Geschrieben von ski am 17. März 2020
Bad Lauterberg fährt sich herunter
Die kurzfristig angeordneten Schließungen werden umgesetzt





Es ist schon zu sehen, dass die drastischen Maßnahmen greifen: auf dem Bad Lauterberger Boulevard wird wohl noch durchgefahren, aber kaum noch flaniert. Von jetzt auf gleich mussten die meisten Geschäfte schließen.
Nachdem am Montagabend die Bundeskanzlerin um 18 Uhr in einer Pressekonferenz die gemeinsam geplanten Maßnahmen verkündet hatte, war wenig später auf der Homepage der niedersächsischen Landesregierung zu lesen, was dies bedeutet: ab dem folgenden Tag, also Dienstag, sechs Uhr früh, sind alle öffentlichen und privaten Versammlungen untersagt. Alle Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind geschlossen. Ebenso große Teile des Einzelhandels, wobei es da auch viele Ausnahmen gibt: Nicht geschlossen werden der Einzelhandel für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Frisöre, Reinigungen, Waschsalons, der Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte sowie der Großhandel.
In Bad Lauterberg hat dies zur Folge, dass sämtliche Textilläden u.ä. geschlossen bleiben - die beliebte Einkaufsmeile ist größtenteils dicht. Gerade am Wochenende hatte Carsten Kröger vom Modehaus Rudolphi noch das "Pano" eröffnet, das die Shopper und Bummler mit Broten und Kaffee versorgen wollte, wo sich zuvor das Cult Fashion Café befunden hatte. Das hat sich aber vorerst erledigt, denn die Textilläden von Rudolphi gehören nicht zu den Ausnahmen, die geöffnet bleiben dürfen. Die Gastronomie darf zwar zwischen 6 und 18 Uhr geöffnet werden, doch darauf will Kröger verzichten: "Das bringt nichts." Insgesamt zeigt er sich pragmatisch-optimistisch: "Es sind turbulente Zeiten, aber wir werden sie gut überstehen, und dann geht es weiter", sagt er. Und seine Mitarbeiter beruhigt er bezüglich finanzieller Einbußen auch: "Ich habe ihnen gesagt, dass wir das als Familie ordentlich regeln wollen."
Die Konditorei Mangold hat Café und Konditoreiverkauf ganz normal zu ihren üblichen Geschäftszeiten geöffnet, wobei die entsprechenden Abstandsregelungen eingehalten werden.
Für die Firma Schwickert hat die Anordnung zur Folge, dass nur noch der Werkmarkt als Bau- und Gartenmarkt geöffnet ist - der Zugang dazu erfolgt über den Eingang Ladestraße.
Da die Buchhandlung Moller auch Zeitungsverkaufsstelle ist, ist sie weiter geöffnet. Man muss aber nicht unbedingt ins Ladengeschäft kommen, um sich mit Lesestoff zu versorgen: "Wir liefern die Bücher portofrei zu den Kunden nach Hause, mit Rechnung. Alle Lieferwege funktionieren, alle Kanäle sind offen, und wir erhalten weiterhin Bücher über Nacht geliefert", sagt Inhaberin Susanne Kinne.
Optiker dürfen weiterhin geöffnet sein: "Wir sind ein Gesundheitsberuf und daher, wie die Physiotherapeuten, nicht betroffen. Noch nicht.", sagt Jörg Beckmann. "Wir sind zu zweit im Laden, verkaufen und führen Reparaturen durch." Er erwartet jedoch nicht, dass viele Kunden kommen werden.
REWE bietet Lieferdienst
Für die Lebensmittelversorgung sind die Supermärkte zu den normalen Öffnungszeiten geöffnet, dürften jedoch auch sonntags öffnen. Bei REWE Weitzel ist dies ohnehin der Fall; die Öffnungszeiten von Montag bis Samstag von 7-22 Uhr und Sonntag 08:30 bis 11:30 Uhr sind ohnehin sehr breit gestreut. Der Getränkemarkt ist Montag bis Samstag von 7 bis 21 Uhr geöffnet.
Darüberhinaus bietet das Team von REWE Weitzel schon seit langem auch einen Lieferdienst an. Matthias Weitzel erklärt: "Ich rechne damit, dass die Lieferung nach Hause künftig noch mehr in Anspruch genommen wird. Günstig ist es, das Geld dafür abgezählt zu Hause zu haben, da wir kein mobiles EC-Gerät haben. Im Moment ist allerdings manchmal der eine oder andere Artikel von einer bestimmten Marke nicht da, und wir müssten ihn eventuell von einer anderen Marke liefern - da ist es gut, wenn die Kunden ein bisschen flexibel sind." Das Café bleibt künftig geschlossen; Bäckerei Helbing und Fleischerei Reimann bieten jedoch Gerichte zum Mitnehmen an.
Schwimmbäder, Fitnessstudios, Spielplätze geschlossen
Geschlossen sind die Schwimm- und Erlebnisbäder sowie Fitnessstudios und Saunen. Das Vitamar war bereits am Freitagabend vorsorglich geschlossen worden. Die Kirchberg-Therme und das Balance-Fitnessstudio hatten bereits vor dem Beschluss der Landesregierung die Schließung per Facebook angekündigt.
In jedem Fall geschlossen bleiben müssen alle Bars, Kneipen und Diskotheken. Viele Restaurants stellen sich nun darauf ein, hauptsächlich Lieferdienst anzubieten. Entgegen der Ankündigung am Vortag soll der Bad Lauterberger Wochenmarkt am Freitag nun doch stattfinden, um die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Untersagt sind auch Gottesdienste und andere religiöse Veranstaltungen.
Die Spielplätze sind ebenfalls geschlossen - schließlich soll vermieden werden, dass sich die Kinder und Jugendlichen nun statt in der Schule eben dort treffen.
Die Maßnahmen sind zunächst befristet bis 18. April, so die Anordnung der Landesregierung.