legasthenie Kreisverband Osterode ein- bis zweimal im Jahr anbietet. „Wir betreuen 30 bis 40 Kinder pro Jahr“, erläutert Thea Schunk. „Die Nachfrage ist sehr groß, wir haben eine lange Warteliste.“ Zusätzlich bietet der Verband Beratungsgespräche in der Geschäftsstelle in der Abgunst 1 in Osterode an.

 

Konkrete Zahlen zu dem Thema fehlen

Es gebe keine konkreten Zahlen über Linkshändigkeit, so Thea Schunk weiter. Seien beide Eltern Rechtshänder, liege die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder Linkshänder sind, bei zwei Prozent, sei ein Elternteil Linkshänder bei 17 Prozent und seien beide Eltern Linkshänder bei 26 bis 50 Prozent.

Der Kreisverband Legasthenie versucht, präventiv zu arbeiten. „Wir sind bemüht, für den Altkreis Osterode das Umfeld zu verbessern. In Absprache mit den Erziehern und den Eltern möchten wir bereits in den Kindergärten helfen, Fehlentwicklungen zu vermeiden“, erklärt Thea Schunk. „Mein Schlüsselerlebnis hatte ich, als ein Junge an meiner damaligen Schule auf die Förderschule sollte, weil seine Leistungen ungenügend waren. Nachdem sich herausstellte, dass er eigentlich Linkshänder war, und er sozusagen umgepolt wurde, verbesserten sich seine Leistungen extrem und er schloss die Schule als Jahrgangsbester ab.“

 

Umpolungen massiver Eingriff

Dass diese Umpolungen nicht erst nötig werden, ist auch das Ziel des Legasthenie Verbandes. Denn die Umpolung sei, so die renommierte Psychologin Dr. Johanna Barbara Sattler, eine der massivsten unblutigen Eingriffe in das menschliche Gehirn. Kinder, deren Linkshändigkeit unterdrückt worden sei, litten nach Dr. Sattler unter mangelnder Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisstörungen, Legasthenie, Sprachstörungen wie zum Beispiel Stottern und Wortfindungsstörungen.

Es gibt viele Möglichkeiten, Linkshändern Hilfestellungen und Anleitungen im Alltag zu geben. Um die richtige Blatthaltung zu üben, sind Schreibtischunterlagen mit entsprechenden Markierungen hilfreich. Zudem gibt es Schreibmaterialien von Linkshänderstiften und -scheren bis hin zu Linkshänder-Spiralblöcken.

Wichtig ist auch die Sitzposition in der Schule. Entweder sollten zwei linkshändige Kinder an einem Tisch sitzen oder aber das Linkshänder Kind links und das Rechtshänder Kind rechts am Tisch.

 

Unterstützung ist nötig

Das klappt aber nur, wenn Eltern bei der Einschulung sicher sind, welche Hand ihr Kind bevorzugt. Nur dann kann auch die Schule darauf Rücksicht nehmen. Gerade zu Beginn des Schreib-Lernprozesses brauchen Linkshänder Unterstützung, damit sich keine falschen Verhaltensweisen einschleichen. Denn gerade beim Schreibenlernen verkrampfen Kinder leicht und bekommen in der Folge Haltungsschäden.

Die Lehrkräfte sollten die Linkshändigkeit in das Unterrichtsgeschehen mit einbeziehen, aber keinesfalls besonders hervorheben, sondern sie als eine ganz normale Verhaltensweise behandeln. Auf jeden Fall gilt, dass jeder Versuch zur „Umerziehung“ tabu sein sollte, da er das Kind schädigen könnte.

 

Der Kreisverband Legasthenie Osterode

– ist eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, Schreibens und Rechnens.

– hilft den Eltern der betroffenen Kinder durch eine intensive Beratung.

– therapiert Schüler und Schülerinnen mit den entsprechenden Auffälligkeiten.

– informiert die Öffentlichkeit und zuständige Institutionen über die Problematik der Lese-, Schreib- und Rechenstörung.

– bietet Eltern, Lehrkräften und Interessierten Fortbildungsveranstaltungen zu Einzelaspekten der Störungen an.


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