Geschrieben von Boris Janssen am 26. Juni 2019
Einladung zur Zeitreise
Projektwoche an der Grundschule am Hausberg – Präsentation bei Schulfest am Donnerstag, 27. Juni 2019









In den Zubern auf dem Schulhof ist das Wasser schon ganz grau. Es blubbert und schmatzt. Trotz der Hitze beackern die Kinder die Tücher energisch mit Wäschestampfer, Waschbrett und Wäschepresse, schließlich wollen sie sie nur weiß leuchtend auf die Leine hängen. Derweil verteidigen die angehenden Ritter und Burgfräulein ihr Klassenzimmer mit dicken Vorhängen vor den Fenstern gegen die eindringende Hitze. Wer Einlass begehrt, muss durch das Burgtor mit seiner Zugbrücke. Darinnen staffieren sich die Herrschaften mit Schilden und Hüten aus, sie schaffen eindrucksvoll glitzerndes Geschmeide, sie bauen Fackeln und in der Werkstatt haben sie bereits – nach guter Mittelaltermanier – in einer Form aus Sand Wachslichte gegossen.
Die Kinder der Grundschule am Hausberg gehen in der letzten vollen Woche des Schuljahres 2018/19 auf „Zeitreise“. Dieses doch einigermaßen offene Oberthema der Projektwoche erlaubt vielfältige spannende Erlebnisse. Da begegnet man auf dem Schulflur schon mal unvermittelt einem Wikinger. Diese Gesellen – und natürlich auch Gesellinnen – sind zwar bis an ihre behörnten Helme bewaffnet mit Schwertern und Streitäxten. Aber das ist wahrscheinlich nur Abschreckung, damit sich niemand an ihren funkelnden Amuletten vergreift.
Auch die große Holzkeule, die eine Etage tiefer recht martialisch unter einem Wildschädel am Höhleneingang baumelt, dient wohl eher der Nahrungsbeschaffung denn als nonverbales Überzeugungsargument. Die Steinzeit-Kinder sind sehr friedlich gesinnt und in erster Linie kulturell interessiert. Hier sind erstaunliche Höhlenmalereien zu bewundern und offenbar haben deren Urheber ebenfalls schon die Vorzüge von Kerzenlicht für sich entdeckt – natürlich aus steinernen Leuchten.
Nun geht es bei so einer Projektwoche natürlich nicht nur darum, dass es einmal etwas lockerer angepackt wird, viel gebastelt, gewerkelt und, ja, gespielt wird. Es geht vor allem darum, Wissen auf andere Art zu vermitteln, als im normalen Unterricht. Und so sind die Projekte immer auch mit mehr oder weniger offensichtlichen Theorieblöcken versehen. Im Projekt „In der Zeit unserer Urgroßeltern“ zum Beispiel wurde darüber gesprochen, wie Schule damals war und was die Kinder zu jener Zeit spielten. Ein Opa schaute vorbei und erzählte aus seiner Kindheit. Und der Waschtag auf dem Schulhof, der wird den Kindern sicher nachhaltiger in Erinnerung bleiben, als ein dröger Museumsbesuch – gerade weil er doch auch Spaß gemacht hat.
Apropos Nachhaltigkeit: Eine Zeitreise führt nicht zwangsläufig in die Vergangenheit. Im Projekt „Zukunft“ beschäftigen sich die Kinder damit, wie wir unseren Planeten auch für kommende Generationen lebenswert erhalten können – eine Art „Week for Future“. Was kann man tun, um Plastik zu vermeiden oder wertvolle Rohstoffe zu recyceln?
Staunen, Kaufen und Mitmachen beim Schulfest
Ein paar Antworten darauf, können alle Neugierigen beim Schulfest am Donnerstag, 27. Juni 2019, erfahren. Dann präsentieren sich die Projekte von 15 bis 17 Uhr allen Eltern und Großeltern, Freunden und Interessierten.
Die Kinder des Projekts Zukunft verkaufen unter anderem hübsche Blumentöpfe, denen man nicht mehr ansieht, dass sie einmal Tetra-Paks waren, Geschenkverpackungen, die ordentlich was hermachen, Stiftehalter, die den Schreibtisch schmücken, Papiertüten für den Bioabfall, praktisch und schnell nachzubauen, und noch einiges mehr. Wofür der Erlös bestimmt ist, sollen die Kinder am Donnerstag demokratisch selbst bestimmen.
Außerdem bieten sie eine Handy-Sammelstelle an, in der jeder seine ausrangierten oder defekten Geräte abgeben kann. Sie werden dann an den NABU weitergegeben, deren Partner die Altgeräte – so möglich – noch einmal für den Gebrauchtladen aufbereiten oder aber verschrotten und die wertvollen Rohstoffe, insbesondere die seltenen Metalle, wiederverwerten. Die Erlöse verwendet der NABU dann wiederum für Naturschutzprojekte. Sicher haben auch die Bad Lauterberger noch das eine oder andere Smartphone nutzlos herumliegen, denn nach Angaben des Digitalverbands Bitkom schlummern mehr als 100 Millionen Althandys in deutschen Schubladen.
Natürlich gibt es noch viel mehr Projekte, als die hier genannten. Und natürlich stellen sich alle gerne vor. Es gibt viele Vorführungen und jede Menge Mitmach-Angebote zum Spielen, Basteln und Ausprobieren. Wer mag, kann sich auch selbst in einen Wikinger verwandeln, diese Typveränderung in der Fotobox festhalten und auf Papier dokumentiert mitnehmen.
Der Förderverein der Grundschule kümmert sich wieder um das leibliche Wohl. Der Erlös kommt seiner Arbeit zugute. Die besteht an diesem Nachmittag nicht nur aus der Verköstigung der Gäste, an erster Stelle stehen ganz klar die Kinder: Der Förderverein wird mit kleinen Geschenken die Wünsche der Schülerinnen und Schüler erfüllen, verrät die scheidende Schulleiterin Anke Tilhein-Engelke.