Geschrieben von Peter Bischof am 29. April 2020
Gäste der Hotels und Kliniken fehlen
Fußgängerzone Bad Lauterberg trotz geöffneter Geschäfte noch relativ leer








Die Hotels stehen leer, die Rehakliniken auch. Es gibt zwar wieder Leben in der Bad Lauterberger Fußgängerzone, aber es ist kein Vergleich zu dem Andrang, der zu normalen Zeiten sonst dort herrscht.
„Das, was Bad Lauterberg sonst auszeichnet, das Zusammenspiel von Hotellerie, Kliniken, Tourismus und Tagesgästen, ist zurzeit nicht vorhanden“, so Carsten Kröger, Inhaber des Modehauses Rudolphi und Vorsitzender des Bad Lauterberger Vereins für Handel und Gewerbe.
Zwar hätten seit letztem Montag fast alle Läden in der Bad Lauterberger Fußgängerzone wieder geöffnet, aber es kämen nur die Kunden, die gezielt etwas kaufen wollten. Es kämen nur die Menschen aus dem Kerneinzugsbereich der Stadt. „Doch die Patienten und Besucher aus den Kliniken, die Gäste aus den Hotels und die Kunden, die aus einem großen Umkreis zum Einkaufen zu uns kommen, die fehlen jetzt natürlich. Eine längere Aufenthaltsdauer wie zu normalen Zeiten fehlt natürlich auch, weil es keine gastronomischen Angebote geben darf - außer dem Eis, das man dann in großem Abstand vom Verkaufsort essen kann.“
Aus einem drei Häuser gemacht
„Wir haben unser großes Kaufhaus zurzeit in drei Einzelgebäude aufgeteilt“, erklärt Carsten Kröger. „So kommen wir pro Eingang auf je 800 Quadratmeter Einkaufsfläche. Wir kontrollieren zudem, wie viele Kunden gleichzeitig im Geschäft sind. Es sollen nicht mehr als 80 sein.“ In der Praxis sei diese Zahl allerdings nicht zu erreichen.
Auch wenn das nicht Pflicht sei, so Carsten Kröger weiter, tragen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Gesichtsmaske. Für Kunden würden Masken bereitgehalten , sofern diese keine dabei hätten. Zudem seien überall Desinfektions-Stationen für die Hände aufgestellt.
"Es sei eine schwere Zeit für alle. Gerade April und Mai gehörten mit den Feiertagen im Normalfall zu den stärksten Umsatzmonaten", weiß Carsten Kröger. Er könne nur hoffen, dass alle Geschäfte diese wirtschaftlichen Einbrüche überlebten.
In Haus und Garten wird gewerkelt
Das hofft auch Klaus Schwickert vom Fachgeschäft Schwickert. Das Kaufhaus ist aufgeteilt in den Werkmarkt und die Glas, Porzellan und Hausratabteilung.
Während in letzterer das Kundenaufkommen eher ruhig ist, sei die Nachfrage im Werkmarkt zufriedenstellend, so Klaus Schwickert. Die Menschen hätten für Haus und Garten gerade viel Zeit, deshalb sei der Heimwerkerbedarf gefragt. Auch Handwerker und handwerkliche Dienstleister deckten sich ein, da deren Auftragsbücher meist voll seien.
„Dennoch sei die Stimmung insgesamt gedrückt", so Klaus Schwickert. Wenn man die Fußgängerzone hochschaue, gleiche Bad Lauterberg zur Zeit eher einer Geisterstadt.
Lieferungen gegen Vertrauen
„Wir mussten in den letzten Wochen nie komplett schließen", berichtet Susanne Kinne von der Buchhandlung Moller - Die Buchwichtel, „da wir auch Tageszeitungen und Zeitschriften verkaufen." Allerdings sei die Stadt leer gewesen, so dass die Nachfrage hier nur spärlich gewesen sei.
In dieser Zeit habe man den Lieferservice entwickelt und ausgebaut. „Wir liefern zu den Menschen im großen Umkreis - von Clausthal-Zellerfeld bis Duderstadt - zu den Menschen ans Haus. Wir stellen die Lieferung vor die Tür, inklusive Rechnung, die dann überwiesen werden soll. Unser Vertrauen wurde bisher noch nie enttäuscht. Die Zahlungsmoral ist toll."
So habe man sich einigermaßen gut durch die Krise gerettet, wobei man auch von einer Schwäche von Amazon profitiert habe, da der Internetriese plötzlich nicht mehr kurzfristig liefern konnte.
Besonders gut sei auch eine Geschenkidee angenommen worden. Man habe zum Beispiel für den Geburtstag der Großmutter oder den des Enkelkindes Bücher mit Glückwunschkarte ins Haus geliefert. Zeilen wie „Liebe Oma, alles Gute zum Geburtstag. Dein Enkel“ seien im Zeichen der Kontaktsperre rührend angekommen.
„Den Lieferservice wollen wir grundsätzlich weiter betreiben“, so Susanne Kinne, „da er sich sehr bewährt hat.“ Dennoch wünscht auch sie sich angesichts der doch relativ leeren Fußgängerzone bald wieder eine Rückkehr zu normalen Bedingungen.
Es gibt jetzt den Toilettenpapierkuchen
„Unser Café bleibt weiterhin geschlossen“, sagt Conny Mangold von der Konditorei Mangold. „Aber die handwerkliche Produktion läuft weiter und damit auch der Verkauf von Brot, Brötchen, Gebäck, Torten, Kuchen und Eis.“ Auch das erfolgreiche Oster-Onlinegeschäft und die telefonische Bestellung würden weiter fortgesetzt. „Mit neuen Ideen wie dem Toilettenpapierkuchen, der Schluckimpfung-Trüffel und einer ,Wir-sagen-Danke’-Schokolade haben wir unser Angebot erweitert.“
„Die Mitarbeiter sowie die Kunden akzeptieren die Hygienestandarts wie zum Beispiel die Abstandsregelung und setzen sie wunderbar um“, so die Konditorin.
„Wir freuen uns über unsere Lauterberger Kundschaft, die unsere handwerkliche Backtradition so wertschätzt und somit unseren Mitarbeitern und uns in eine positve Zukunft blicken lässt.“ Diese Solidarität sei in der gesamten Einkaufsstraße zu spüren.
Ärgerlich ist der Blick nach Thüringen
„Corona traf uns – wenn auch nicht ganz unvorbereitet – doch mit einer Massivität, mit der keiner so gerechnet hatte“, blickt Erik Cziesla von der Klinik Muschinsky auf die letzten Wochen zurück. „Im ersten Abschnitt wurde unser Hotel geschlossen. Die Gäste mussten die Heimreise antreten und bereits einen Tag nach Inkrafttreten des Erlasses wurde dies durch die Polizei überprüft.“
Zeitgleich sei der Schulbetrieb an den Muschinsky-Schulen eingestellt worden. Hier habe man rund fünfzig junge Leute in der Ausbildung gehabt. „Es ist mir ein Rätsel, wie dieser Stoff, der verlorengegangen ist, bei den bevorstehenden Examen im August/September noch aufgearbeitet werden soll“, so Erik Cziesla.
„Im weiteren Verlauf wurde dann der Betrieb unserer Tagespflege eingestellt, so dass die zwanzig Tagesgäste nicht mehr versorgt werden durften. Nachdem dann auch die ersten Mitarbeiter aus unserem MVZ in Quarantäne geschickt wurden, dachte ich eigentlich, der Höhepunkt ist erreicht, was leider jedoch nicht der Fall war. In unserem Klinikbetrieb durften wir die akut-stationären Betten nicht mehr belegen.“
Weil die umliegenden Krankenhäuser die Operationen so gut wie eingestellt hatten, seien auch die Anschlussheilbehandlungen entsprechend eingebrochen. „Am 25. März mussten wir auch Kraft Gesetzes alle Reha-Patienten aus unserem Haus entlassen, die wir bis heute nicht wieder aufnehmen dürfen.“
Erstaunlich sei, so Erik Cziesla, dass das in Thüringen anders gehandhabt werde und ein Großteil der Patienten, die Muschinsky nicht aufnehmen durfte, dorthin abgewandert seien. Sämtliche Behandlungsformen von IRENA bis T-Rena über ambulante Tagespatienten wurden ebenfalls zwischenzeitlich eingestellt.
„So ist aus einer Klinik mit einer sehr guten Belegung innerhalb kürzester Zeit ein fast leerstehendes Haus geworden. Uns bleibt letztendlich nunmehr abzuwarten, wie der Gesetzgeber In Kürze entscheidet, damit wir versuchen können, die einzelnen Betriebszweige nach und nach wieder anlaufen zu lassen“, blickt Erik Cziesla voraus.
Keine Lobby für Kosmetikstudios
„Wir sind zu wenige, wir haben keine Lobby“, ist Wencke Schwickert-Marquart vom gleichnamigen Kosmetikstudio genervt. Während Friseure in Kürze wieder öffnen dürfen, gibt es für ihre Branche keinerlei positive Signale.
Dabei habe sie ihr Kosmetikstudio inzwischen völlig sicher umgebaut, mit Schutzschilden und Desinfektionsstationen. „Es darf auch nur ein Kunde gleichzeitig im Geschäft sein. Und der Kontakt zum Kunden wird mit Schutzschild zusätzlich abgesichert.“ Sie habe sich inzwischen sogar bis ans Bundesgesundheitsministerium gewandt, doch auch dort nichts erreicht.
Für Hoteliers noch kein Hoffnungsstreifen
Auch auf neue Direktiven hofft Andrea Riemann vom Hotel Riemann. Hotel und Restaurant sind komplett geschlossen. Die angesprochene Hoffnung sei aber mehr eine persönliche Sache, so die Hotelbetreiberin. Denn noch gebe es keinerlei Signale seitens der Landesregierung, ob, wann und wenn, unter welchen Bedingungen, die Gastronomie und die Beherbergungsbetriebe wieder öffnen dürfen.
Sie würde sich freuen, wenn es in nicht allzugroßer Ferne wieder weitergehe. Denn ihre Hotelgäste gehören auch zu denjenigen, die die Geschäfte in der Innenstadt besuchen und für Umsätze sorgen.