Geschrieben von ski am 22. Mai 2021
Gesucht wird: eine große Lösung
Die SPD-Kreistagsfraktion informierte sich beim Förderkreis Königshütte über den Status quo und diskutierte die Zukunftsaussichten des Industriedenkmals







Die Königshütte ist ein herausragendes, ensemblegeschütztes Industriedenkmal in Bad Lauterberg. Das Problem: um die vielen Gebäude denkmalgerecht zu sanieren und zu erhalten, sind Millionenbeträge notwendig – und zwar nicht gerade im einstelligen Bereich. Wo sollen diese herkommen? Und selbst wenn man an solche Gelder käme, wie könnte eine künftige Nutzung überhaupt aussehen? Museum, Bildungseinrichtung oder etwas ganz anderes? Und dann gilt es noch, die Eigentümerfrage zu lösen...
Mitglieder der SPD-Kreistagsfraktion, Kulturdezernent Marcel Riethig, Bad Lauterbergs Bürgermeister Thomas Gans und der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Uwe Speit besuchten am Dienstag (18.05.2021) das Königshüttengelände. Der stellvertretende Vorsitzende des Förderkreises Christian Mühl und andere der engagierten Mitglieder des Vereins, der sich um den Erhalt des Industriedenkmals bemüht, informierten die Besucher*innen vor Ort über die Geschichte und den gegenwärtigen Zustand des Ensembles – und über die anstehenden Probleme.
Der Förderkreis Königshütte hat bereits Enormes geleistet, um das Industriedenkmal zu erhalten – derzeit steht natürlich vor allem die Sanierung des Scholmwehrs im Vordergrund, denn „Das Scholmwehr ist der Kern des Lebens dieser Hütte“, so erklärte Christian Mühl. Aber auch die Maschinenhalle bereitet dem Förderkreis Sorgen. Um diese auch nur wieder für Führungen begehbar zu machen, ist eine Standfestigkeits- und eine Dichtigkeitsprüfung nötig, wofür der Verein auf Fördermittel des Bundes hofft. Letztlich aber, da ist man sich in der Runde einig, ist ein dauerhafter Erhalt des Industriedenkmals, das als Ensemble geschützt ist, für den Verein alleine nicht zu stemmen. Denn es gilt ja auch die Gießereihalle, das Faktoreigebäude, das Eisenmagazin, die Formerei, die Hüttenschenke und die anderen Gebäude zu sanieren und zu erhalten.
Das ganze Ensemble denkmalgerecht zu sanieren – das ist etliche Nummern zu groß, nicht nur für einen Verein von Ehrenamtlichen: „Wir können das auch als Stadt zusammen mit dem Kreis nicht wuppen – ich weiß ja, was der Unterhalt kostet“, sagte Bürgermeister Dr. Thomas Gans. Er sieht das Land in der Pflicht: „Hier steht alles unter Denkmalschutz – wir müssen das Land mit ins Boot holen.“
Die Frage nach den Eigentumsverhältnissen - und der künftigen Nutzung
Auch Kulturdezernent Marcel Riethig befand: „Mit gelegentlichen Bundesmitteln und ehrenamtlichem Engagement des Förderkreises wird ein solches Denkmal nicht dauerhaft aufrechterhalten werden können“. Das Ensemble habe eine Bedeutung, die weit über den Kreis hinausgehe. Doch zunächst sei die Frage der Trägerschaft zu lösen. Denn derzeit befindet sich die Königshütte im Eigentum einer Privatperson. Um die Zukunft des Ensembles und eine künftige Nutzung dauerhaft zu sichern, müssen die Eigentumsverhältnisse geklärt sein. Eine Stiftung, ein Zweckverband, oder gleich Eigentum des Landes – diese Ansatzmöglichkeiten wurden von den Beteiligten angesprochen.
Andererseits: bevor man so etwas klären könne, müsse die Frage nach der künftigen Nutzung beantwortet werden. Und da, so die mehrheitliche Meinung, ist es nicht damit getan, eine Lösung nur für die Maschinenhalle oder nur für die Hüttenschenke zu finden. Letztlich müssen man ein Konzept finden, wie das ganze Gelände genutzt werden kann – ein großer Wurf, kein kleiner. Nur mit einem solchen Gesamtkonzept, das auch wirtschaftlich darstellbar sein müsse, könne man wiederum Landes- und Bundesmittel einwerben und ein solches Projekt umsetzen. Als Museum, als Bildungseinrichtung, zur Ausbildung von Filmhochschülern – ein langfristiges Sanierungs- und Nutzungskonzept ist gefragt. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Reinhard Dierkes erklärte: „Wir werden die Zukunft der Königshütte weiterhin positiv begleiten und auch unsere Abgeordneten im Landtag und Bundestag um ihre Unterstützung bitten. Ein großer Wurf geht nur gemeinsam und nach Klärung der grundsätzlichen
Fragen.“