Geschrieben von ski am 14. Februar 2024
Ein einsatzreiches Jahr für die Bad Lauterberger Wehr
Nicht nur das Weihnachtshochwasser hielt die Feuerwehrleute auf Trab: Bericht aus der JHV







Die Hochwassereinsätze rund um die Weihnachtsfeiertage, rund 100 Stück an der Zahl, sind der Schwerpunkt des Einsatzgeschehens der Bad Lauterberger Feuerwehr im vergangenen Jahr. Das Hochwasser und die damit verbundenen Geschehnisse sorgten für eine außergewöhnlich hohe Zahl an Alarmierungen: von insgesamt 281 Einsätzen berichtete Ortsbrandmeister Daniel Welz bei der Jahreshauptversammlung am 10.02.2024 – annähernd eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr.
Der kritische Blick auf die Pegelstände, die vielen vollgelaufenen Keller, die Überspülung der Straße zum Wiesenbeker Teich, der gerade noch rechtzeitig entlastete Hüttengraben, die Hilfe zur Selbsthilfe mit den für die Bürger zur Verfügung gestellten Sandsäcken – das Weihnachtshochwasser ist nicht nur den Feuerwehrleuten, sondern auch den Lauterbergern noch ganz frisch in Erinnerung. Doch das waren bei weitem nicht die einzigen markanten Einsätze 2023.
Gleich am 3. Januar war etwa der Dachstuhl des ehemaligen Kinos in der Wissmannstraße abgebrannt, wobei nur wenige Minuten nach Alarmierung die ersten Kräfte bereits eingetroffen waren, wie Welz feststellte. Eine für die Kameradinnen und Kameraden potentiell gefährliche Brandsituation gab es auch im Oktober, als sich bei einem Pkw-Brand, der an und für sich erst einmal keine allzu dramatische Sache ist, Munition im brennenden Auto befand.
Überarbeitung der Gebührensatzung angeregt
Daneben gab es zahlreiche Einsätze wie eine Mithilfe bei Personensuche, Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen und dergleichen mehr. Ärgerlich sind dabei natürlich unnötige Einsätze aufgrund von Fehl- und Täuschungsalarmen von Brandmeldeanlagen, etwa bei Hotels und Kliniken. Eine weitere Ursache etlicher Einsätze sind, so Welz, mittlerweile die Tragehilfen für den Rettungsdienst, wo beispielsweise dieselbe Person eine ganze Reihe von Einsätzen verursachte, da sie zu medizinischen Behandlungen gebracht wurde. „Da muss man sich schon fragen, ob das jedesmal nötig ist, dass die Feuerwehr mit der Drehleiter anfährt“. Welz regte an, die Gebührensatzung der Stadt zu überarbeiten: „Es ist gut und richtig, wenn gewisse Einsätze abgerechnet werden“. Privatleute sollten dabei nicht über Gebühr belastet werden, aber der Ortsbrandmeister wünschte sich „eine Abrechnung mit Augenmaß“, auch beispielsweise im Hinblick darauf, dass die Feuerwehr ehrenamtlich das Oktoberfest absicherte, eine Veranstaltung mit dreieinhalbtausend Besuchern, die mittlerweile kommerziell und keine Vereinsveranstaltung mehr ist. Ein kurioser, aber möglicherweise mit etwas mehr Eigeninitiative der Bevölkerung (und mit einem Paar Handschuhe) vermeidbarer Einsatz sei auch die Rettung eines jungen Fuchses aus einem Swimmingpool gewesen: "Ist es wirklich nötig, dafür die Feuerwehr zu rufen?"
"Wir würden auch gern ein neues Feuerwehrhaus haben"
Ein weiteres Thema des Berichts des Ortsbrandmeisters war natürlich das Feuerwehrhaus: „Wir würden auch gerne ein neues Feuerwehrhaus haben“, sagte Welz bezogen auf den Neubau des FW-Hauses Osterhagen/Bartolfelde und den vorgesehenen Fahrzeughallenbau in Barbis. Hier richtete er sich besonders an Bürgermeister Rolf Lange und die anwesenden Ratsmitglieder: „Es wäre schön, wenn wir in diesem Jahr einem Grundstück näherkommen“. Zuletzt war das Bad Lauterberger Feuerwehrhaus in der Scharzfelder Straße 1990 im Bestand umgebaut und erweitert worden. „Die Feuerwehr hat keine Wünsche, sondern Bedarfe“, so Welz zum Thema Ausrüstung. Mitte des Jahres soll ein neues Fahrzeug in den Dienst der Lauterberger Wehr (und ein weiteres in den Dienst der Barbiser Wehr) gestellt werden: „Wir sind voller Erwartung“. Er regte ausserdem an, die Bestandsfahrzeuge mit Abbiegeassistenten auszustatten. Insgesamt sei man trotz Sachzwängen eigentlich immer zu einer Lösung mit der Stadt gekommen.
73 Feuerwehrleute sind derzeit in der Einsatzabteilung aktiv. Insgesamt, so Daniel Welz, sei es ein gutes erstes Jahr für ihn im Amt des Ortsbrandmeisters gewesen, denn: „Wir haben eine Supermannschaft“.
Weitere Berichte
Zugführer Pascal Herbrich betonte in seinem Bericht, dass in der Feuerwehr neben den Einsätzen und den normalen Dienstabenden auch noch die ganzen Sonderdienste geleistet werden, wie z.B. bei der Drohnenstaffel und den Fachzügen der Kreisebene. Bedarf gebe es noch bei weiteren Führerscheinen. Erfreulich ist der Zuspruch der Kinderfeuerwehr; Kinderfeuerwehrwartin Frederike Wilhelms konnte berichten, dass für die 29 Kinder das größte Highlight die Anschaffung von Uniformen war, mit denen sie nun so aussehen wie die „Großen“. Die Jugendfeuerwehr hat 24 Mitglieder; Jugendfeuerwehrwart Dustin Pfeffer berichtete über verschiedene Sonderdienste wie die Stadtjugendfeuerwehrübung. Bei den Wettbewerben habe man trotz wenig Zeit zum Üben im guten Mittelfeld gelegen; ein aufregendes und erlebnisreiches Zeltlager hat die Jugendfeuerwehr in Reichersbeuern verbracht. Der Sprecher der Altersabteilung, Bernd Jackisch, berichtete von 12 Treffen im vergangenen Jahr und gab sein Amt nach 17 Jahren auf; er wurde dafür mit einem Blumenstrauß geehrt. Künftig werden Rainer Fricke, Karl-Heinz Kutschinske und Bernd Tölle als Sprecher der Altersabteilung mit ihren 21 Mitgliedern fungieren und Claus-Peter Armbrecht wird die Kassenführung der Altersabteilung übernehmen.
Bericht des Stadtbrandmeisters
Stadtbrandmeister Bernd Wiedemann berichtete über die neue Bekleidungsordnung, die in Kürze in Kraft treten solle Außerdem werde es neue Dienstgrade geben, angepasst an die Dienstgrade der Berufsfeuerwehr. Die neue Truppmann-Ausbildung soll im Sommer beginnen; dazu laufen derzeit die Vorbereitungsarbeiten. Während alle angeforderten Lehrgänge an der FTZ (Feuerwehrtechnische Zentrale) im Altkreis bewilligt wurden, sei nur ein Drittel der Lehrgänge an der NLBK (Landesfeuerwehrschule in Celle) bewilligt worden.
Wiedemann richtete sich besonders an die Stadtverwaltung: die Einsatzlage zu Weihnachten habe gezeigt, wie wichtig es wäre, einen Gefahrenabwehrplan zu haben. Dieser solle durch die Stadt erstellt werden, die Feuerwehren seien jedoch dabei noch nicht einbezogen worden. Außerdem habe sich beim Weihnachtshochwasser erwiesen, dass es unpraktisch sei, die Einsatzleitung bei Unwetterlagen über mehrere Tage in der Fahrzeughalle einzurichten. Im gesamten Stadtgebiet zusammen mit den Ortswehren seien im vergangenen Jahr 443 Einsätze zu verzeichnen gewesen, so der Stadtbrandmeister: „Vor zehn Jahren waren es noch 88 Einsätze“. In den nächsten Jahren sei damit zu rechnen, dass Unwetterlagen, Hochwasser und Sturmlagen dabei weiter zunehmen werden. Er forderte eine bessere Ausrüstung beispielsweise für Wald- und Flächenbrände, aber auch beispielsweise geeignete Einsatzkleidung für Regen und Hitze. Außerdem sei dringend eine bessere digitale Ausstattung nötig. Die Bad Lauterberger Ortswehr dürfe außerdem nicht schlechter gestellt werden also die Ortswehren Osterhagen/Bartolfelde, etwa mit der Ausstattung mit Smartboards im Feuerwehrhaus. Auch er forderte den Bürgermeister auf, mit aller Kraft daran zu arbeiten, dass schnellstmöglich ein Grundstück oder eine Lösung für das Bad Lauterberger Feuerwehrhaus gefunden wird.
Gefahrenabwehrplan sei in Arbeit
Bürgermeister Rolf Lange überbrachte die obligatorischen Grüßen von Rat und Verwaltung und bedankte sich nochmals ausdrücklich bei allen Kameradinnen und Kameraden für ihre Einsatzbereitschaft beim Weihnachtshochwasser sowie deren Partnern und Familien, die ja über Weihnachten alleine gesessen haben. „Dieser Einsatz hat gezeigt, dass man sich auf die Feuerwehren der Stadt Bad Lauterberg verlassen kann“. Die Stadt habe mit der Erstellung eines Gefahrenabwehrplans begonnen und werde zu gegebener Zeit sämtliche Wehren und Hilfsorganisationen einbeziehen.
Markus Herzberg konnte vom Kreisfeuerwehrverband berichten, dass Anfang 2025 Baubeginn für die neue FTZ in Ebergötzen sein ssoll. In diesem Jahr konnte die Bad Lauterberger Gollée GmbH & Co (Kirchberg-Klinik) als „Partner der Feuerwehr“ von der Innenministerin Daniela Behrens ausgezeichnet werden; in diesem werden außerdem die GFFF-V -Fahrzeuge zur Vegetationsbrandbekämpfung ausgeliefert (Ground forest fire fighting using vehicles/GFFF-V), von denen eines im Bereich Bad Lauterberg stationiert wird.
Klimawandelfolgen als Herausforderung für die Feuerwehr
Der höchstrangige Besucher der Jahreshauptversammlung war natürlich wieder einmal Karl-Heinz Banse, der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes. Er freute sich, wieder in seiner Heimatwehr zu Gast zu sein, wo alles angefangen hat. Besonders lobte er die starke Kinder- und Jugendfeuerwehr und den überdurchschnittlichen Anteil weiblicher Mitglieder. Die Feuerwehren in Deutschland, aber auch in Europa beschäftigen sich derzeit mit den Folgen des Klimawandels und der Frage, was dies für die Wehren künftig bedeute, insbesondere, wenn die Bundeswehr für Katastrophenhilfe nicht mehr zur Verfügung steht. Das Land Niedersachsen, so Banse, sei dabei übrigens bundesweit „sehr gut unterwegs“.
Ernennungen und Beförderungen
Bei der Versammlung konnten drei Mitglieder von der Jugendfeuerwehr an die Einsatzabteilung übergeben werden: Alena Geibel, Devin Kempe und Leon Kumm.
Beförderungen zum / zur:
Feuerwehrfrau /-mann - Anwärter/ in:
Geibel, Alena
Kempe, Devin
Feuerwehrfrau /-mann:
Drewes, Johanna
Holthausen, Madlen
Kemmling, Jacqueline
Ramm, Mareike
Jockisch, Lars
Kumm, Leon
Lindenberg, Marvin
Markworth, Eric
Metzler, Timo
Riechel, Johanna
Sawall, Fynn-Janik
Wehe, Maximilian
Hauptfeuerwehrfrau /-mann:
Dannhauer, Frederike
Tölle, Tanja
Wilhelms, Frederike
Langer, Jason
Pfeffer, Dominic
Spielvogel, Philipp
Erste/r Hauptfeuerwehrfrau /-mann:
Tölle, Maren
Pfeffer, Dustin
Reinholz, Fabio
Wilhelms, Sven
Löschmeister: Dannhauer, Jannik
Hauptlöschmeister: Welz, Daniel
Oberbrandmeister: Dannhauer, Julian
Ehrungen:
Das Niedersächsisches Feuerwehrehrenzeichen für langjährige Verdienste erhielten:
für 25 Jahre: Schneider, Jörg
für 40 Jahre: Bech; Thomas und Winter, Holger
für 50 Jahre: Hardt; Thorsten
für 60 Jahre: Banse, Hans-Ludwig
Von der Versammlung wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt:
Röger, Sieghart
Banse, Hans-Ludwig
Armbrecht, Klaus-Peter
Knocke, Dieter