Geschrieben von PM Polizeiinspektion Göttingen am 28. April 2020
Historischer Tiefststand der Straftaten
Polizeiliche Kriminalstatistik für den Altkreis wurde vorgestellt
Die Polizeikommissariate (PK) Osterode am Harz und Bad Lauterberg stellten gemeinsam die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2019 für den Altkreis Osterode vor. Seit der Anpassung der polizeilichen Strukturen in Südniedersachsen zum 1. Januar 2019 gehört das Gebiet des ehemaligen Landkreises Osterode zum Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Göttingen. Die Zuständigkeit im Altkreis Osterode hat sich dadurch nicht verändert. Das PK Osterode mit seinen nachgeordneten Stationen in Bad Grund, Hattorf und Herzberg sowie das PK Bad Lauterberg mit den beiden Stationen in Bad Sachsa und Walkenried gewährleisten wie bisher die Sicherheit der rund 72.000 Bürgerinnen und Bürger.
Folgende Kernaussagen zur Kriminalitätsentwicklung im Altkreis lassen sich aus der PKS 2019 ableiten:
- Die Anzahl der Straftaten ist erneut im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Damit ist ein historischer Tiefststand von 3336 registrierten Straftaten erreicht worden.
- Gleichzeitig konnte der Aufklärungserfolg der vergangenen Jahre fortgesetzt werden. Mit 69,5% liegt die Aufklärungsquote deutlich über dem Landeschnitt von 63,4% und über dem langjährigen Mittelwert des Altkreises.
- Der deutlichste und damit erfreulichste Kriminalitätsrückgang war beim Wohnungseinbruch zu verzeichnen: 30 Taten weniger entspricht einem Minus von 40%. Zum Vergleich: Der landesweite Rückgang liegt bei 15%.
- Die Gewaltkriminalität ist um über 20% zurückgegangen. Gleichzeitig sind die Fälle von Gewalt im häuslichen Bereich um mehr als ein Drittel gestiegen.
- Die Anzahl der zu bearbeitenden Betrugsdelikte steigt. Delikte zum Nachteil älterer Menschen stehen dabei in einem besonderen Fokus.
- Im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität sind Verstöße mit Cannabis für steigende Fallzahlen verantwortlich.
Gesamtstraftaten
Nachdem bereits 2018 die Anzahl der Straftaten im Altkreis Osterode um 3,5% auf einen Tiefstand zurückgegangen war, konnte im vergangenen Jahr die Kriminalität um weitere 10% gesenkt werden. Mit insgesamt 3336 registrierten Fällen ist ein als historisch zu bezeichnender Tiefststand bei der Kriminalitätsbelastung erreicht worden. Dabei ist der Rückgang im Bereich des PK Osterode mit 16,5% (414 Taten) am deutlichsten ausgefallen.
Heiko Fette, Leiter des PK Osterode am Harz, und Guido Schwarze, Leiter des PK Bad Lauterberg, sprechen von einer sehr erfreulichen Entwicklung der Kriminalität im Altkreis: „Es war in keinster Weise zu erwarten, dass es nach den Rückgängen der Vorjahre in 2019 gelingt, die Gesamtzahl der Straftaten noch einmal so deutlich, nämlich um mehr als zehn Prozent, zu senken. Überaus erfreulich ist, dass diese Entwicklung in noch stärkerem Maß auf die Wohnungseinbruchskriminalität zutrifft. Im Zuständigkeitsbereich des PK Osterode konnten diese Taten binnen eines Jahres sogar mehr als halbiert werden.“
Aufklärungsquote
Trotz des deutlichen Fallzahlenrückgangs konnte die Aufklärungsquote auf dem seit Jahren überdurchschnittlich hohen Niveau gehalten werden. Mit 69,5% liegt die Aufklärungsquote über dem Landesdurchschnitt von 63,4%, über dem Wert der Polizeidirektion Göttingen von 63,9% und auch über der im Landkreis Göttingen erreichten Aufklärungsquote von 61,5%.
Das PK Bad Lauterberg konnte seinen Aufklärungserfolg gar um fast fünf Prozentpunkte auf 69,3% steigern. „Diese Ergebnisse sind für sich genommen bereits ein deutliches Anzeichen dafür, wie sicher die Bürgerinnen und Bürger im Altkreis Osterode leben“, so Osterodes Polizeichef Heiko Fette. „Für eine detailliertere Bewertung der Sicherheitslage muss jedoch ein Blick auf die einzelnen Felder der Kriminalitätsbekämpfung geworfen werden.“
Deliktsstruktur
Allgemein ist festzustellen, dass sich im Altkreis Osterode die Kriminalitätsstruktur in zwei Bereichen deutlich zu verändern scheint. Machten vor 10 Jahren die Diebstahlsdelikte noch fast ein Drittel aller Straftaten aus, so waren dies im vergangenen Jahr nur noch etwas mehr als ein Fünftel. Im Gegensatz dazu ist der Anteil der Vermögens- und Fälschungsdelikte (insbesondere Betrugsdelikte) von 21% auf 27% gestiegen.
Rohheitsdelikte und Gewaltkriminalität
Rohheitsdelikte, zu denen insbesondere Raub- und Körperverletzungsdelikte zählen, sind im Altkreis um rund 12% auf 564 Fälle zurückgegangen. Hierzu hat maßgeblich der Rückgang von Körperverletzungen im Zuständigkeitsbereich des PK Osterode um 81 Taten beigetragen.
In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass parallel dazu auch die Straßenkriminalität um 15% (das entspricht 78 Taten) zurückgegangen ist. Das bedeutet, dass sich Straftaten immer seltener auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen ereignen.
Die Gewaltkriminalität ist sogar um über 20% zurückgegangen. „Gerade in diesen für das Sicherheitsempfinden der Bürgerinnen und Bürger so wichtigen Deliktsfeldern lassen sich überaus positive Trends feststellen. Das ist ein starker Indikator für die hervorragende Sicherheitslage in unserer Region.“, verdeutlicht Heiko Fette.
Häusliche Gewalt
Ein gegenläufiger Trend ist bei Gewaltdelikten im häuslichen Bereich festzustellen. Hier sind die Fallzahlen um mehr als ein Drittel auf insgesamt 140 Taten gestiegen. Diese Entwicklung ist nahezu flächendeckend im gesamten Altkreis festzustellen. Opfer waren dabei in nahezu 80% der Fälle Frauen. Und in nahezu allen Fällen handelte es sich um Körperverletzungsdelikte. Glücklicherweise sind im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt keine Tötungs- oder Sexualdelikte bekannt geworden.
Vorrangige Ziele des polizeilichen Einschreitens sind neben der Strafverfolgung die Abwehr konkreter Gefahren und der Schutz des Opfers. Das Gewaltschutzgesetz und das neue Niedersächsische Polizei- und Ordnungsbehördengesetz (NPOG) geben der Polizei wirksame Befugnisse an die Hand, um Tätern die Grenzen und Konsequenzen ihres Handelns aufzuzeigen.
„An die Opfer häuslicher Gewalt kann ich nur appellieren, sich frühzeitig, bereits beim ersten Vorfall an die Polizei zu wenden. Mit wirksamen Maßnahmen, die wir gemeinsam mit unseren Netzwerkpartnern ergreifen, gelingt es uns regelmäßig, die Spirale der Gewalt rechtzeitig und nachhaltig zu beenden“, so Bad Lauterbergs Polizeichef Guido Schwarze.
Wohnungseinbruchsdiebstähle
Einen der gravierendsten Eingriffe in die Privatsphäre stellt unbestritten der Wohnungseinbruch dar. Nach einem über zehn Jahre andauernden Anstieg der Fallzahlen in diesem Deliktsbereich ist vor drei Jahren eine Trendwende gelungen. Im Rahmen der landesweiten Schwerpunktsetzung sind in Südniedersachsen spezielle Kontrolleinheiten eingerichtet, das Präventionsangebot und technische Beratungen deutlich erweitert und die Kontrollintensität im täglichen Dienst intensiviert worden.
Im vergangenen Jahr haben die gemeinsamen Anstrengungen dazu geführt, dass die Fallzahlen um über 40% von 70 auf 41 Wohnungseinbrüche zurückgegangen sind – so stark wie nie zuvor. In über 40% dieser Fälle ist es beim Versuch geblieben, sodass es 2019 bei lediglich 24 Einbrüchen überhaupt zu einem Diebstahl aus einem Wohnraum gekommen ist.
„Das ist ein enormer Erfolg. Ich bin überzeugt davon, dass diese Entwicklung auch zu einem Großteil auf das Verhalten der Bürgerinnen und Bürger zurückzuführen ist“, stellt der Leiter des PK Osterode, Heiko Fette, fest. „Häuser und Wohnungen werden zunehmend besser gesichert. Und durch die Sensibilisierung der Bevölkerung sind Anwohner aufmerksamer für verdächtiges Verhalten in ihrer Umgebung. Trotz der aktuellen Herausforderungen und der hervorragenden Zahlen werden wir hier auch weiterhin einen Schwerpunkt unserer Arbeit setzen. Denn: Jeder vollendete Einbruch ist ein Einbruch zu viel. Wir werden die Kontrollintensität beibehalten. Und noch in diesem Jahr, sobald sich das öffentliche Leben wieder normalisiert hat, werden wir im PK Osterode eine Beratungsstelle für technische Sicherungsmöglichkeiten von Wohnungen und Wohngebäuden eröffnen.“, kündigt der Dienststellenleiter an.
Straftaten zum Nachteil älterer Menschen
Im Schatten vieler positiver Entwicklungen des Kriminalitätsgeschehen existieren auch Phänomene, die die Polizei mit hoher Aufmerksamkeit betrachtet. Im Altkreis Osterode waren leider auch im vergangenen Jahr wieder ältere Menschen auffallend häufig von bestimmten Straftaten betroffen. Die Opfer werden durch geschickte Täuschungen der Täter an der Haustür oder am Telefon Opfer von Diebstählen und vor allem von Betrugsdelikten. Vorherrschende „Maschen“ der Täter sind falsche Gewinnversprechen, der sogenannte „Enkeltrick“ und der „Falsche Polizist oder Wasserwerker“. Eine exakte statistische Auswertung dieser Fälle ist derzeit nicht möglich. Dennoch sind im Altkreis Osterode ungefähr 50 derartige Taten bekannt geworden. Glücklicherweise bleiben viele Taten im Versuchsstadium. Dank umfangreicher Präventionsmaßnahmen und der Kooperationen mit den Geldinstituten kommt es selten zur tatsächlichen Geldübergabe. Wenn doch, dann entstanden häufig Vermögensschäden von mehreren Tausend Euro.
„Die Täter agieren überwiegend aus dem Ausland heraus. Sie sind zumeist hoch organisiert, gezielt geschult, redegewandt und verfügen über eine hohe Überzeugungskraft“, erläutert der Leiter des PK Bad Lauterberg, Guido Schwarze. "Wir werden bei diesem Phänomen unsere Präventionsmaßnahmen verstärken und die Zusammenarbeit mit den örtlichen Banken intensivieren." Dass dies ein erfolgversprechender Weg ist, hat erst kürzlich ein Fall aus Schwiegershausen (Stadt Osterode) gezeigt, wo es dem besonnenen Verhalten eines Bankmitarbeiters zu verdanken war, dass eine ältere Kundin nicht ihr Erspartes an einen Betrüger verloren hat.
Osterodes Polizeichef ergänzt: „Gerade deshalb gilt es, weiterhin intensive Aufklärungsarbeit zu leisten, um unsere älteren Bürgerinnen und Bürger vor Vermögensschäden zu bewahren.
Betäubungsmittelkriminalität
Entgegen des positiven Gesamttrends der Kriminalitätsentwicklung sind die Fälle von Betäubungsmittelkriminalität um fast 10% auf 268 Verstöße gestiegen. Während „harte“ Drogen wie Heroin oder Kokain im Altkreis Osterode eine untergeordnete Rolle spielen (23 Fälle), sind allein die Verstöße im Zusammenhang mit Cannabis-Produkten für den Fallzahlenanstieg verantwortlich. Der Besitz von und der Handel mit Cannabis-Produkten machen übrigens in der gesamten Polizeiinspektion Göttingen den Großteil der Drogendelikte aus. Im Altkreis Osterode sind dies 64,5% bzw. 158 Taten.
Eine wesentliche Ursache dafür liegt in der hohen Verfügbarkeit der Droge, die durch Beschaffungswege über das Internet begünstigt wird. „Die Entwicklung ist durchaus bedenklich, da Cannabis heute kaum noch etwas mit den sog. „weichen Drogen“ früherer Jahre zu tun hat. Sein Wirkstoffgehalt (THC) hat sich in den letzten Jahren teilweise fast verzehnfacht. Die negativen Folgen für Körper und Psyche sind unabsehbar. Die Beeinträchtigung von Leistungen in Schule, Ausbildung, Berufsleben und der Verkehrstauglichkeit sind nur einige der sichtbaren konsumbedingten Folgen.“
Kinder- und Jugendkriminalität
Der Anteil der minderjährigen Tatverdächtigen am Kriminalitätsgeschehen ist auch 2019 weiter zurückgegangen. Im Bereich des PK Osterode lag dieser bei 9,2% (112 Taten) und im Bereich des PK Bad Lauterberg bei 4,7% (40 Taten). Die Deliktsbereiche mit einer nennenswerten Anzahl von minderjährigen Tatverdächtigen sind Verstöße mit Cannabis-Produkten, leichte Körperverletzungen, Internetkriminalität und Ladendiebstähle.
Allgemeines zum Abschluss
Gewaltdelikte gegen Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte spielen mit 16 Fällen (7 PK Osterode, 9 PK Bad Lauterberg) im Altkreis Osterode keine nennenswerte Rolle. Die Widerstandshandlungen führten bei keinem der betroffenen Beamten zu körperlichen Beeinträchtigungen.
Im Bereich der Internetkriminalität sind im Altkreis Osterode keine signifikanten Fallzahlensteigerungen festzustellen. Die Digitalisierung führt jedoch dazu, dass die Polizei immer häufiger mit digitalen Tatorten und insbesondere mit digitalen Tatmitteln zu tun hat. Die Sicherung und Analyse digitaler Spuren spielt daher im polizeilichen Alltag eine immer größere Rolle, die sich im zunehmenden Technikeinsatz und in einem steigenden Qualifizierungs- und Arbeitsaufwand niederschlagen.

