Geschrieben von Karl-Heinz Wolter am 29. Juni 2021
Das Barbiser Landei
...und warum die Hühner von Alpakas bewacht werden
Seit mehreren Wochen betreibt der Barbiser Landwirt Sebastian Grunert mit Unterstützung seiner Freundin und der Familie als weiteren Zweig seiner Landwirtschaft auch eine Produktion von frischen Landeiern. Auf dem ca. 3,3 Hektar großen Freigelände in der Barbiser Feldflur, direkt gegenüber seiner Biogas-Anlage, werden 900 braune Hennen und fünf Hähne gehalten. Zusätzlich bewegen sich auf dem Gelände vier Alpakas, die dafür sorgen, dass die Hühner nicht von Greifvögeln und Füchsen angegriffen werden. Und von der Wirksamkeit dieser Wachtruppe ist Grunert überzeugt, denn als kürzlich die Alpakas zum Scheren einen Tag mal nicht auf der Weide bei den Hühnern waren, sind drei Hühner vermutlich von einem Fuchs getötet worden. Die in der Tat „glücklichen Hühner“ aus mobiler Freilandhaltung produzieren derzeit täglich ca. 800 verkaufsfähige Eier, die von verschiedenen gastronomischen Betrieben und Bäckereien der Region abgenommen werden. Demnächst kommen noch einige REWE-Märkte hinzu, die die frischen Eier beziehen. An dem Haus in der Silkeroder Straße 34a steht zudem ein Verkaufsstand, aus dem ebenfalls frische, gekühlte Eier erworben werden können.
Die Hühner laufen den ganzen Tag lang auf der Wiese herum und erhalten zusätzliches Getreide als Futter aus eigenem Anbau. Man kann also die hier produzierten Produkte als regional bezeichnen. Der Stall der Hühner ist ein transportables Farmermobil, welches elektronisch gesteuert die Versorgung der Tiere mit Futter und Wasser sicherstellt. In dem Farmermobil befindet sich ein Transportband, welches die Eier aus den Nestern in eine Hygieneschleuse transportiert, wo diese entnommen werden. Von dort werden sie in den Betrieb in die Silkeroder Straße gebracht, wo eine ebenfalls neu angeschaffte Sortiermaschine die Eier prüft, vermisst und stempelt. Mit dieser Maschine können bis zu 3500 Eier pro Stunde bearbeitet werden. Die gesamte Anlage ist behördlich überprüft und abgenommen worden.
„Es läuft ganz gut an“ sagt der Betreiber der Anlage, der mit anderen Anbietern für weitere Bio-Produkte demnächst noch intensiver in das Geschäft der Frischvermarktung einsteigen will. Derzeit muss er sich allerdings auch noch mit den Folgen des Brandes seiner Scheune am letzten Wochenende beschäftigen (wir berichteten). „Die Idee mit der Hühnerhaltung hatte eigentlich schon mein verstorbener Vater“ so Grunert. „Ich habe diese ersten Pläne und Gedanken von ihm jetzt in die Tat umgesetzt“. Und das Interesse an der sehenswerten Freilandhaltung ist groß; es vergeht nicht ein Tag, an dem nicht Interessenten zu der Anlage kommen und sich das Geschehen auf der Wiese anschauen.
Bei einem Besuch konnte sich der Verfasser selbst von der Neugierde und der Lebhaftigkeit der Hühner überzeugen. Und es entstand durchaus der Eindruck, dass sich Tiere dort richtig wohl fühlen. Nur die vier Alpakas waren etwas kamerascheu und wollten sich nicht aus der Nähe fotografieren lassen. Und einige Hühner „gehen ihre eigenen Wege“ und suchen sich immer wieder andere Nester, um ihre Eier dort zu legen; so zum Beispiel in einer mit Stroh bedeckten Ecke im Stall der Alpakas. Das scheint wirklich ein Indiz dafür zu sein, dass die Hühner sich hier wohl fühlen.



