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Geschrieben von Karl-Heinz Wolter am 10. März 2020
Aktuell

Als die Bundeswehr in Alarmbereitschaft versetzt wurde

Rentnertreff in Barbis hat sich mit dem „Prager Frühling“ beschäftigt

Ihnen machte der Vortrag sichtlich Spaß: Wilfried Henkel (rechts) und Jens Aulebach.
Ihnen machte der Vortrag sichtlich Spaß: Wilfried Henkel (rechts) und Jens Aulebach.

Der beliebte Rentnertreff der Kirchengemeinde Barbis, der immer am ersten Dienstag eines jeden Monats unter der Leitung von Wilfried Henkel stattfindet, hat sich bei seinem jüngsten Treffen (03.03.2020) mit dem Thema des sogenannten Prager Frühlings beschäftigt. Nicht zum ersten Mal in dieser Runde konnte als Vortragender Jens Aulebach gewonnen werden.

In der Winterkirche, dem regelmäßigen Veranstaltungsort der Runde, begrüßte Henkel zunächst die Anwesenden und hielt seinerseits einen kurzen geschichtlichen Rückblick auf die Vergangenheit der „Goldenen Stadt“ Prag, die schon im 15. Jahrhundert als Königin der Städte Europas beschrieben wurde. Im 14. Jahrhundert war der König und Kaiser Karl IV. ein großer Förderer von Prag, noch heute erinnern die Karlsburg, die Karlsbrücke, die Karls-Universität und mehr an diese Zeit. 1945 befreiten Sowjettruppen die CSSR vom NS-Regime. Eine neue Diktatur löste das vorhandene System ab – die erhoffte Demokratie blieb aus. Aber Prag hatte trotz alledem ein ausgeprägtes Kulturleben und man feierte auch ein Musikfest: den sogenannten Prager Frühling.

 

Die Tschechoslowakei als unzuverlässiger Partner

Dieser Begriff ist aber eher bekannt für das unter dem damaligen Parteichef Alexander Dubcek eingeleitete Reformprogramm, das einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ schaffen wollte. Darüber berichtete nun Jens Aulebach und legte unterstützend zu seinen Ausführungen einige Folien auf. Demnach hatte es bereits 1966 Versuche einer Öffnung nach Westen gegeben, 1967 gab es erste Unruhen. Die weiteren Reformpläne Dubceks gingen dann aber der UdSSR deutlich zu weit und die CSSR wurde als unzuverlässiger Partner angesehen, es kam zu ideologischen Angriffen.

Am 19.08.1968 ist wohl der Truppeneinmarsch beschlossen worden, am 20./21. August marschierten dann Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei ein. Im Juni 1968 hatten bereits Manöver stattgefunden, die der Vorbereitung des Einmarsches dienten. Bei dem Einmarsch, der „Operation Donau“, besetzten in nur zwölf Stunden die etwa 250.000 Soldaten des Warschauer Paktes, allerdings ohne DDR-Soldaten, das Land und läuteten so das Ende des „Prager Frühlings“ ein. Die Führung der CSSR war völlig unvorbereitet, es kam nicht zu militärischer Gegenwehr. Bei Widerständen aus der Bevölkerung heraus sind jedoch etwa 150 Todesopfer zu beklagen gewesen. Während man im In- und Ausland das Geschehen mit Entsetzen verfolgte, wurde der Einsatz im Nachhinein durch die sogenannte Breschnew-Doktrin gerechtfertigt. Erst ab 1990 kehrte in Prag und der CSSR Demokratie ein.

 

Auf dem Stöberhai keine Truppenbewegungen registriert

Sehr interessant waren die Schilderungen von Jens Aulebach, der selbst seinerzeit als Soldat bei der Fernmeldeeinheit in Osterode und auf dem Stöberhai-Turm eingesetzt war, in Bezug auf die Wahrnehmbarkeit der damaligen Truppenbewegungen: Man hatte nämlich nichts davon registriert und erst aus dem Radio von dem Einmarsch erfahren. Das bedeutet, dass es keinen Funkverkehr gegeben hatte. Erst danach wurden die Meldungen wieder erfasst, was damals natürlich zu Sonderschichten und Verstärkungen der Einheiten führte, da man ja befürchten musste, dass nicht nur die CSSR besetzt werden sollte. Einige Besucher der Runde erinnerten sich auch noch an ihre Zeit als Soldaten der Bundeswehr, die in diesen Tagen im Jahr 1968 in Alarmbereitschaft versetzt wurde.

Wilfried Henkel beendete das Treffen mit der zufriedenen Bemerkung, dass wir, hier in unserem Land, seit fast 75 Jahren in Frieden leben könnten, was in vielen Generationen vorher leider nicht möglich gewesen sei.

 

Beim nächsten Treffen im April 2020 gibt es vermutlich einen Vortrag von Volker Hahn zum Thema Kriminalprävention.


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