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Freitag, 28. Februar 2020
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Geschrieben von Boris Janssen (Text) und Sabine Kilzer (Fotos) am 03. Juni 2016
Wirtschaft

Mekom im Agentenfieber

Beim 15. Unternehmertag des Regionalmanagements hat Leo Martin „Geheimwaffen der Kommunikation“ vorgestellt

Der Geheimdienstler und seine Probanden: Als Leo Martin für seine Experimente ein Ehepaar im Publikum suchte, griff er sich zielsicher Dorit und Horst Gollée von der Bad Lauterberger Kirchberg-Klinik heraus (von links).
Der Geheimdienstler und seine Probanden: Als Leo Martin für seine Experimente ein Ehepaar im Publikum suchte, griff er sich zielsicher Dorit und Horst Gollée von der Bad Lauterberger Kirchberg-Klinik heraus (von links).
Der „deutsche James Bond“: Leo Martin.
Der „deutsche James Bond“: Leo Martin.
Dr. Rainer Beyer: „Die Region muss sich besser verkaufen.“
Dr. Rainer Beyer: „Die Region muss sich besser verkaufen.“
Bernhard Reuter: „Südniedersachsen ist im Aufbruch.“
Bernhard Reuter: „Südniedersachsen ist im Aufbruch.“
Dr. Volker Schmidt: „Harzer Unternehmen sind Aushängeschilder.“
Dr. Volker Schmidt: „Harzer Unternehmen sind Aushängeschilder.“

Das 007-Brimborium war schon etwas dick aufgetragen, aber dennoch: Die über 300 Besucherinnen und Besucher des 15. Mekom-Unternehmertages haben am Donnerstag (02.06.2016) einen spannenden Abend in der Osteroder Stadthalle erlebt. Ex-Geheimdienst-Agent und Bestseller-Autor Leo Martin gab einen Einblick in sein kommunikatives Waffenarsenal, mit dem er einst V-Männer aus der Organisierten Kriminalität dazu gebracht habe, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Um eine vertrauensvolle Kommunikation aufzubauen, müsse man beim Gegenüber zwei Grundbedürfnisse befriedigen. Das erste ist entgegengebrachter Respekt und Anerkennung; selbst wenn es schwer sein sollte, wie zum Beispiel bei Schwerverbrechern, müsse man bei jedem Menschen einen Punkt finden, in dem man ihm ehrliche Wertschätzung entgegenbringen könne. Das zweite Bedürfnis ist das nach Sicherheit – hier sei die wichtigste Frage fürs Gegenüber: „Auf was kann ich bei Dir vertrauen?“ Der andere müsse ganz klar wissen, wofür man stehe.

Ist diese Basis geschaffen, dann könne man sich auch unterbewusste Denk- und Handlungsmuster zunutze machen. Beides – Muster und Nutzbarmachung – demonstrierte Leo Martin in verschiedenen Experimenten mit dem Publikum. Jeder Einzelne konnte sich dabei ertappen, wie er unter dem Stress einer ungewohnten, unklaren Situation zumindest für Sekundenbruchteile das rationale Denken einstellte und zum Herdentier wurde. Und auf der Bühne überführte der ehemalige Kriminalist seine Probanden ihrer durch Experimente erzwungenen Lügen mit 100 Prozent Trefferquote.

 

„Positives mehr herausstellen“

Der Vorstandsvorsitzende des Mekom Regionalmanagements Dr. Rainer Beyer fand das Thema passend für das etablierte Branchentreffen: „Schlagfertigkeit, Diplomatie und höchste kommunikative Fähigkeiten sind nicht nur im Geheimdienst von Vorteil, sondern sind auch Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg.“ In seiner Begrüßung ging er auch kurz auf die Probleme der Region ein. Die Kreisfusion sei der richtige Weg, aber es sei für den neuen Landkreis noch einiges zu tun. Ein Beispiel sei der mangelhafte öffentliche Personennahverkehr, der gerade für Azubis und Nachwuchskräfte ein Problem sei, die oft noch keinen Führerschein hätten. Generell verkaufe sich die Region noch immer viel zu schlecht. „Wir müssen das Positive mehr herausstellen“, forderte Beyer.

Als Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftsförderung Region Göttingen (WRG) sieht Göttingens Landrat Bernhard Reuter Südniedersachsen im Aufbruch. Die Finanzen seien geordnet, Dauerkonflikte gelöst und die wohl bundesweit erste freiwillige Kreisfusion ermögliche bessere Angebote wie beispielsweise die WRG mit ihren „kompetenten Ansprechpartnern“. Allerdings sei bisher nur ein Fundament gelegt, das Haus darauf könnten Politik und Verwaltung nicht alleine errichten: „Jetzt ist von allen Teamgeist gefordert“, sagte Reuter.

Gesponsert wurde der Abend vom Arbeitgeberverband der Deutschen Kautschukindustrie (ADK). Dessen Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmidt bescheinigte der Region eine „hochinnovative Unternehmerschaft“. Im Harz gebe es viele „Aushängeschilder“, sie seien das „Rückgrat“ des Verbandes. Wirtschaftlich sorge er sich um die derzeitige Investitionsschwäche, zudem belasteten die Unternehmen hohe Lohnabschlüsse und die Konkurrenz innerhalb internationaler Konzerne. „Wir sollten uns um unsere Wettbewerbsfähigkeit große Sorgen machen.“ Auf jeden Fall müsse Forschung und Entwicklung deutlich gefördert werden, zum Beispiel durch Steueranreize.

Traditionell ging der Abend nach dem Hauptvortrag in einen gemütlichen Teil über. Beim Stehbuffet gab es viele angeregte Gespräche und Diskussionen. Die Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Institutionen tauschten sich aus und nutzten den eigentlichen Zweck des Unternehmertages: sich aktiv miteinander zu vernetzen.


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