Geschrieben von Karl-Heinz Wolter am 28. August 2020
Die Situation der Fahrschulen in der Corona-Krise
Ein Statement des Kreisvorsitzenden des Fahrlehrerverbandes
1. aktuelle Situation
- Wie alle haben auch die Fahrschulen aktuell mit Corona zu kämpfen und haben während des Shutdowns auch einiges an Verlusten finanzieller Art, aber besonders auch zeitlich gehabt, was mittlerweile das größere Problem darstellt
- Die Fahrschulen haben durch die Corona-Verordnungen ebenfalls Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, sodass beispielsweise in den Unterrichtsräumen 1,5 m Abstand zu halten ist und dadurch erheblich weniger Schüler am theoretischen Unterricht teilnehmen können. Dies verlangsamt natürlich die theoretische Ausbildung der/des Einzelnen.
- Täglich fallen auch mehrere Fahrstunden weg, da die Fahrzeuge nach jeder Fahrstunde gereinigt und gelüftet werden müssen. Schüler dürfen nur noch nacheinander fahren und z.B. nicht bei einem fortgeschrittenen Schüler mitfahren und sich dort etwas "abgucken".
- Während des Corona-Shutdowns sind pro Fahrlehrer circa 500 Fahrstunden ausgefallen, die jetzt natürlich kaum aufzuholen sind, da Arbeitszeitregeln die tägliche Ausbildungszeit auch einschränken und wir nicht "rund um die Uhr" fahren dürfen. Die Kollegen/innen arbeiten bereits jetzt schon von morgens bis nachts durch, um die anfallenden Stunden irgendwie abzuarbeiten, jedoch ist auch hier eine zeitliche sowie körperliche Grenze erreicht, die auf Dauer ja niemandem gut tut.
- Fehlende Prüfungen erschweren das "schnelle" Abschließen der Ausbildung ebenfalls, da auch der TÜV mit seinen Kapazitäten voll ausgelastet ist und auch dort nicht mehr möglich ist.
2. Fachkräftemangel
- Wie mittlerweile überall herrscht in der Fahrlehrerschaft auch ein großer Bedarf an Fahrlehrer/innen. Viele Kollegen/innen haben auch bereits vor Corona schon am Limit gearbeitet, finden aber leider keine Fahrlehrer/innen, die bei der wichtigen und hochwertigen Ausbildung der zukünftigen Verkehrsteilnehmer unterstützen könnten.
- In den Fahrlehrerschulen wird zwar kräftig ausgebildet, jedoch ist am Markt davon nicht viel zu merken, da einige sich unter diesem Job etwas anderes vorgestellt haben, als nur "daneben sitzen".
- Dieser Job kann zum Traumberuf werden, denn junge Menschen auszubilden, einen Dienstwagen, Diensthandy, freie Zeiteinteilung, abwechslungsreiche Tage sind nur einige der Annehmlichkeiten dieses Berufes.
3. Zukunft
- Die nächsten Jahre werden noch einiges neues mit sich bringen. Ab 2021 soll u.a. die neue Automatikregel greifen.
- Eine Verlängerung der praktischen Prüfungszeit wird jedoch auch kommen und dem einen oder anderen sicherlich noch etwas mehr abverlangen, gerade weil die Verkehrssituation in den letzten Jahren stetig zugenommen hat und der Verkehr bzw. die Teilnehmer immer aggressiver werden. Beleidigungen oder sogar die Androhung von körperlicher Gewalt ist keine Seltenheit mehr, wobei wir doch alle mal angefangen haben.
4. Zusammen zum Erfolg
- Oft ist zu hören, dass die Fahrschule schuld ist und es an ihr liegt, wenn es nicht weiter geht. Jedoch fehlen mitunter wichtige Unterlagen, die der/die Schüler/in noch nicht abgegeben hat oder man noch nicht ausreichend in seiner LernApp gearbeitet hat. Es ist immer ratsam, das persönliche Gespräch zu suchen, um ggf. Unstimmigkeiten miteinander zu beheben.
