Geschrieben von ski am 15. Dezember 2020
Das Impfzentrum in Herzberg ist startklar
Fehlt nur noch der Impfstoff






Der Stolz und die Erleichterung war den Beteiligten anzusehen, als sie am 14.12.2020 das neue Impfzentrum in Herzberg der Presse präsentierten. Dort, in der Turnhalle der OBS Herzberg, befindet sich nun eines von zwei Impfzentren des Landkreises Göttingen. Zuständig für alle Bürger*innen des Altkreises plus die Bewohner von Duderstadt und Gieboldehausen, sollen dort künftig die Covid-19-Impfungen verabreicht werden, sobald sie zur Verfügung stehen. Von der offiziellen Anordnung des Landes bis zum fertigen Impfzentrum sind nur sieben Tage vergangen – darauf ist Landrat Bernhard Reuter stolz. Das war aber nur möglich, weil man sich schon vorher intensiv damit auseinandergesetzt und geplant hatte, wie Kreisrätin Marlies Dornieden betont.
Für den Standort in der Heidestraße, mitten in Herzberg, sprach dabei nicht nur, dass das Gebäude sofort zur Verfügung stand und problemlos barrierefrei eingerichtet werden konnte. Die Räumlichkeiten konnten so gestaltet werden, dass Ein- und Ausgang getrennt sind, also kein „Begegnungsverkehr“ stattfindet. Auch die gute Erreichbarkeit für die Bewohner des Einzugsgebietes mit Auto, Bus und Bahn ist ein Pluspunkt. Wer nicht den Weg vom Bahnhof zu Fuß gehen kann, wird einen Shuttle-Bus nutzen können, der alle 20 Minuten fahren soll, wie Dornieden erklärte. Was die Parkplätze betrifft, so sind zwar nicht direkt am Gebäude, aber doch in der Nähe ausreichend Parkmöglichkeiten vorhanden.
Der zweite Standort des Landkreises ist die Sporthalle der BBSII Göttingen, wo der andere Teil des Kreises geimpft werden soll. Die Stadt Göttingen hat wiederum ihr eigenes Impfzentrum. Die Zahl der Standorte wurde dabei vom Land Niedersachsen festgelegt, wie Reuter erklärte; im gesamten Land werden 60 Impfzentren eingerichtet.
Zunächst wird das Impfzentrum einen „Impfzug“ umfassen, d.h. eine/n Arzt/Ärztin und vier Impfplätze sowie zwei mobile Teams (bestehend aus einem Arzt, einer impfbefähigten medizinischen Fachkraft und einer Verwaltungskraft). Wenn das Impfzentrum in voller Auslastung arbeitet, kann es bis zu drei Impfzüge, also zwölf Impfplätze, aufnehmen, d.h. zwölf Personen können gleichzeitig geimpft werden. Daneben können bis zu vier mobile Teams daran arbeiten, die besonders gefährdeten, nicht mobilen Teile der Bevölkerung zu impfen. Und das sind nicht wenige: „Im Landkreis leben rund 3.600 Personen in 55 Heimen. Dazu kommen noch rund 5.000 Menschen, die von ambulanten Diensten gepflegt werden“, rechnet Reuter vor. Diese sollen gemäß den derzeitigen Richtlinien neben dem medizinischen Personal zuerst geimpft werden. „Um das vorzubereiten, wurden die Heime angeschrieben, um schon vorab zu klären, wer von den Bewohnern und vom Personal sich impfen lassen möchte“. Denn es soll vermieden werden, dass Heime mehrfach angefahren werden müssen.
Wer ins Impfzentrum kommen kann, sollte für die gesamte Prozedur etwa eine gute halbe Stunde einplanen. Bei der Anmeldung muss zunächst geprüft werden, ob der Termin vereinbart wurde, ein Bogen ausgefüllt werden, dann geht es zu einem Arztgespräch. Danach erfolgt die Impfung, und man verbringt noch 15 Minuten im Wartebereich als Beobachtungszeit, falls doch unerwartete Nebenwirkungen auftreten sollten. Danach verlässt man das Impfzentrum durch die Abmeldeschleuse. Pro Stunde und Impfzug können bis zu 20 Menschen geimpft werden.
Der Ablauf ist also schon geklärt – und wo eventuelle Staus entstehen könnten, ahnen die Verantwortlichen auch schon: für das Arztgespräch sind drei Minuten pro Person veranschlagt – „das ist schon sehr sportlich“, befand auch der stellvertretende Landrat, Chirurg Dr. Andreas Philippi, selbst Facharzt für Chirurgie. Alle Impfwilligen sind daher dazu angehalten, mögliche spezielle Fragen zu ihrer gesundheitlichen Situation vielleicht schon vorab mit dem Hausarzt zu klären. Philippi regte auch an, die Besucher des Impfzentrums vorab mit einem Informationsfilm aufzuklären, um grundlegende Fragen zu beantworten – ein Vorschlag, der bereits an das Land Niedersachsen weitergegeben wurde.
Was die unbeantworteten Fragen betrifft, davon gibt es immer noch viele, die die Verantwortlichen des Landkreises noch beschäftigen. So ist noch vollkommen unklar, wann und wieviel von welchem Impfstoff überhaupt in Herzberg eintreffen wird – und wer zur Impfung berechtigt ist. Sicher ist: einfach zum Impfzentrum gehen, ohne Termin, das wird nicht funktionieren. Die Vergabe soll über ein Softwaresystem laufen, doch Näheres weiß man derzeit auch beim Landkreis noch nicht. Auch die Öffnungszeiten des Impfzentrums sind noch nicht festgelegt „Die Frage, wann bin ich dran, wie kann ich mich anmelden, kann im Moment noch niemand beantworten“, so Reuter. „Wenn es nach uns geht, könnte wir morgen loslegen“. Das geht natürlich nicht ohne Personal – selbst mit nur einem Impfzug werden es über 20 Personen sein, die im Impfzentrum arbeiten, neben dem medizinischen Personal werden nämlich auch Verwaltungskräfte benötigt, die das Ganze organisieren, sowie Reinigungs- und Sicherheitspersonal – das Gebäude wird 24 Stunden täglich bewacht
Wenn die beiden Impfzentren des Landkreises mit voller Auslastung, also insgesamt sechs Impfzügen und acht mobilen Teams arbeiten werden, werden 115 Vollzeitstellen erforderlich sein. Derzeit läuft die Einstellung des Personals auf Hochtouren – der Landkreis konnte sich über mehrere Hundert Bewerbungen freuen. Sollte wider Erwarten der Impfstoff noch vor dem Jahreswechsel verfügbar sein, werde man zunächst auf die bewährten ehrenamtlichen Strukturen des Katastrophenschutzes im Landkreis aktivieren, um die Impfungen sicherzustellen: „Wir sind startklar“.
Doch: „Niemand weiß im Moment, wann und wieviel und welchen Impfstoff wir bekommen werden – davon hängt natürlich alles ab“, so Dornieden. Was der Landkreis vorbereiten kann, habe er jedenfalls getan, so der Tenor der Verantwortlichen. Die Kreisrätin lobte die tolle Teamleistung von allen Beteiligten, den Schulleitern, die die Hallen unkompliziert zur Verfügung stellten, den Handwerkern, Messebauern und Hausmeistern. Ihr großer Dank gilt auch den Hilfsorganisationen: „Wir können uns unglaublich auf sie verlassen, nur deswegen konnten wir das schaffen“.
Jetzt warten alle nur noch auf eines: den Impfstoff.