.

Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung von LauterNEUES erklären Sie sich damit einverstanden.

Mittwoch, 21. Oktober 2026
Login



Geschrieben von ski am 18. März 2020

Aktuell

Bürgermeister appelliert: Bleiben Sie zuhause!

"Bitte nehmen Sie die Sache ernst - es geht hier um Menschenleben"

Die eine Hälfte des Krisenstabs: Bürgermeister Dr. Thomas Gans, Angelika Tebbe, Michael Schmidt. Der andere Teil arbeitet aus Sicherheitsgründen im anderen Gebäude
Die eine Hälfte des Krisenstabs: Bürgermeister Dr. Thomas Gans, Angelika Tebbe, Michael Schmidt. Der andere Teil arbeitet aus Sicherheitsgründen im anderen Gebäude
b_300_0_16777215_00_images_stories_com_form2content_p19_f12076_spielplatz_dammwiese_gesperrt.jpg

Schul- und Kitaschließungen, geschlossene Geschäfte, drastische Einschränkungen in der Gastronomie, die Schließung des Vitamar und der Spielplätze - und nun muss Bürgermeister Dr. Thomas Gans auch noch den Hotels mitteilen, dass sie ihre Gäste umgehend nach Hause schicken müssen. "Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas einmal machen muss. Das ist ganz, ganz bitter für unsere Stadt. Aber das ist jetzt eben der Fall, und da müssen wir alle gemeinsam durch", sagt er.

Er appelliert an alle Bürgerinnen und Bürger: "Bitte bleiben Sie so weit wie möglich zu Hause. Ich weiß, dass es schwer ist, Gewohnheiten umzustellen und auf seine üblichen Sozialkontakte zu verzichten - ob es die Skatrunde oder der Kaffeeklatsch ist. Aber diese drastischen Maßnahmen wurden aus gutem Grund beschlossen - die Lage ist sehr, sehr ernst." Er bittet daher auch Eltern, darauf zu achten, dass ihre Kinder sich eben nicht nachmittags zu mehreren zum Spielen (oder Teenies zum gemeinsamen Abhängen) treffen: "Maßnahmen wie Schul- und Kitaschließungen können sonst nicht wirken."

Appell auch an die Senioren

Ebenso appelliert er an die ältere Bevölkerung, ihre Kontakte auf das Notwendigste zu reduzieren. "Gerade die besonders gefährdete Gruppe der Senioren ist manchmal uneinsichtig. Manche sagen, ach, das wird mich schon nicht treffen, oder: Das Risiko gehe ich ein, ich lasse mir doch nicht meinen Spaß nehmen. Aber diejenigen, die für sich selbst beschließen, dieses Risiko eingehen zu wollen, und dann miteinander beim Kaffee die Köpfe zusammenstecken, gefährden andere - und diese tragen das Virus dann womöglich nach Hause zu ihren Familien."  Besonders gefährdet sind auch alle mit Vorerkrankungen: Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen wie Asthma oder chronische Bronchitis, Diabetes, Lebererkrankungen, Krebserkrankungen und geschwächtes Immunsystem, auch beispielsweise durch Cortisoneinnahme. "Diese Menschen müssen wir schützen - und dafür lohnt es sich, sich einzuschränken."

Mögliche Ausgangssperre befürchtet

Denn, wenn sich die Bevölkerung nicht freiwillig daran halte, sich so weit wie möglich von anderen Menschen fernzuhalten, dann befürchtet der Bürgermeister weitere, noch schärfere Maßnahmen: "Womöglich wird sonst doch noch eine Ausgangssperre verhängt, so wie es in anderen Ländern ja schon der Fall ist. Mir wäre es lieber, wenn sich die Menschen aus freien Stücken dafür entscheiden würden, sich vernünftig zu verhalten - für unser aller Wohl."

Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, ruft er dazu auf, wann immer möglich, zu Hause zu bleiben, und Besorgungen auf das Nötigste zu reduzieren. "Schütteln Sie keine Hände. Halten Sie Abstand, wenn Sie sich begegnen - man kann einen Plausch auch mit zwei Metern Abstand halten. Halten Sie bitte auch beim Einkaufen in der Warteschlange einen Abstand zu den anderen Kunden."

Und natürlich gelten die Hygieneempfehlungen: häufiges, intensives Händewaschen mit Seife, Husten und Niesen in Einmaltaschentücher, die anschließend in den Restmüll entsorgt werden, wenn nicht anders möglich, in die Ellenbeuge, sich möglichst nicht ins Gesicht fassen.

Was kann man denn jetzt überhaupt noch machen?

Wandern und Spazierengehen - dafür bietet der Harz ja sehr viele Möglichkeiten. Auch Radfahren oder Joggen sind problemlos möglich, so der Bürgermeister. Aber eben einzeln oder mit der engsten Familie - nicht in Gruppen. Außerdem empfiehlt er: "Sich physisch von einander zu distanzieren, heißt ja nicht, keine Sozialkontakte mehr zu haben. Viren übertragen sich nicht durchs Telefon - rufen Sie mal wieder Ihre Bekannten, Verwandten und Nachbarn an." 

Wie wird es weitergehen?

Die Behörden erwarten, dass in den kommenden Tagen die Corona-Fallzahlen steil nach oben gehen werden, bevor die nun beschlossenen Maßnahmen ihre Wirkung überhaupt zeigen können. Das liegt daran, dass die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, im Durchschnitt fünf bis sechs Tage dauert. (Sie kann bis zu 14 Tage dauern).  Bestenfalls wird sich die Kurve, die den Anstieg der bestätigten Fälle zeigt, also nach einiger Zeit abflachen, weil die Maßnahmen greifen.

Was ist der Plan hinter den Maßnahmen?

Der Sinn des Ganzen ist, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Denn: zwar verläuft die Infektion bei den meisten eher harmlos und äußerst sich wie eine normale Erkältungskrankheit. Doch bei etwa jedem fünften Fall ist der Verlauf schwer und bedarf ärztlicher Behandlung; insbesondere ist bei etwa 9% der Infizierten eine intensivmedizinische Behandlung nötig. Es wird also in Kürze ein großer Bedarf an Intensivbetten in den Krankenhäusern bestehen, die aber nur in begrenzter Zahl zur Verfügung stehen. Häufig müssen diejenigen über einen längeren Zeitraum mit Sauerstoff versorgt beziehungsweise künstlich beatmet werden. Je besser die medizinische Versorgung, desto geringer die Sterberate der Infizierten. Daher gilt es nun vor allem, Zeit zu gewinnen, damit nicht zu viele schwere Krankheitsfälle auf einmal auftreten, die dann nicht mehr optimal versorgt werden können. Gleichzeitig werden die Krankenhausbetten und die intensivmedizinischen Kapazitäten so schnell wie möglich ausgebaut. "Da weder eine Impfung in den nächsten Monaten noch eine spezifische Therapie derzeit zur Verfügung stehen, müssen alle Maßnahmen darauf ausgerichtet sein, die Verbreitung der Erkrankung in Deutschland und weltweit so gut wie möglich zu verlangsamen, die Erkrankungswelle auf einen längeren Zeitraum zu strecken und damit auch die Belastung am Gipfel leichter bewältigbar zu machen", so das Robert-Koch-Institut.


.................................................................................................................................................

Bild der Woche