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Mittwoch, 21. Oktober 2026
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Geschrieben von Peter Bischof (Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz) am 25. Oktober 2019
Aktuell

Am 28. Oktober wird der Weltpoliotag begangen

Rotarier engagieren sich für die weltweite Ausrottung der Kinderlähmung

Der Rotary-Glühweinstand in der Vorweihnachtszeit auf dem Boulevard Bad Lauterberg – ein beliebter Treffpunkt der Bad Lauterberger und Kauflustigen aus den Nachbarstädten. (Fotos (4): Peter Bischof)
Der Rotary-Glühweinstand in der Vorweihnachtszeit auf dem Boulevard Bad Lauterberg – ein  beliebter Treffpunkt der Bad Lauterberger und Kauflustigen aus den Nachbarstädten. (Fotos (4): Peter Bischof)
Um Spenden für „End Polio Now“ zu sammeln, wird der Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz vor Weihnachten wieder mit einem Glühweinstand in der Bad Lauterberger Fußgängerzone vertreten sein.
Um Spenden für „End Polio Now“ zu sammeln, wird der Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz vor Weihnachten wieder mit einem Glühweinstand in der Bad Lauterberger Fußgängerzone vertreten sein.
Auch einen Großteil des Erlöses des Entenrennens auf dem Herzberger Mühlengraben stellte der Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz für die Aktion „End Polio Now“ zur Verfügung.
Auch einen Großteil des Erlöses des Entenrennens auf dem Herzberger Mühlengraben stellte der Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz für die Aktion „End Polio Now“ zur Verfügung.
Dr. Astrid Laue-Savic, Präsidentin des Rotary Clubs Bad Lauterberg-Südharz.
Dr. Astrid Laue-Savic, Präsidentin des Rotary Clubs Bad Lauterberg-Südharz.
Die Mitglieder des Rotary Clubs Bad Lauterberg-Südharz lösen sich am Glühweinstand ab. Im Foto halten Stefan Flindt und Andreas Körner die Stellung, Horst Tichy und Peter Bischof warten auf ihren Einsatz. (Foto: Theresa Bischof)
Die Mitglieder des Rotary Clubs Bad Lauterberg-Südharz lösen sich am Glühweinstand ab. Im Foto halten Stefan Flindt und Andreas Körner die Stellung, Horst Tichy und Peter Bischof warten auf ihren Einsatz. (Foto: Theresa Bischof)
Die Mitglieder des Rotary Clubs zeigten beim Entenrennen vollen Einsatz: Hier Arndt Stollberg mit Mitgliedern der Herzberger Jugendfeuerwehr beim Zieleinlauf der Enten. (Foto: Carmen Stollberg)
Die Mitglieder des Rotary Clubs zeigten beim Entenrennen vollen Einsatz: Hier Arndt Stollberg mit Mitgliedern der Herzberger Jugendfeuerwehr beim Zieleinlauf der Enten. (Foto: Carmen Stollberg)

Die Älteren erinnern sich bestimmt noch an den Slogan „Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam“. Aufgrund der konsequenten Impfungen seit den 60er Jahren gibt es heute in Deutschland keine Kinderlähmung mehr. Die letzten beiden einheimischen Erkrankungen durch Polio-Wildviren traten in Deutschland in den Jahren 1986 und 1990 auf. Weltweit ist seit kurzem Nigeria als drittletztes Land der Erde Polio-frei.

Heute (28.10.2019) wird der Welt-Polio-Tag 2019 begangen. Der Tag wurde gewählt, weil er der Geburtstag des US-amerikanischen Bakteriologen Jonas Salk ist, dem Entdecker des Polio-Impfstoffes. Ziel dieses Tages ist, die Bevölkerung zu Auffrischungs-Impfungen zu motivieren, um eine Rückkehr der inzwischen fast ausgerotteten Kinderlähmung zu verhindern.

 

Rotary hat 1,7 Milliarden Euro gesammelt

Rotary International, die Gemeinschaft aller Clubs, hat sich die Ausrottung der Kinderlähmung weltweit auf seine Fahnen geschrieben. Rotary wird bei der Aktion mit dem Motto „End Polio Now“ von der Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt. Die Foundation gibt zu jedem Dollar, den Rotary für die Poliobekämpfung sammelt, zwei weitere Dollar hinzu. Auch im letzten rotarischen Jahr kamen wieder 50,8 Millionen Dollar (etwa 46 Millionen Euro) zusammen. Insgesamt hat Rotary bisher 1,9  Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) für „End Polio Now“ gesammelt.

1988 wurde zudem die „Global Polio Eradication Initiative“ (GPEI) mit dem Ziel einer poliofreien Welt gegründet. Sie vereint heute mehrere Organisationen, unter anderem die WHO, UNICEF, Rotary International und die Bill & Melinda Gates Foundation.

„Unsere Arbeit gegen Polio dient auf verschiedene Arten auch der Bekämpfung anderer Krankheiten.“

Dr. Astrid Laue-Savic, Präsidentin des Rotary Clubs Bad Lauterberg-Südharz

 

Lauterberger Club stark engagiert

Auch der Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz sammelt seit seiner Gründung im August 1983 Spenden für den Kampf gegen die Kinderlähmung. „Die Kinderlähmung ist eine von Polioviren hervorgerufene Infektionskrankheit, die bei Ungeimpften die muskelsteuernden Nervenzellen des Rückenmarks befallen und zu bleibenden Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod führen kann“, erläutert Dr. Astrid Laue-Savic, Präsidentin des Rotary Clubs Bad Lauterberg-Südharz.

„Es fängt mit hohem Fieber an. Anschließend kommen meist Nackenstarre und Atemlähmungen hinzu.“ Überwiegend seien Kinder im Alter zwischen drei und acht Jahren, gelegentlich auch ältere Personen bis ins Erwachsenenalter, betroffen.

 

2,5 Milliarden Kinder geimpft

„Noch 1988 war Polio in 125 Ländern verbreitet, mit weltweit mehr als 350.000 neuen Fällen pro Jahr“, weiß Stefan Flindt, Polio-Beauftragter des Bad Lauterberger Clubs. Seitdem hätten Rotary und seine Partner die Kinderlähmung-Infektionen um über 99 Prozent reduziert. Mehr als 2,5 Milliarden Kinder seien gegen das Virus geimpft und so 88 Millionen Neuerkrankungen verhindert worden.

Denn Polio ist nur schwer zu erkennen und einzugrenzen, da die Inkubationszeit bis zu zehn Tage betragen kann. Häufig kann sich das Virus mehrere Monate lang ausbreiten, ohne entdeckt zu werden, vor allem auch, weil fast 75 Prozent der Infektionen zu keinerlei Symptomen führen. Etwa ein Viertel der Fälle führt zu einer Erkrankung, die über mehrere Tage Fieber oder Erkältungen mit sich bringt, was dann aber meist nicht sofort mit Polio in Verbindung gebracht wird.

 

Arbeit gegen Polio hilft bei anderen Krankheiten

„Unsere Arbeit gegen Polio dient auf verschiedene Arten auch der Bekämpfung anderer Krankheiten, dies betrifft in erster Linie die in Afrika und Asien entwickelten Infrastrukturen, die bei der Ausrottung der Kinderlähmung helfen sollen“, erklärt Dr. Astrid Laue-Savic.

Das gelte zum Beispiel für die Entwicklung der Kühlketten, denn der Polio-Impfstoff muss kalt gehalten werden. Das Kühlketten-System aus Gefrierschränken, Kühlschränken und Kühlboxen wurde entwickelt, damit Polio-Mitarbeiter den Impfstoff lagern und bei extrem heißen Wetter über lange Strecken transportieren können.

Auch die Mikroplanung, mit der bestimmte Gemeinden und Regionen als Prioritäts-Ziele für die Impfungen identifiziert werden, hilft bei anderen Krankheiten. Zudem kann auch das Polio-Überwachungssystem wegweisend sein. Wichtig sei zudem die Kontakt-Rückverfolgung, da es sich bei Polio um eine übertragbare Krankheit handelt. Mediziner verwenden sie, um zu erfahren, wer vorher Kontakt mit den infizierten Menschen hatte. Diese Rückverfolgung war entscheidend für die Eindämmung eines Ebola-Ausbruches in Nigeria im Jahr 2014.

 

Lauterberger Club immer vorn dabei

Mit einem Betrag in Höhe von 7.500 Euro hat der Bad Lauterberger Club vor drei Jahren im District den höchsten Betrag für „End Polio Now“ gesammelt. Im Jahr davor konnte der Club sogar 10.000 Euro zur Bekämpfung von Polio zur Verfügung stellen. Der Club war im Distrikt 1800, zu dem 78 Clubs gehören, immer ganz vorn dabei, wenn es um die Höhe der von den Mitgliedern gespendeten und eingesammelten Beträge ging. Der Distrikt 1800 wiederum habe in den letzten zehn Jahren mit 1,3 Millionen Euro die größte Spendensumme der deutschen Distrikte geleistet, so Stefan Flindt.

Vor allem am Glühweinstand vor Weihnachten in der Fußgängerzone Bad Lauterbergs konnten sich die Clubmitglieder über die hohe Spendenbereitschaft der heimischen Bevölkerung freuen. Auch in diesem Jahr wird der Rotary Club den Glühweinstand wieder aufbauen, um Spenden für das Projekt „End Polio Now“ zu sammeln.

Aufgrund des hohen Engagements in den Clubs konnte Rotary International von 2010 bis 2018 rund 750 Millionen Dollar, also  655 Millionen Euro, für das Projekt bereitstellen. 270 Millionen Euro kostet die operative Unterstützung und Bezahlung der Millionen örtlichen Helfer, die den Impfstoff verabreichen und  Hausbesuche durchführen.

 

Auch in Deutschland fehlt Impfschutz

Die Rotarier beschäftigen sich inzwischen auch mit der Impfmüdigkeit in Deutschland. Denn bei uns lässt offenbar das Bewusstsein für die drohende Gefahr auch der Kinderlähmung spürbar nach. Überall in Deutschland liegen wir unter den empfohlenen Impfquoten. Doch das nächste Poliovirus lauert vielleicht nur eine Flugreise entfernt und kann schnell eingeschleppt werden.

„Ausreichender Impfschutz ist auch heute für alle noch wichtig“, so Dr. Astrid Laue-Savic. Der in der Kindheit erworbene Impfschutz gegen Kinderlähmung müsse mindestens einmal im Erwachsenenalter aufgefrischt werden. Außerdem empfiehlt sich bei Auslandsreisen eine Auffrischung.

 

Impfmüdigkeit wird zum größeren Problem

Der Impfmüdigkeit stehen jedoch die offiziellen, sehr nachdrücklichen Warnungen der Fachleute des Robert-Koch-Instituts entgegen. Sie monieren in den vergangenen Monaten immer wieder die zu geringe Durchimpfungsrate in der Bevölkerung. Auch die Barmer Ersatzkasse hat in ihrem Arzneimittel-Report 2019 herausgearbeitet, dass bei uns zehntausende Kleinkinder komplett ohne Impfschutz seien.

„Wir kämpfen in Afrika und Asien um 100 Prozent Polio-Schutz, sehen aber tatenlos zu, wie sich Masern um uns herum ausbreiten“, sagt Dr. Uta Maria-Kastner, Rotarierin und Leiterin eines Gesundheitsamtes. Nur zwei Prozent der Bevölkerung seien gegen Impfungen, aber ein Großteil sei beim Thema Impfen stark verunsichert.

Das Stichwort „importierte Poliofälle“ weist darauf hin, dass auch bei uns die Impfung nach wie vor wichtig ist, denn die Viren können im Zeitalter der Flug- und Schiffsreisen jederzeit aus anderen Teilen der Welt wieder nach Deutschland gelangen. Schon Säuglinge sollten mit mehreren Impfdosen im ersten und zweiten Lebensjahr immunisiert werden, empfiehlt das Robert-Koch-Institut. Zehn Jahre später sollte die Impfung aufgefrischt werden. Der heute verwendete Impfstoff wird dabei gespritzt, nicht mehr geschluckt. Es fehle die nötige Beratung, hier könne Rotary etwas tun, zum Beispiel mit Infoständen auf Wochen- oder Weihnachtsmärkten.

 

Impfen zeigt schnelle Erfolge

Dass Impfen schnelle Erfolge bringen kann, hat Rotary durch seine initiierten Polio-Impfkampagnen bewiesen. Dazu beigetragen hat aber auch, dass das Virus nur beim Menschen überleben kann. Eine Übertragung auf Tiere ist nicht möglich.

Beim Menschen wird das Virus über den sogenannten fäkal-oralen Weg übertragen, also hauptsächlich durch Trinkwasser, das durch menschlichen Kot kontaminiert wurde, der das Poliovirus trägt. Das Virus verbreitet sich deshalb besonders gut unter schlechten sanitären Bedingungen aus. Wenn man weiß, dass vier Milliarden Menschen keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, erkennt man die Wichtigkeit der Impfungen.

„Wenn wir unser Ziel erreichen, wird Polio die zweite menschliche Krankheit werden, die auf dem Planeten ausgerottet wird, und Rotary wird internationale Anerkennung erhalten“, sagt Mark Daniel Maloney, der aktuelle Präsident von Rotary International. „Aber das wichtigste sind die Kinder, die nie wieder mit diesem schrecklichen Virus zu kämpfen haben werden. Rotary muss weiterhin die Welt in die Bemühungen um die Ausrottung der Kinderlähmung einbinden.“


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