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Geschrieben von Peter Bischof am 16. August 2019
Aktuell

Björn Thümler auf den Spuren der Welfen

Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur hat das Schloss Herzberg besucht

Ministerbesuch in großer Runde (von links): Andreas Körner, Mathias Melzer, Karin Wode, Lorenz Bothor, Fritz Güntzler, Björn Thümler, Thomas Ehbrecht, Ulrich Rütjerodt und Klaus Weiß. (Fotos: Peter Bischof)
Ministerbesuch in großer Runde (von links): Andreas Körner, Mathias Melzer, Karin Wode, Lorenz Bothor, Fritz Güntzler, Björn Thümler, Thomas Ehbrecht, Ulrich Rütjerodt und Klaus Weiß. (Fotos: Peter Bischof)
Dipl.-Ing. Ulrich Rütjerodt vom Staatlichen Baumanagement Südniedersachsen erläuterte die Baumaßnahmen. Von links: Ulrich Rütjerodt, Björn Thümler, Thomas Ehbrecht, Fritz Güntzler und Andreas Körner.
Dipl.-Ing. Ulrich Rütjerodt vom Staatlichen Baumanagement Südniedersachsen erläuterte die Baumaßnahmen. Von links: Ulrich Rütjerodt, Björn Thümler, Thomas Ehbrecht, Fritz Güntzler und Andreas Körner.
Bei den Sanierungsarbeiten wird genau geschaut, was an alter Substanz erhalten werden kann – das gilt sowohl für das Gebälk als auch für die Steinwände.
Bei den Sanierungsarbeiten wird genau geschaut, was an alter Substanz erhalten werden kann – das gilt sowohl für das Gebälk als auch für die Steinwände.
Minister Björn Thümler erinnerte in seinem Grußwort daran, dass das Schloss der Stammsitz der Welfen gewesen ist. Mathias Melzer, Fritz Güntzler und Thomas Ehbrecht hören gut gelaunt zu.
Minister Björn Thümler erinnerte in seinem Grußwort daran, dass das Schloss der Stammsitz der Welfen gewesen ist. Mathias Melzer, Fritz Güntzler und Thomas Ehbrecht hören gut gelaunt zu.
Vom Dach bis zum Boden musste der gesamte Marstallflügel stabilisiert werden.
Vom Dach bis zum Boden musste der gesamte Marstallflügel stabilisiert werden.

Erst ein kleiner Imbiss im Rittersaal, dann die Besichtigung der Baustellen im Schlossturm und im Marstallflügel: Björn Thümler, CDU, Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, besuchte am Donnerstag (15.08.2019) das Herzberger Welfenschloss. Gemeinsam mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler und dem CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Ehbrecht ließ er sich von Peter Bischof, dem Vorsitzenden des Fördervereins Schloss Herzberg, kurz über die wichtigsten geschichtlichen Daten des Schlosses informieren.

 

Kurzer Blick in das Museum

Zeit war auch für einen Blick in das Museum mit der Engelhardt-Orgel. Orgelbaumeister Johann Andreas Engelhardt, 1804 bei Naumburg geboren, war ab 1829 in Herzberg tätig. Seine erste Orgel baute er 1830 in der Lerbacher Pfarrkirche. Weitere Engelhardt-Orgeln stehen zum Beispiel in der Marktkirche in Goslar, der St. Cyriakus-Kirche in Duderstadt, im Dom zu Braunschweig, in der St. Jakobi-Kirche in Osterode und in der Nicolai-Kirche in Herzberg.

Im Rittersaal wurden Björn Thümler und seine Begleiter von Mathias Melzer, dem CDU-Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates Herzberg, im Beisein der Kreistagsmitglieder Karin Wode und Andreas Körner begrüßt. Melzer lobte Fritz Güntzler, Thomas Oppermann, Dr. Andreas Philippi und Lutz Peters für ihren Einsatz für das Schloss. Er betonte aber auch, dass 2005 die damals begonnene Sanierung abgebrochen wurde und sich lange Zeit im Schloss nichts getan habe.

Zuletzt hatte das Land Niedersachsen im Jahr 2017 in einem Doppelhaushalt 7,5 Millionen Euro für die Restaurierung und Sanierung des Schlosses bewilligt, im letzten Jahr kamen vom Bund sieben Millionen Euro dazu. Allerdings werden die Gesamtkosten für die komplette Restaurierung des Schlosses auf weit über 20 Millionen Euro geschätzt. Wobei die weitere Sanierung des Schlosses aus der Bauunterhaltung des Landes finanziert werden wird.

 

Schloss war Stammsitz der Welfen

Minister Thümler erinnerte in seinem Grußwort daran, dass das Schloss der Stammsitz der Welfen gewesen sei, „bevor sie nach Großbritannien aufgebrochen sind“. Zum geschichtlichen Hintergrund: Welfenfürst Georg von Calenberg und seine Frau Anna Eleonore, die von 1617 bis 1635 auf dem Schloss Herzberg residierten, hatten vier Söhne. Durch die Ehe des jüngsten Sohnes Ernst August mit Frau Sophie von der Pfalz, Enkelin des Stuartkönigs Jakob I. von England, bekam das Haus Hannover die Anwartschaft auf den englischen Thron. Da Englands Königin Anna im Alter von 84 Jahren kinderlos starb, fiel Georg Ludwig, dem Sohn von Sophie und Ernst August, die englische Krone zu. Als Georg I. bestieg er 1714 den englischen Thron.

Er sei deshalb froh, so Minister Thümler, dass gerade die Erinnerung an diesen Teil der Geschichte durch die Sanierung des Schlosses erhalten bleibe. Deshalb dankte er auch besonders Fritz Güntzler: „Es ist nicht so einfach, dem Bund ein paar Millionen Euro zu entlocken.“ Fritz Güntzler gab das Kompliment in gewisser Weise zurück. Es sei schon etwas Besonderes, wenn Land und Bund gemeinsam Geld gäben. Und da man jetzt angefangen habe, werde man nicht wieder aufhören.

 

Beim Bau immer wieder Überraschungen

Das bestätigte auch Klaus Weiß vom Staatlichen Baumanagement Südniedersachsen. Allerdings gebe es bei einem Baudenkmal wie dem Schloss an jeder Ecke auch immer wieder Überraschungen.

Dipl.-Ing. Ulrich Rütjerodt vom Staatlichen Baumanagement Südniedersachsen erläuterte dann an Ort und Stelle die Bauarbeiten im Schlossturm und im Marstallflügel. Für den Schlossturm sei keine besondere Nutzung angedacht, so Rütjerodt, dieser war und werde auch wieder der Blickfang sein, wenn man den Schlosshof betrete. Am benachbarten Sieberflügel enthielt das Dach zur Sieber als auch zum Hof hin große Gauben. An der Hofseite waren Arkadengänge aus Holz angebaut. Die brauchte man, weil es im Sieberflügel keine Treppenhäuser gab. Wer von einem Stockwerk in das andere gehen wollte, musste dies über den Schlossturm tun. Rütjerodt erklärte zudem direkt am Turm die Holzschnitzereien und deren Restaurierung.

Anschließend ging es im Marstallflügel weiter. „Später sollen zuerst die Mitarbeiter des Amtsgerichtes aus dem Grauen Flügel umziehen“, so Rütjerodt. Im ehemaligen Theaterraum des Marstallflügels werden großzügige Büroräume entstehen, die mit Glaswänden aufgelockert und aufgewertet werden. In den Räumen nahe des inneren Hoftores werde ein Lift eingebaut, um einen barrierefreien Zugang zum Amtsgericht und den Museumsräumen zu ermöglichen. Hier sollen auch Teile des Archivs des Amtsgerichts eingelagert werden.

 

Soviel Substanz wie möglich erhalten

Bei den Sanierungsarbeiten werde genau geschaut, was an alter Substanz erhalten werden könne, das gelte sowohl für das Gebälk als auch für die Steinwände. Der Marstallflügel wurde seit Jahrzehnten nicht genutzt und war völlig verfallen. Vom Dach bis zum Boden musste deshalb das komplette Gebäude stabilisiert werden. So wurden bis zu zwölf Meter lange Pfähle in den Boden getrieben. Auf die Köpfe der Pfähle kam im Inneren des Gebäudes eine Stahlbetonplatte.

Zum Abschluss baten die am Besuch Beteiligten den Minister, sich in Hannover für das Schloss Herzberg einzusetzen. Er wolle es seinem Minister-Kollegen aus dem Finanzressort ganz besonders ans Herz legen, versprach Björn Thümler zum Abschied.


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