Geschrieben von ski am 25. Dezember 2023
Landkreis warnt: ab sofort erhöhte Wasserabgabe an der Odertalsperre
Vorsicht bei der Interpretation der Messwerte




Bereits am Mittag hatte der Landkreis Göttingen per KATWARN gewarnt, dass es zu einer erhöhten Wasserabgabe aus der Sösetal- und der Odertalsperre kommen werde. Nun ist es offenbar tatsächlich soweit: Kurz vor 22 Uhr vermeldete der Landkreis, dass aufgrund der vorhergesagten Niederschläge im Harz müssen die Abgabemengen der Sösetalsperre und der Odertalsperre nochmals erhöht werden müsse. Für die Oder gelte dies bereits mit sofortiger Wirkung.
Nur manchmal erreichbar ist die Webseite der Harzwasserwerke, die am Nachmittag aufgrund zu vieler Anfragen zusammengebrochen war. Die letzte Meldung auf der Fehlerseite stammt von 14 Uhr; weitere Pressemitteilungen der HWW gibt es bislang (Stand: 22 Uhr) nicht. Als die Seite mit dem Talsperreninformationssystem TALIS kurzzeitig erreichbar war, konnte man die Daten zum Stauinhalt, zum Zufluss und zur Abgabe entnehmen (siehe Screenshot). Hier lässt sich eine sukzessive Erhöhung der Abgabemenge ab ca. 21 Uhr erkennen.
Vorsicht bei der Interpretation der Daten zur Abgabe!
Achtung: die Daten zur Abgabemenge müssen jedoch mit großer Vorsicht interpretiert werden! Tatsächlich ist es so, dass die dort angezeigten Abgabemengen bereits seit Heiligabend als steigend angezeigt wurden. Dies entspricht jedoch nicht der tatsächlichen von den HWW gesteuerten Abgabe, die die ganzen Tage seit Donnerstag, dem 21.12. bis heute abend bei 10 m³ /Sekunde immer gleich gleich blieb und nun auf bis zu 14,5 m³/s erhöht werden soll.
Die falschen Werte an der Messstation rühren daher, dass die Durchflussberechnung aus der Durchflussrate und dem Wasserstand vollzogen wird. Diese Berechnung funktioniert jedoch nur bei freiem Abfluss, also ohne Rückstau am Pegel. Aufgrund des hohen Wasserstands kam es jedoch zu einem Rückstau, der die Messwerte für die Abgabe ungültig werden ließ. Die Werte für Zufluss und Stauinhalt sind natürlich davon unbeeinflusst.
Der gemessene Pegel aus der Sperrlutter, die ja direkt nach der Sperre in die Oder mündet, ist jedoch weiter stark fallend, wie man hier auf der Seite des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) nachsehen kann, wo die einzelnen Pegel für ganz Niedersachsen zu finden sind. Möglicherweise wird sich also die erhöhte Menge, die aus der Sperre in die Oder abgelassen wird, weniger dramatisch auswirken als befürchtet. Auch die Messwerte der Pegelstelle an der Erikabrücke geben Hoffnung.
Bereits zweimal stark erhöht wurde die Wasserabgabe aus der Sösetalsperre, die zu 97% gefüllt ist.
Screenshots von der Webseite der HWW, als die Seite gegen 22:30 Uhr kurz erreichbar war.
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