Geschrieben von Peter Bischof am 20. Dezember 2020
Die Figuren stehen im Vordergrund
Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz mit virtueller Andacht



„Wir sind von Gott geliebt und dürfen in seiner Liebe geborgen sein. Wo wir noch zögern, ist er schon unterwegs, um uns zu erreichen. Möge es Weihnachten werden bei Ihnen allen.“ Mit einer fesselnden virtuellen Andacht stimmte Volkmar Keil, Superintendent im Ruhestand, die Mitglieder des Rotary Clubs Bad Lauterberg-Südharz auf die Weihnachtstage ein.
Eigentlich sollte die Andacht im Hof des Herzberger Welfenschlosses gehalten werden, mit Abstand, beleuchtetem Weihnachtsbaum und einem Gläschen Glühwein im Anschluss. Aber aufgrund der neuen Pandemieregeln disponierte der Club kurzfristig um.
Volkmar Keil lud die Clubmitglieder in seiner Andacht zu einem virtuellen Besuch des Krippenmuseums Baunach im Bistum Würzburg ein, wo rund 150 Krippen aus der Zeit zwischen dem 18. und 21. Jahrhundert zu sehen sind. Die Krippen stammten, so Volkmar Keil, vom Würzburger Domkapitular und Kunstreferenten der Diözese, Jürgen Lenssen, der seine private Sammlung dem Museum gestiftet habe. Ausgestellt werden sie im sogenannten Karner, dem ehemaligen Beinhaus hinter dem Chor der Baunacher Pfarrkirche.
Bei den Krippendarstellungen stehen die Figuren im Vordergrund. Niemand solle, so hatte es auch Jürgen Lenssen betont, vom Krippenmuseum weihnachtliche Romantik und Stimmungsmache erwarten. So gibt es kaum Kulissendarstellungen, wie sie bei vielen Krippendarstellungen zu sehen sind.
Gezeigt werden solle aber eine Kultur, die sich ab dem 17. Jahrhundert entwickelte. Die Menschwerdung Jesu sei für jeden Menschen von großer Bedeutung. So verlegten Afrikaner zum Beispiel die Krippenszene nach Afrika, jeder Kulturraum und jede Zeit präge das Bild.
Volkmar Keil ging in seiner Andacht besonders auf vier Krippen ein. „Alle irgendwie auch ein bisschen anders und merkwürdig.“ Darunter eine Bootkrippe aus Portugal. „Maria hält das Kind und Josef hält liebevoll Maria mit seiner rechten Hand und in der anderen linken Hand hat er das Ruder, mit dem er das Boot steuert“, beschrieb Volkmar Keil die Szene.
Insbesondere verwies er auch auf eine Krippe, die ein Häftling des Konzentrationslagers Buchenwald gebastelt hatte. „Er nahm das, was ihm zur Verfügung stand. Bindfaden, Stoffreste und Holz. Man sieht auch, dass es deshalb schwierig war, Maria als Frau darzustellen.“ Es sei faszinierend, wie hier innerhalb eines Systems, das dem Menschen die Würde genommen habe, sich die Häftlinge auf das besonnen hätten, was den Menschen Würde gebe: die Menschwerdung Jesu.