Geschrieben von ski am 12. März 2014
Stuhlfabriken in Lauterberg stießen auf großes Interesse
Bei der jüngsten Ausstellung des St.-Andreas-Markttreffs zog das Thema besonders viele Besucher an
Einst war Bad Lauterberg ein richtiges Zentrum der Stuhlproduktion: eine ganze Reihe von Stuhlfabriken hatte Ende des 19. Jahrhunderst hier ihren Platz. Die Firmen Heinrich Hillegeist, Weiß/Böhme, Mennecke, Haltenhoff & Zeidler, Kaltwasser/Blödhorn: manche der Namen sind auch heute noch nicht vergessen. Dieses lokalhistorische Thema zog besonders viele Besucher ins Gemeindehaus der St.-Andreas-Gemeinde. Und die schauten sich die Exponate genau an: "Das sieht fast genau so aus wie meine Stühle!" meinte eine Besucherin. Denn einige Exemplare aus der hiesigen Produktion waren zu sehen, und vermutlich sind auch heute noch etliche Stühle aus der guten alten Bad Lauterberger Zeit erhalten - wenn nicht in der guten Stube, dann doch vielleicht im Keller oder auf dem Dachboden.
Viele Lauterberger standen um die Jahrhundertwende bei den Stuhlfabriken in Lohn und Brot. Flechtarbeiten für das Stuhlgeflecht wurden teilweise von den Frauen in Heimarbeit angefertigt. Auch in einigen umliegenden Orten, z.B. in St.-Andreasberg, gab es Stuhlfabriken. Doch der Konkurrenzkampf war hart, und der Preisdruck setzte den Firmen zu, die damals noch wenig rationell arbeiteten. Einige Firmen, unter anderem die Firma Heinrich Hillegeist und Mennecke, schlossen sich daher zu einer AG zusammen: die Germania produzierte ab 1908 auf dem Oderfeld.
Doch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten infolge des ersten Weltkriegs bedeuteten auch das Ende der Germania, die 1915 in Konkurs ging. Zwischen den Weltkriegen wurde in Bad Lauterberg aber immer noch etwas Stuhlproduktion u.a. von der Firma Blödhorn (vormals Kaltwasser) betrieben, bevor dann fast durchgängig auf Kleinmöbel und später Holzschnitt umgestellt wurde.
Die Besucher der Ausstellung bekamen Original-Kataloge der Fabriken zu sehen, aber auch Belegschafts- und Werksfotos. Und Hans-Heinrich Hillegeist, der Nachfahre des Gründers der gleichnamigen Stuhlfabrik, war persönlich anwesend und konnte noch bei vielerlei Fragen weiterhelfen. Die Gäste jedenfalls diskutierten eifrig und erkannten auch einiges auf den alten Bildern wieder.
Der nächste Markttreff findet am 4. April statt und befasst sich mit dem 100-jährigen Jubiläum des DRK-Ortsvereins.






