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Geschrieben von PM Helios Klinik Herzberg/Osterode am 19. Juni 2019
Aktuell

Was tun bei Hitze und Achterbahnwetter?

Wenn Sommerhitze und Wetterwechsel den Körper verrücktspielen lassen – Dr. med. Patrick Jung gibt Tipps

(Bildquelle: www.pixabay.de)
(Bildquelle: www.pixabay.de)
Dr. med. Patrick Jung.
Dr. med. Patrick Jung.

In den letzten Tagen hat der Sommer einen ersten Vorgeschmack auf mögliche Hitzerekorde gegeben. Für die nächsten Tage sind etwas niedrigere Temperaturen angesagt, dann soll es wieder wärmer werden. Dr. med. Patrick Jung, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme der Helios Klinik Herzberg/Osterode, gibt Tipps, was tun, wenn der Körper durch Hitze oder Wetterwechsel verrücktspielt.

„Unser Körper reagiert auf das Wetter, daran besteht kein Zweifel. Ob Sonne oder Regen, Hitze oder Kälte – der menschliche Körper muss sich ständig an Temperaturschwankungen und Luftdruckänderungen anpassen“, sagt Patrick Jung. In den meisten Fällen passiert dies ganz unbewusst. Jeder fünfte Bundesbürger leidet jedoch extrem unter den Wetterumschwüngen, die Hälfte der Deutschen gibt an, wetterfühlig zu sein und auf die damit einhergehenden Druckschwankungen zu reagieren. „Als wetterfühlig gelten gesunde Personen, die auf Wetterumschwünge mit Symptomen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Erschöpfung oder Konzentrationsschwäche reagieren. Bei wetterempfindlichen Menschen liegt oft eine chronische Grunderkrankung vor, die durch den Wetterwechsel noch verstärkt wird. Besonders Patienten mit Asthma und Arthrose sowie Rheumatiker sind davon betroffen. Auch ältere Patienten spüren das Wetter subjektiv stärker als die Jüngeren – sie sprechen dann oft davon, dass ihnen das Wetter in den Knochen steckt.“

 

Unterschiedliche Beschwerden bei Wetterwechseln

Tiefdruckgebiete können beispielsweise dazu führen, dass sich bei Menschen mit Asthma Symptome wie Atembeschwerden und bei Rheumatikern die Gelenkschmerzen verstärken. „Die kalte Luft kann dazu führen, dass sich Venen und Adern verengen und der Blutdruck ansteigt, das vegetative Nervensystem wird gereizt und der Hormonhaushalt kann durcheinander geraten“, erläutert der erfahrene Mediziner. Ein Hochdruckgebiet hingegen kann bei Menschen mit niedrigem Blutdruck zu Kopfschmerzen und Schwindelgefühl führen. Viele Menschen reagieren auf warmes Wetter auch mit Schlafstörungen, Nervosität und Konzentrationsschwäche. Wer unter erhöhtem Blutdruck leidet, fühlt sich bei dieser Wetterlage dagegen meist besser.

„Der menschliche Körper hat durch die häufige Benutzung von Klimaanlagen auf der einen und Heizsystemen auf der anderen Seite verlernt, sich auf das Wetter und wechselnde Temperaturen einzustellen. Um unanfälliger für Wetterumschwünge zu werden und das eigene Wohlbefinden zu steigern, gilt in erster Linie Abhärten“, so Jung.

 

Tipps für den Umgang mit Wetterwechseln

·         Durch eine regelmäßige körperliche Betätigung wie zügiges Gehen oder Schwimmen können Sie die Anpassungsfähigkeit Ihres Körpers erhöhen.

·         Mit Wechselduschen (warm und kalt), Sauna, Massage und Gymnastik können Sie die Reizschwelle gegenüber Wettereinflüssen anheben.

·         Beschwerden wie Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen können durch eine gesunde Lebensweise verbessert werden. Hierzu gehören vor allem ein Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Koffein sowie ausreichend Schlaf.

·         Essen Sie wenig und entscheiden Sie sich für leichte Mahlzeiten.

·         Sorgen Sie für eine tägliche Aufnahme von zwei bis drei Liter Flüssigkeit. Ideal sind Wasser und ungesüßte Früchtetees.

·         Wann immer Sie Zeit und Gelegenheit haben: Lagern Sie die Beine hoch.

·         Lassen Sie kaltes Wasser ins Waschbecken einlaufen. Tauchen Sie beide Arme bis zur Oberarm-Mitte ein. Bewegen Sie sie nun ein wenig hin und her.

·         Oder: Lassen Sie kaltes Wasser aus der Leitung über den Puls beider Hände laufen (etwa eine Minute).

 

Kühlen Kopf in der Hitze bewahren

Nicht nur Wetterwechsel machen dem Körper zu schaffen, auch Hitze ist eine Belastung für den Körper. Besonders betroffen sind auch hier Menschen mit bestehenden gesundheitlichen Problemen (zum Beispiel Herzkreislauferkrankungen oder Diabetes) sowie ältere Menschen. Die Folgen der hohen Temperaturen können Müdigkeit, Schwindel, Herzrhythmusstörungen oder auch Muskelkrämpfe sein.

„Ganz wichtig ist, bei hohen Temperaturen mehr zu trinken als sonst, am besten Wasser, verdünnte Säfte oder ungesüßten kalten Tee. Denn bei Hitze hat der Mensch einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf, da der Körper mehr Schweiß produziert. Dieser kühlt beim Verdunsten die Haut und darunterliegende Blutgefäße“, sagt Jung. Auf zu kalte Getränke sollte verzichtet werden, diese regen den Körper an, noch mehr Wärme zu produzieren. Beim Essen belasten fette und schwer verdauliche Speisen den Kreislauf zusätzlich, lieber leichte Kost und kleine Mahlzeiten zu sich nehmen.

Generell empfiehlt Patrick Jung, anstrengende Aktivitäten oder Sport in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden oder aber auf sehr schattige Plätze zu verlegen. Doch auch dabei gilt es, den Körper zu schützen. „Ich rate dringend dazu, Sonnencreme mit mindestens Lichtschutzfaktor 20 aufzutragen und regelmäßig nachzucremen. Die Augen schützt am besten eine Sonnenbrille mit UV-Schutz und den Kopf ein Hut. Wer Erfrischung im kühlen Nass sucht, sollte den Körper vorsichtig an das kalte Wasser gewöhnen und zunächst nur Hände und Füße hineinhalten. Dann erst sollte der restliche Körper folgen. Sonst droht im schlimmsten Fall ein Herzinfarkt“, so Jung.

 

Sonnenstich und Hitzeschlag

Wer sich nicht ausreichend schützt oder körperlich überanstrengt, riskiert ernste gesundheitliche Probleme – dies gilt auch für Menschen ohne Vorerkrankungen. „Infolge einer lange andauernden direkten Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken kann es zu einem Sonnenstich kommen. Betroffene klagen meist über Kopf- und Nackenschmerzen, haben ein rotes Gesicht und zum Teil auch Ohrgeräusche“, erklärt der erfahrene Rettungsmediziner. Treten die Symptome auf, sollte der Betroffene sofort aus der Sonne und sich abkühlen – zum Beispiel mit einem feuchten Tuch auf Kopf und Nacken – sowie Flüssigkeit zu sich nehmen. Bei zusätzlicher Übelkeit, Schwindel und Erbrechen sollte ein Krankenhaus aufgesucht werden.

„Gefährlicher als ein Sonnenstich ist ein Hitzeschlag, der durch Überanstrengung bei zu hohen Temperaturen ausgelöst wird. Dann erhöht sich die Körpertemperatur bis auf 40 Grad Celsius. Der Körper kann die Temperatur nicht mehr regulieren und es besteht die Gefahr eines lebensbedrohlichen Wärmestaus: Die Schweißproduktion versagt, wodurch die Haut heiß und trocken wird. Weitere Symptome können Krämpfe oder Bewusstseinsstörungen sein. Hier sollte unverzüglich der Rettungsdienst alarmiert werden.“


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