Geschrieben von Von Hans Manhart, geprüfter Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) am 03. Oktober 2022
Pilzsaison kommt langsam im Harz in Gang
Was man finden kann, worauf man achten sollte



Wer aufmerksam dieser Tage durch die Laub- und Nadelwälder des Harzes streift, wird es schon bemerkt haben: verspätet, aber immerhin strecken die ersten Pilze ihre Hüte an die Luft. Der Regen der letzten Zeit hat ihnen gutgetan, denn Pilze brauchen wie die Pflanzen dringend Wasser. Die monatelange Dürre, von der auch der Harz besonders betroffen war, hat den Myzelien zugesetzt, so dass der Harz nahezu "pilzfrei" war. Aber der Regen lässt jetzt vereinzelt Champignons, Maronen, Schopf-Tintlinge und sogar Riesen-Schirmlinge und Hallimasch sprießen, so dass man hoffnungsvoll bei weiteren Niederschlägen auf den Oktober schauen kann. Da, wo noch intakter Fichtenwald steht, finden sich der Steinpilz, die Marone und der Flockenstielige Hexenröhrling an, der trotz intensiver Blaufärbung bei Anschnitt ein hervorragender Speisepilz ist. Die Verfärbung der Pilzfruchtkörper vergeht sowieso nach einiger Zeit und der Pilze schmeckt gut und gründlich durchgegart ganz hervorragend. Auch andere Pilzarten finden sich bis zu den ersten strengen Bodenfrösten.
Bleibt zu hoffen, dass noch weiterer Regen die Pilzsaison optimiert. Aber schon jetzt kann es sich lohnen, mit einem luftdurchlässigen, kleinen Körbchen auf Pilzpirsch zu gehen. In Naturschutzgebieten, Fauna-Flora-Habitat-Gebieten und im Nationalpark gilt das Wegegebot, das heißt man darf die Wege nicht verlassen, und sollte dort keine Pilze suchen. Naturschutz unbedingt beachten!
Pilze sammeln – aber sicher
Sammeln sollte man nur Arten, die man 100%ig kennt, sie kann man vor Ort mit dem Pilzmesser auch abschneiden, unbekannte Pilze sollte man mit einem Teelöffel vorsichtig aus ihrem Substrat heraushebeln, um den Pilz vollständig zu bergen. So lassen sich bestimmungswichtige Merkmale wie z.B. eine Stielknolle sichern. Auch sollte man genau schauen, wo man den Pilz gefunden hat (an Holz, auf dem Erdboden, an Stroh oder unter welcher Baumart). Übrigens ist ein Messer mit Bürste zum Putzen ideal.
Unbekannte Arten sollte man unbedingt getrennt von den sicher erkannten Speisepilzen sammeln, es empfiehlt sich Alufolie als sichere Transport- und Trennhülle im Korb. Pilze, die man nicht kennt, kann man mit Hilfe geeigneter Bestimmungsliteratur oder eines Pilzkenners bestimmen. Man muss auf die Sporenfarbe, Artmerkmale (z.B. Lamellenpilz, Röhrling, Porling, Bauchpilz usw.) und Standort achten.
Auf Pilzapps sollte man sich nicht unbedingt verlassen. Sie können wie die Navis schon mal in die Irre führen und nichts ist schlimmer, als wenn bei einem (tödlich) giftigen Pilz ein harmlose Art vorgeschlagen wird.
Nur frische Pilze ohne Maden gehören in den Korb. Pilzbabys und überalterte Pilze, aber auch sehr seltene Arten sind unbedingt stehenzulassen. Nur so viel sammeln, wie am gleichen Tag verarbeitet werden kann. Es gelten Sammelbeschränkungen von ca. 1kg Frischpilz pro Person. Last but not least: Speisepilze müssen immer mindestens 15 Minuten gegart werden. Im Kühlschrank halten geputzte und klein geschnittene Pilze maximal nur zwei Tage.
Auf den Kahl- und Totholzflächen des Harzes wächst meist nur der verbreitetste Pilz des Oberharzes, nämlich der ungenießbare, weil harte Rotrandige Baumschwamm in allen Altersstadien.
Allerdings kann man im Herbst und Spätherbst mit Glück den Hallimasch finden, der in Trupps an Stubben wächst und gründlich gegart ein vorzüglicher Mischpilz ist. Man muss ihn jedoch genau kennen, was für eine Verarbeitung in der Küche unabdingbar ist.
So bleibt zu Schluss nur die Empfehlung: Ab in die Pilze, Augen auf und Natur pur genießen !