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Samstag, 17. August 2019
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 Geschrieben von Tom Zinram am 09. August 2019
Von Barbis nach Berlin

Interview mit dem Kammersänger, Schauspieler, Produzent und Autor Heiko Reissig

Heiko Reissig mit Tom Zinram in Berlin
Heiko Reissig mit Tom Zinram in Berlin
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Auf meiner Radtour nach Berlin stand ein Interview mit dem Sänger Heiko Reissig auf dem Programm. Der Spezialist der Operette lässt mit seiner Musik die Herzen der Fans höher schlagen und ist bei musikalischen Events ein gern und hochangesehener Künstler. Vor allem macht ihn seine charmante Art und sein Charisma besonders. Aber auch privat ist Reissig eine sehr aufgeschlossene und gestandene Persönlichkeit. Gastfreundschaft steht bei ihm an erster Stelle, wovon ich mich persönlich bei meinem Ferienaufenthalt in Berlin selber überzeugen konnte. Ich habe das persönliche Treffen einfach mal zum Anlass genommen, bei dem Künstler genauer nachzuhaken, wie sich seine Karriere eigentlich so gestaltete. Im folgenden lesen sie nun, was den Sänger nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch auszeichnet.   
 
Im welchen Alter hattest du deinen ersten Auftritt? Wie fühlten sich die ersten Momente auf der Bühne an?
 
Mit acht Jahren im Märchentheater. Hänsel und Gretel. Ich war der Hänsel.
Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Im Scheinwerferlicht den Text zu sprechen und zu spielen.
Ich war so aufgeregt ... Die Bühne hat eine magische Kraft, die mich seitdem nicht mehr losgelassen hat!
 
 
Wie hat deine Familie darauf reagiert, dass du dich der Musik und dem Schauspiel widmen möchtest?
 
Nicht so erfreut! Außer meine Mutter. Deswegen habe ich einen richtigen Handwerksberuf gelernt,
um die Gemüter allgemein zu beruhigen. Ich bin gelernter Buchdrucker. Das hat mir vieles erleichtert.
 
 
Aus einigen Internet und Medienseiten kann man entnehmen, dass du auch noch als Produzent und Autor unterwegs bist. Was hast du alles in deinem Leben schon verfasst und produziert und wie kam das Interesse für das Schreiben?
 
Ich habe immer kleine musikalische Stücke für unser Tourneetheater geschrieben, habe die Dramaturgie meiner Konzerte, Gastspiele und der Elblandfestspiele gemacht. Das ist oft nicht einfach hier alle Wünsche und Möglichkeiten unter einen Hut zu bringen. Mein schönstes Stück bisher ist die heitere Komödie zum Leben von Schauspiellegende Heinz Rühmann "Ein Freund, ein guter Freund". Aber zum Schreiben braucht man viel Zeit, die ich momentan leider nicht habe.
 
 
Seit 1995 bekommst du regelmäßige Auszeichnungen für internationale Gesangswettbewerbe und andere Projekte. Auch ein Eintrag im Goldenen Buch der Stadt Wittenberge hast du bereits. Wie fühlt es sich an, wenn man regelmäßig für seine Werke ausgezeichnet wird?
 
Ich werde nicht regelmäßig ausgezeichnet, aber wenn man eine Auszeichnung erhält, dann freut man sich darüber. Es ist ja die Annerkennung der Anderen für seine geleistete Arbeit, die augenscheinlich einigen gefällt.
 
 
Mittlerweile stehst du nun seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne. Ist man da eigentlich vor den Konzerten noch aufgeregt und wenn ja, was tust du dagegen?
 
Genau genommen habe ich mein 45. Bühnenjubiläum in 2019 gefeiert. Das war bei den 20. Elblandfestspielen.
Seit meinem 8. Lebensjahr stehe ich auf den Bühnen. Wie die Zeit vergeht. Rückblickend verlief alles zu schnell.
Aufgeregt bin ich immer sehr, wenn Eltern, Familie oder Freunde im Publikum sitzen. Das ist manchmal auch anstrengend, zumal man danach mit allen sprechen muss. Jeder hat dann Kritik oder Lob.
 
 
Wie bereitest du dich auf ein größeres Konzert vor?
 
Texte lernen, Korrepetition mit einem Pianisten, Konsultationen beim Gesangsprofessor, üben, singen, Gymnastik, Ruhe bewahren und Tee trinken!
 
 
Wie gestaltete sich deine künstlerische Karriere bis zum heutigen Tag. War sie durch besondere Ereignisse geprägt?
 
Ich habe so viele schöne Erlebnisse, da einige heraussuchen ist schwer. Aber z.B. meine Auftritte in fremden Ländern oder mit der Operetten-und Filmlegende Johannes Heesters zählen unbedingt dazu! Ich konnte soviel von ihm lernen.
 
 
Was war der Schönste Moment deiner Karriere aber auch privat, an den du dich erinnerst?
 
Das waren sicherlich die ersten Elblandfestspiele, für die ich die Idee hatte, die ich gegen alle Widerstände gegründet hatte, ohne Geld, ohne Erfahrung am Markt und nur mit meinen Idealen und Visionen erfüllt. Das war harte Arbeit, aber es hat funktioniert! Die erste Gala war für mich sehr bewegend!
 
 
Du erzähltest mir, dass Du gerade studierst. Was genau studierst Du eigentlich und wie gestaltet sich das Lernen?
 
Ich studierte 4 Jahre Musikwissenschaft an der Universität der Künste Berlin und schreibe dort derzeit meine
Dissertation zur Geschichte der Preußischen Staatstheater in Berlin, insbesondere der Staatsoper.
 
 
Was machst Du denn in deiner außer künstlerischen Freizeit?
 
Freizeit kommt leider immer zu kurz! Aber wenn ich Zeit habe gehe ich ins Theater, Museum, mache Radtouren, gehe gern schwimmen oder treffe mich mit Freunden.
 
 
Mich würde mal interessieren, ob du mal verheiratet warst...
 
Nein. Ich bin und bleibe Junggeselle.
 
 
Man kann nachlesen, dass du auch als Pädagoge unterwegs bist. Was schätzt du am meisten an der Zusammenarbeit mit "Schülern"?
 
Ich unterrichte nur auf Anfrage. Schüler haben immer die Aura der Unberührtheit! Sie wollen lernen und sind wie ein Schwamm, der alles aufsaugt. Das gefällt mir. Faule Schüler hatte ich noch nie. Es macht großen Spaß, sich zwischen den Generationen hin und her zu bewegen. Ich gebe Gesangstraditionen weiter. Manchmal bin ich auch traurig, wenn man erfährt, daß an unseren Schulen kaum mehr das Fach Musik unterrichtet wird. Es ist so wichtig für die musische Grundbildung eines Menschen!
 
 
Wirst du oft auch der Straße erkannt?
 
Manchmal ja. Das freut mich dann.
 
 
Wo siehst du dich in zehn oder zwanzig Jahren? Was sind deine Ziele und Erwartungen an dein weiteres Leben?
 
Das Ziel und der Weg ist eigentlich gesund zu bleiben und mit meiner Kunst den Menschen weiterhin Freude und gute Unterhaltung zu bringen. Damit wäre ich zufrieden!


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