Geschrieben von ski am 21. September 2023
„Es zählt nicht nur die Hardware, sondern auch die Emotion“
Der Campingpark Wiesenbeker Teich wurde erneut mit fünf Sternen klassifiziert






Was macht einen Campingplatz zu einem Fünf-Sterne-Platz? Alle drei Jahre wird der komplette Betrieb von neuem begutachtet: der Campingpark Wiesenbeker Teich stellt sich den Auditoren des BVCD, des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Deutschland e.V und des DTV, des Deutschen Tourismusverbands. Denn es geht um die Klassifizierung mit dem bekannten Sternesystem. Schließlich soll der Gast sich, ganz nach dem Vorbild der Hotelbranche, daran orientieren können, wenn er sich auf die Suche nach einem Platz für sein Zelt, seinen Wohnanhänger oder sein Campingmobil macht. Und schon an dieser Aufzählung merkt man, wie unterschiedlich die Anforderungen sind, die die Urlauber stellen. Gleichzeitig haben Campingplätze ja ganz verschiedene Ausrichtungen und Zielgruppen, betonen Marlies und Peter Ahrens, die als Auditoren mehrere Stunden auf dem Platz und im Gespräch mit der Inhaberfamilie Dombrowsky verbringen. Ein Campingplatz hier im Harz hat ganz andere Voraussetzungen als einer an der See, und Familien mit kleinen Kindern legen Wert auf ganz andere Dinge als Senioren oder Gruppenreisende. Es ist also gar nicht so einfach, ein Konzept zu erstellen, das allen Campingfreunden zur Orientierung dienen kann und gleichzeitig so einfach zu erfassen ist wie eine Sternebewertung.
Dafür hat der BVCD ein ausgefeiltes System entwickelt, das die Bewertungskriterien in drei Hauptbereiche einteilt: Rezeption und Service mit insgesamt 11 Kriterien (z.B. Größe, Erreichbarkeit, Infomaterial, Fremdsprachen, Beratung, Einlasskontrolle, Gastronomie...), Standplätze mit 13 Kriterien (z.B. Stromanschluss, "Schnittstelle" Frisch- und Abwasseranschlüsse für Caravans und Wohnmobile, Gesamtzustand der Standplätze und Wege..) und der wohl wichtigste Bereich: Sanitär mit 20 Unterpunkten wie baulicher Zustand, Wände und Fußboden gefliest, Waschbecken, Duschen mit Warmwasser, WC-Ausstattung, Raumklima, Beleuchtung, Sauberkeit, Wäschetrockner, Waschmaschinen, Kochgelegenheit...
Aber dabei geht es längst nicht mehr darum, so wie früher einfach die „Hardware“ zu zählen, also die Anzahl der Toiletten, Waschbecken und Duschen, erklärt Peter Ahrens: „Heutzutage ist auch die Emotion wichtig, es wird also das Ambiente berücksichtigt“. Dennoch bedeutet das nicht, dass die Regularien nicht einzuhalten sind – da gibt es jede Menge Kriterien, wie die Sanitäranlagen genau beschaffen sein sollten, bis hin zur Breite von Duschabtrennungen. Doch die Beurteilung der Prüfer geht noch darüber hinaus: „Das Raumklima wird dabei auch berücksichtigt. Schön ist es, wenn der ganze Platz ein durchgängiges Konzept, einen durchgängigen Stil hat“, erklären die beiden Auditoren. So wie am Wiesenbeker Teich, wo sich der urig-gemütliche Stil und die liebevolle Dekoration von der Baude bis zu den Waschräumen durchziehen. Liebevolle Details sind es auch, die eher banale Orte wie die Spülküche oder den Raum mit Waschmaschine und Wäschetrockner dann so gemütlich machen, dass sich die Gäste wohlfühlen. Und die praktischen Kleinigkeiten, an die gedacht wurde: beispielsweise ein kleines Becken für die schnelle Handwäsche bei den Waschmaschinen oder eine Mikrowelle in der Küche, die den Gästen bei Bedarf zur Verfügung steht.
Jedes Jahr gibt es neue Trends und Entwicklungen in der Branche, erzählen die beiden Auditoren – und der Verband passt seine Bewertungskriterien auch den veränderten Gewohnheiten und Ansprüchen der Camper an. Von einem („einfach“) bis zu fünf Sternen („exklusiv“) kann ein Campingplatz erringen, und wer darüber hinaus noch durch zusätzliche, besondere Freizeitangebote besticht, kann den Zusatz Superior erhalten. Der BVCD legt dabei großen Wert auf Transparenz bei der Einstufung; der Kriterienkatalog und der Bewertungsbogen sind dabei auf der Webseite abrufbar, und im Gespräch mit den Inhabern erläutern die Auditoren auch ihre Entscheidungen.
Allerdings lassen sich längst nicht alle Campingplätze auf eine Klassifizierung ein. In Niedersachsen sind es etwa 60 Plätze, also nur rund 25 Prozent, die daran teilnehmen. Maik Dombrowsky findet das schade: „Die Kosten dafür sind doch vergleichsweise banal.“ Aber Familie Dombrowsky muss ja mit ihrem Betrieb auch keinen Vergleich scheuen - wenige Tage nach dem Besuch der beiden Auditoren haben sie das Ergebnis des Verbands mitgeteilt bekommen: der Campingpark Wiesenbeker Teich darf sich weiterhin mit Fünf Sternen und dem Zusatz Superior schmücken.