Geschrieben von Svenja Friedrich am 31. Oktober 2020
Von Kelten und Kürbissen
Die Ursprünge eines immer beliebteren Brauchs
Halloween und die mit diesem Tag verbundenen Bräuche gewinnen seit geraumer Zeit überall auf der Welt an Popularität. Sein Name, abgeleitet von „All Hallows‘ Eve“, also der Nacht vor Allerheiligen, bezeichnet den 31. Oktober bzw. dessen Abend.
Seine Ursprünge hat dieses Fest zum Teil im Keltentum, wo es als „Samhain“ bekannt war. Von einem heidnischen Festtag, der die Durchlässigkeit zwischen den Welten markierte, entwickelte es sich über die Jahrhunderte zu einem bunten, mehr oder weniger gruseligen und kommerziell höchst erfolgreichen Tag. Die irischen Einwanderer, die im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ihr Glück in Amerika suchten, brachten die Bräuche dorthin mit und sorgten so dafür, dass der Halloween-Hype zunächst maßgeblich in den USA stattfand. In Deutschland war kurioserweise der Zweite Golfkrieg an der Ausbreitung beteiligt: 1991 wurde die Karnevalssaison im Frühjahr nahezu komplett abgesagt, weswegen findige Geschäftsleute einige Monate später für Halloween warben und so gewissermaßen den Karneval in den Herbst verlegen konnten.
Freudenfeuer und wandernde Seelen
Das ursprüngliche Fest, auf dem Halloween beruht, wurde von den Kelten im heutigen Irland gefeiert. Samhain war eines der vier wichtigen Feste im keltischen Jahreslauf – neben Imbolc am 1. Februar, Beltane am 1. Mai und Lughnasadh am 1. August. An all diesen Tagen war es für Menschen möglich, mit den Wesen der sogenannten Anderswelt in Kontakt zu treten, da dann die Verbindung zwischen den Welten durchlässiger war als im Rest des Jahres. Der Schleier zwischen sterblichen Menschen und mystischen Wesen wurde gelüftet. Daraus entwickelte sich später auch der Glaube, dass der Kontakt zwischen Lebenden und Toten in der Nacht zwischen dem 31. Oktober und dem 1. November möglich war und dass die Seelen der Verstorbenen an diesem Datum in ihre ehemaligen Häuser heimkehren.
Außerdem fanden seit grauer Vorzeit an diesem Tag große Versammlungen statt, zu denen alle jungen Männer erscheinen mussten, wollten sie nicht die Todesstrafe riskieren. Bei diesen Treffen wurden Samhain-Feuer entzündet, von denen sich die einzelnen Familien dann ihr Herdfeuer mit nach Hause nehmen konnten. Darauf beruht die Tradition, ein Freudenfeuer an Halloween zu entzünden.

Kommerz und Süßkram
Die heutigen Halloweenfeiern, sowohl im Ausland als auch hier bei uns, gehen mit Bräuchen einher, die sich über die letzten Jahrzehnte eingebürgert haben. So sind Verkleidungen sehr beliebt (bei Kindern und auch Erwachsenen), die oft einen leicht morbiden Charakter haben, etwa Geister, Zombies, Mumien, Skelette, Hexen, Vampire und dergleichen. Aber auch andere, völlig harmlose Kostüme stehen hoch im Kurs. Eine ganze Industrie hat sich auf Halloween spezialisiert und bietet Kleidung, Dekoration für drinnen und draußen und Süßigkeiten an. Allein für Haustierkostüme wurden in den letzten Jahren beinahe 500 Millionen Dollar (!) ausgegeben.
Vor allem Kinder und Jugendliche ziehen nach Einbruch der Dunkelheit durch die Straßen, klingeln an den Türen ihrer Nachbarschaft und fordern „Süßes, sonst gibt’s Saures!“ (im Englischen „trick or treat“). Wer dieser Forderung nicht nachkommt, hat zum Teil mit den Konsequenzen in Form von beschmierten Türklinken, Bergen aus Toilettenpapier im Vorgarten, Eierwürfen und Ähnlichem zu leben.
Gelegentlich wird auf diesen Touren auch ein „haunted house“, also ein Spukhaus, besucht. Das sind schaurig hergerichtete Häuser, die wohl am ehesten mit einer Geisterbahn vergleichbar sind, nur eben ohne eine Bahn. Alternativ dazu werden von fundamentalistisch-evangelikalen Gruppierungen in den USA gelegentlich „hell houses“ (Höllenhäuser) betrieben. Hier sollen speziell Kinder und Jugendliche mit Hilfe von angsteinflößenden Szenarien vor allem gewarnt werden, was die Betreiberkirchen verteufeln, beispielsweise Homosexualität oder Abtreibung. Passenderweise führt oft ein als Satan verkleideter Erwachsener durch diese Häuser.
Selbst der Teufel hat’s nicht immer leicht
Die Halloween-Dekoration schlechthin ist der Kürbis. In unterschiedlichsten Formen und Farben werden sie auch hierzulande auf Esstischen, rund um Hauseingänge und an vielen anderen Stellen platziert, um herbstliche Stimmung zu verbreiten. Die klassischste Form ist der sogenannte „Jack O’Lantern“, ein ausgehöhlter, meist orangener Kürbis, in den eine schauerliche Fratze geschnitzt ist, die anschließend von einer Kerze im Innern beleuchtet wird. Diese Tradition geht auf einen irischen Hufschmied namens Jack Oldfield zurück, der am Abend vor Allerheiligen in einer Kneipe eine Begegnung mit dem Teufel hatte, der ihn holen wollte. Jack schaffte es, dem Teufel noch einen letzten Drink aus dem Kreuz zu leiern, den dieser aber nicht bezahlen konnte, weil er kein Kleingeld zur Hand hatte. Daher verwandelte sich der Teufel selbst in eine Münze – er wurde aber so schnell von Jack in die Tasche gesteckt, dass er sich nicht zurückverwandeln konnte. Jack handelte mit dem Teufel aus, dass er ihn wieder freilassen würde, wenn er noch weitere zehn Jahre leben dürfte.
Auf den Tag genau zehn Jahre später kam der Teufel also wieder, um ihn zu holen, und wieder gelang es Jack mittels einer List, den Teufel zu fangen. Als Gegenleistung für die Freilassung bekam er diesmal das Versprechen, dass seine Seele für immer vom Teufel in Ruhe gelassen werden sollte. Als Jack schließlich starb, bat er im Himmel um Einlass. Der wurde ihm verwehrt, denn er war sein Leben lang kein Musterknabe gewesen. In die Hölle durfte er allerdings auch nicht, da der Teufel ja versprochen hatte, ihn in Ruhe zu lassen. So wurde er fortgeschickt – und weil der Teufel gar kein so schlechter Kerl war und Mitleid mit ihm bekam, schenkte er Jack noch eine glühende Kohle direkt aus dem Höllenfeuer. Jack steckte sie in eine ausgehöhlte Rübe, damit er seinen Weg ausleuchten konnte. Und seitdem kehrt seine unruhige, heimatlose Seele an Halloween in Form der „Jack O’Lanterns“ zurück. Aus den Rübenlaternen der britischen Inseln wurden in den USA Kürbislaternen, einfach weil Kürbisse dort weiter verbeitet waren.
Okkulte und weniger okkulte Spiele
Neben trick or treat gibt es zahlreiche andere Spiele, die zumindest in den englischsprachigen Ländern an diesem Abend beliebt sind, so etwa das „apple bobbing“ oder auch „apple ducking“. Dafür wird eine Wanne mit Wasser und Äpfeln gefüllt. Die Äpfel, die aufgrund ihrer geringeren Dichte an der Oberfläche treiben, sollen nun mit den Zähnen geschnappt und aus dem Wasser gehoben werden. Früher hieß es, dass junge Mädchen, die diesen so erbeuteten Apfel unter ihr Kopfkissen legen, anschließend von ihrem Zukünftigen träumen.
Andere Spiele gehen eher in Richtung Geisterbeschwörung und Wahrsagerei: Neugierig, was die Zukunft bringt? Dann suche man sich insgesamt 12 Mitspieler und lege nach Einbruch der Dunkelheit ein Häuflein Friedhofserde auf den Fußboden eines Zimmers. Die Mitspieler stecken nun einer nach dem anderen eine Kerze in diese Erde, während sie laut ihren Namen sagen. Dann werden die Kerzen entzündet und alle beobachten genau, wie sich die Flammen verhalten, denn die verraten, wie es um den jeweiligen Spieler steht. Unnötig zu erwähnen, dass eine sofort erlöschende Flamme nichts Gutes verheißt.
Wer mit einem geliebten Verstorbenen in Kontakt treten möchte, entzünde eine lila Kerze und Räucherwerk in einem dunklen Raum, streue einen Ring aus Salz darum und läute dreimal mit einer Glocke. Danach darf man ruhig und respektvoll seine Fragen an den Toten richten. Ob es eine Antwort gibt, entscheidet der natürlich selbst. Sollte allerdings jemand anderes als der gewünschte Adressat antworten, so wird empfohlen, die Kerze schnellstmöglich zu löschen und sich aus dem Staub zu machen…
Dieser Beitrag erschien auch in der HarzWind-Ausgabe Oktober 2020 (hier herunterladen).
