Geschrieben von Karl-Heinz Wolter am 01. September 2019
Ein wertvolles Gut
Mitglieder des weltweiten Dachverbandes der Mühlenkunde haben die Königshütte besucht – und sind sehr beeindruckt





Die Bad Lauterberger Königshütte ist am Dienstag (27.08.2019) von Mitgliedern des weltweiten Dachverbandes der Mühlenkunde besucht worden – die Organisation „The International Molinological Society“ (TIMS) ist die einzige weltweit tätige Gesellschaft auf diesem Gebiet. Die internationale Besuchergruppe – insgesamt 32 Personen aus elf Nationen, darunter Europäer, Amerikaner und Japaner – ist bereits in der dritten Woche in Deutschland unterwegs. Die Teilnehmer der Reise sind zum Teil selbst Besitzer von Mühlen oder beschäftigen sich zum Beispiel als Archäologen oder Universitätsprofessoren aus beruflichen Gründen mit dem Thema Historische Mühlen. Für andere ist es eben „nur“ ein hochinteressantes Hobby.
Auf ihrer Tour haben sie in der ersten Woche Mühlen der unterschiedlichsten Arten in Sachsen besucht und besichtigt, danach nahmen sie an dem TIMS-Symposium in Berlin unter der Leitung des auch in Bad Lauterberg anwesenden Gerald Bost teil. In der letzten Woche waren die Mühlenkundler in Niedersachsen unterwegs und wurden nun auf dem Gelände der Königshütte von den Vorstandsmitgliedern des Förderkreises Christian Mühl und Volker Puhrsch begrüßt und willkommen geheißen. Weitere Mitglieder des Förderkreises waren aktiv bei Führungen dabei, andere hatten ein Kaffee- und Kuchenbuffet für die Besucher bereitgestellt. Nach der Stärkung wurde die Gruppe mit den Sehenswürdigkeiten der Königshütte vertraut gemacht, in englischer Sprache erklärte Volker Puhrsch die einzelnen Stationen wie die Gießhalle, Hochofenhütte, Walzwerk und Maschinenfabrik und deren ehemaligen Funktionen.
Hochinteressantes Besuchsobjekt
War das Interesse an der gesamten Anlage auch groß, ging es zuletzt zum eigentlichen Höhepunkt der Besichtigungstour: die alte Industriemühle auf dem Gelände mit ihrer erhaltenen Inneneinrichtung. Die Mühle wurde dort 1872 errichtet und lief bis 1960. Übrigens war es der Vater des erwähnten Christian Mühl, der diese ab 1950 geleitet hatte. In der Zeit von 1875 bis etwa 1930 war die Königshütte vorwiegend eine Mühlen- und Gipsbauanstalt mit „angebundener“ Gießerei. Dieser Zusammenhang von Gießerei, Maschinenfabrik und Mühlenbau und schließlich der Mühle selbst, in der die neu entwickelten Maschinen getestet und vorgeführt werden konnten, machte die Bad Lauterberger Königshütte zu einem hochinteressanten Besuchsobjekt für die TIMS.
In der alten Getreidemühle ließen sich die Gäste die Funktion und die einzelnen Stationen vom Antrieb über mehrere Transmissionen bis zur Fertigung der Produkte wie Mehl und Schrot erklären. Die Mühle war seinerzeit eine moderne Handels- und Industriemühle. Sie besaß drei oberschlächtige Wasserräder, die vier Mahlgänge und sechs Graupengänge antrieben. Die Leistungskapazität der Mühle lag bei 15 Tonnen Weizen und 12 Tonnen Roggen pro Tag, somit gehörte die Mühle seinerzeit zu den Größeren. Wegen des noch bestehenden großen Sanierungsbedarfes im Inneren der Mühle sind öffentliche Führungen derzeit nicht möglich.
Tief beeindruckt von den Anlagen
Zum Ende der Besichtigung zeigten sich viele der Besucher tief beeindruckt von den Anlagen. Gerald Bost verabschiedete sich in dem Gespräch mit dem Appell: „Pflegen und erhalten Sie solche Anlagen weiter. Es ist ein wertvolles Gut, welches Interessenten aus der ganzen Welt beeindruckt.“
Anschließend reisten die Gäste mit ihrem Bus zurück ins Quartier nach Braunschweig, von wo es am nächsten Tag zu weiteren Stationen mit Mühlen am Steinhuder Meer und im Bereich von Gifhorn ging.
Bereits im Sommer 2012 hatte die Mühle der Königshütte eine Besuchsdelegation angelockt. Damals besichtigte sie der Vorstand der Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen. Den Bericht dazu gibt es hier.