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Montag, 17. Dezember 2018
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Geschrieben von Katja Koch am 26. Mai 2018
Das Thema

"Jeder kann diesen Weg gehen!"

Der Bad Lauterberger Eric André ging den Camino Francés-Jakobsweg. Ein Interview von Katja Koch

In San Juan de Ortega
In San Juan de Ortega
Blick aus einer Herberge in Zubiri
Blick aus einer Herberge in Zubiri
Donativo-Stelle. Hier kann man sich gegen eine Spende stärken.
Donativo-Stelle. Hier kann man sich gegen eine Spende stärken.
Typischer Weg des Pilgers
Typischer Weg des Pilgers
Templerstadt Ponoferrada. Symbol des Jakobsweges: die Muschel
Templerstadt Ponoferrada. Symbol des Jakobsweges: die Muschel

Der französische Jakobsweg, der seinen Anfang in Frankreich nimmt, ist der älteste der vielen Routen. Saint-Jean-de-Pied-de-Port heißt der Ort, in dem alles beginnt und in dem der Pilgerpfad seinen Anfang nimmt.  Der Camino Francés führt durch die schönsten Regionen von Spanien bis er dann schließlich in Santiago de Compostela in Galicien sein Ende findet.
Im Mittelalter, zur Zeit der Entstehung des Jakobuskultes, pilgerte man diesen langdauernden, beschwerlichen und auch lebensgefährlichen Weg mit der Hoffnung der Vergebung von Sünden oder Heilung einer Krankheit.
Warum wollen Menschen sich dieser Herausforderung heute stellen?
Das haben wir versucht im Interview mit Eric André aus Bad Lauterberg herauszufinden.

- Wann hast Du das erste Mal darüber nachgedacht diesen Weg zu gehen?

- Die Idee entstand vor zwanzig Jahren durch einen Bericht über den Camino Francés bei Nord 3. Ihn fand ich damals schon toll.

- Wie lange warst Du unterwegs und wie viele Kilometer bist Du gegangen?

- Ich bin 847 Kilometer gegangen. Gestartet am 8. März und angekommen am 30. März.  

- Wie lange hast Du diese Reise geplant?

- Ich habe die Reise gar nicht geplant. Habe mir den Rücksack gekauft, Schuhe gekauft und gesagt: „Da fliege ich jetzt hin.“ Ich bin nach Toulouse geflogen, mit dem Zug von Toulouse nach Bayonne und von Bayonne nach Saint-Jean-de-Pied-de-Port und am nächsten Tag bin ich einfach losgegangen ohne Plan ohne große Vorbereitung.“

- Ganz ohne Vorbereitung?

- Schon. Ich bin mit den Schuhen, die neu waren, paar Mal gelaufen. Ich glaube ich bin 5- 6 Mal  20-25 km Strecken gelaufen um die Schuhe eben anzulaufen, aber mehr nicht.

- Wird körperliche Fitness hier vorausgesetzt?

- Nein, jeder kann diesen Weg gehen.

- Wie kann ich mir das vorstellen? Du läufst, machst Pausen. Gibt es da Herbergen?

- Ja. Ich bin von einer Herberge einfach losgegangen und so wie es mir gefallen hat, bin ich gelaufen. Wenn es mir gefallen hat, bin ich bis 5-6 Uhr Abends gelaufen. So wie es Spaß gemacht hat. Und  ohne Ziel und ohne Plan. Ich glaube, dass ist auch der Trick dabei, dass man ohne Plan losgehen soll.

- Im Gegenteil zur Berufswelt, wo man sich immer Ziele setzt.

- Genau. Die gesellschaftlichen Konventionen zwingen dich immer Pläne zu haben. Da ich noch nie ein regelkonformer Mensch gewesen war, das war genau das Richtige für mich.

- Welche Erfahrungen hast Du in der Zeit gemacht?

- Eine Erfahrung, die ich gemacht habe ist, dass endlich mal jeder Mensch gleich ist. Es werden keine gesellschaftlichen Unterschiede gemacht. Du bist Pilger. Und als Pilger wird nicht gefragt, ob du Geld hast, ob du eine Firma hast, ob du 2-6 oder 20 Autos hast  oder arbeitslos bist, es ist den Leuten völlig egal. Du bist Pilger. Entweder man entscheidet, ob du als Mensch in Ordnung bist oder bist nicht in Ordnung. 
Auch die Erfahrung, Dankbarkeit zu fühlen, die habe ich gemacht, ganz intensiv. Dort laufen so viele Menschen, die  körperliche Gebrechen haben:  Verkürztes Bein, ein Holzbein, eine Krankheiten oder ein Todesfall. Und ich habe nichts, sondern ich habe aus gesundem Zustand heraus mich entschieden den Weg zu laufen, ohne Probleme zu haben und bin darüber sehr dankbar. Als Abschluss von dieser ganzen Pilgerei, wurde mir bewusst, mein Leben ist toll. Ja, so wie es ist, ist mein Leben toll. Toll gelaufen und auch toll im Moment - das war die gesamte Erkenntnis darüber.


"Die Menschen, die mit Erwartungen diesen Weg gehen, werden enttäuscht."


Ich habe keine Ahnung, was der Weg mit dir macht. Auf jeden Fall macht er was Besonderes und du lernst zu merken dies oder jenes tut dir nicht gut und du wirst zu Hause das nicht mehr machen oder abschaffen.
Du hast auch keine Zeit dich den ganzen Tag mit deinen Sachen auseinanderzusetzen, die vielleicht Probleme verursachen können in irgendeiner komischen Zukunft, die überhaupt nicht vorhersehbar ist. Das willst du auch nicht, dafür genießt du viel zu sehr die Natur, du genießt das Gehen, du genießt sogar das schlechte Wetter, du genießt dich selber.  Das ist etwas, was du wieder lernen musst. Du kommst an Wünsche heran, weil alles auf Minimalismus geführt ist. Du bist auf dich konzentriert, auf deine Wünsche und deine Bedürfnisse. Auf dem Weg kann alles passieren. Die Menschen, die mit den Erwartungen diesen Weg gehen, werden enttäuscht. Ohne Erwartungen, ohne vorgefertigten Meinung, dann ist man bereit alles aufzunehmen, sei es die Gespräche mit anderen Pilgern der verschiedenen Nationen oder mit den Menschen, die dort in den Dörfern wohnen. Ich glaube, das macht diesen Weg aus – dieses „Frei in den Tag.“

 

 


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