Geschrieben von Petra Hoeft, Förderverein Schloss Herzberg e.V. am 19. März 2024
Vom Tabakskollegium und Austernfrühstück
Herzberger Schlossvorträge: Dr. Meffert zu archäologischen Grabungen im Schloss Herzberg
Der Förderverein Schloss Herzberg konnte Herrn Dr. Meffert von der Firma Goldschmidt Archäologie und Denkmalpflege am 14. März zu einem Schlossvortrag im gut besuchten Rittersaal des Schlosses begrüßen. Die Firma Goldschmidt begleitet die Schlosssanierung seit 2017 mit archäologischen Untersuchungen und öffnet so immer mal wieder ein Fenster in die Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner.
Dr. Meffert gab zu Anfang einen kurzen geschichtlichen Überblick zu Burg und Schloss Herzberg und stellte heraus, dass Burg Herzberg im Mittelalter schon bedeutend gewesen sein muss, denn sonst hätte Heinrich der Löwe die Burg nicht erworben und wäre nicht mindesten zweimal hier gewesen. Nach einem kurzen Ausflug in die Geologie des Schlossgeländes mit der Problematik der Hangzerreißung führte der Archäologe zusammen mit seinem Assistenten Alexander Aust die Besucher gedanklich über das Gelände und durch das Schloss. Dabei ging er auf den Vorgängerbau des jetzigen Torhauses, den Gefängnisbau von 1772, das historische Hofpflaster, dass ca. 1 m unter der jetzigen Deckschicht gefunden wurde und auf die vier Flügel des jetzigen Schlosses und die Vorgängerbauten ein. Er stellte heraus, dass seine Arbeiten immer dann erforderlich sind, bevor die Handwerker mit den Sanierungsarbeiten beginnen. Sein Auftrag sei die Sicherung archäologischer Befunde. Aber von Zeit zu Zeit reize ihn auch die archäologische Forschung. Und so versuchte er auch zur Freude der Vortragsgäste die Funde einzuordnen.
Bei Grabungen an der stadtseitigen Außenmauer des Sieberflügels sei das Problem der Hangzerreißung an den freigelegten alten Burgmauer deutliche hervorgetreten. Daher habe man auch die Burg hier aufgegeben und den Sieberflügel weiter zurückgesetzt. Hier habe man viele Küchenabfälle wie Knochen, Schneckenhäuser und Austernschalen gefunden, alle wohl nach 1650 hier „hingekippt“. Es sei ein Glückfall, dass es mit den Küchenbüchern um 1650, die ihm in Auszügen vorlagen, möglich war, die Funde zuzuordnen. So sei der damals nicht bewaldete Schlossberg sicher eine gute Fundstelle für Weinbergschnecken gewesen und der Fisch, der auf die herzogliche Tafel kam, sei eindeutig der Sieber und den umliegenden Seen zuzuordnen. Man habe hier wohl keine Lachse wie in Dresden serviert, sich aber doch den Luxus des Austernfrühstücks geleistet. Glasscherben deuten darauf hin, dass man bei Hofe im 18. Jahrhundert Wasser aus Bad Pyrmont getrunken habe.
Dr. Meffert ging dann auf die aktuellen Grabungen im Bereich des Grauen Flügels ein. Hier müsse wohl im Mittelalter eine Art Bastion gestanden haben, so die Befunde zu den freigelegten Mauerfundamenten. Man habe dann um 1640 neue Fundamente gesetzt, auf denen heute noch der Nachfolgebau des damaligen Neubaus stehe. Das Kellergewölbe stamme sicher aus der Zeit um 1640.
Spannend seien die Grabungen im Bereich des Stammhausflügels und Neuen Flügels gewesen. Hier wurden alte Mauern und Fundamente einer Schlossküche freigelegt, die neuzeitlich überbaut waren. Man sei dann noch tiefer in den Boden eingedrungen, habe Brandspuren des großen Burgbrandes von 1510 freigelegt und sich dann tiefer „in das Mittelalter“ hineingegraben, allerdings keine mittelalterlichen Funde bekommen. Deutlich sei allerdings geworden, dass nach 1510 hier die Schlossküche gestanden habe. Porzellanscherben deuten darauf hin, dass die Damen sich bei Hofe wohl regelmäßig zu Teenachmittagen getroffen haben. Die Herren des Hofes bevorzugten wohl Tabakkollegien, wie sie am Preußischen Hof zu Zeiten Friedrichs I. um 1710 gepflegt wurden. Darauf deuten Funde von Tonpfeifen hin.
Am Schluss ging Dr. Meffert noch einmal kurz auf das Jagdprivileg der Fürsten und den Hirschgraben, der vor dem Schloss angelegt sei, ein. Man habe auch den Graben archäologisch untersucht. Er sei ursprünglich drei Meter tiefer gewesen und immer wieder mit Bauschutt aufgefüllt worden. Von der Struktur des Grabens her sei es nicht möglich gewesen, hier Hirsche zu halten. Allerdings sei es denkbar gewesen, dass man im Rahmen von Jagden Hirsche in den Graben getrieben und dann getötet habe.
Manfred Kirchner vom Förderverein und die Besucher dankten dem Referenten für den erfrischenden Vortrag, in dem es ihm gelungen sei, archäologische Funde mit regionaler Zeitgeschichte zu verknüpfen und gut verständlich darzustellen.

