Geschrieben von ski am 08. September 2024
Zwei Wehren unter einem Dach
Das gemeinsame Feuerwehrhaus von Bartolfelde und Osterhagen wurde eingeweiht







Das neue, gemeinsame Feuerwehrhaus der Wehren Osterhagen und Bartolfelde war mit zahlreichen Ehrengästen, Feuerwehrleuten und Besuchern gefüllt, und noch mehr standen am Samstag, 07.09.2024 vor der Halle in der sommerlichen Hitze. Gerade war Stadtbrandmeister Bernd Wiedemann mitten in seiner Begrüßungsrede, da schrillte der Pieper und zahlreiche der anwesenden Feuerwehrleute, nämlich Kameradinnen und Kameraden der Ortswehren Barbis und Bad Lauterberg, sprangen auf und rückten erst einmal aus. „Das ist eben Leben mit der Lage – wir sind das ja gewohnt“, scherzte Wiedemann, als wieder Ruhe bei der Zuhörerschaft eingekehrt war. Ein besseres Symbol für die Notwendigkeit von einsatzbereiten Feuerwehren hätte es gar nicht geben können – der zeitgleiche Waldbrand am Brocken war ja ebenfalls in den Köpfen präsent.
"Herr Schröder, ist das Ihr Ernst?"
Das neue Gebäude, das zwischen Osterhagen und Bartolfelde in der Bauke liegt und nun beide Wehren gleichermaßen beherbergt, konnte dennoch endlich richtig und standesgemäß eingeweiht werden. Es war ja auch ein langer, und steiniger Weg bis zu diesem Tag gewesen, woran beispielsweise der Osterhagener Ortsbrandmeister Kai Giza erinnerte. Begonnen hatte die ganze Entwicklung mit einer Überprüfung durch die FUK, die Feuerwehrunfallkasse, die der gesetzliche Unfallversicherungsträger der Feuerwehrleute ist, also sozusagen wie eine Berufsgenossenschaft. Sie hatte die Gerätehäuser der Stadt Bad Lauterberg überprüft und erhebliche Mängel beanstandet. Die bisherigen Gebäude in Bartolfelde und Osterhagen entsprachen nicht mehr den Vorschriften. Fehlende Umkleiden und Sanitärräume, fehlende technische Sicherheitsanlagen, vor allem aber viel zu kleine Hallen für die aktuellen Fahrzeuge. Kein Wunder, dass der Gutachter der FUK seinerzeit zum damaligen Ortsbrandmeister Klaus-Dieter Schröder, als dieser das Tor in Osterhagen öffnete, nur sagte: „Herr Schröder, ist das Ihr Ernst?“ An den beiden Standorten gab es keine Möglichkeit mehr, diese so anzubauen oder umzugestalten, dass sie den heutigen Anforderungen entsprechen.
Steiniger Weg bis zum Zusammenrücken
Aber das traute Heim verlassen, und gar mit der anderen Feuerwehr in ein gemeinsames Gebäude ziehen? „So richtig Begeisterung kam da am Anfang nicht auf“, gab Giza zu. Aber nach einiger Zeit und vielen Sitzungen kristallisierte sich auf beiden Seiten heraus: „Ja, wir wollen das gemeinsame Haus, aber als zwei getrennte Ortsfeuerwehren mit zwei getrennten Kommandos“. Und so ist es nun gekommen: das neue Gebäude beherbergt beide Wehren. Platz für vier Fahrzeuge, 1.150 Quadratmeter Fläche, 5.300 Kubikmeter umbauter Raum, 26 Pkw-Stellplätze. Getrennte, aber praktisch identische Schulungsräume jeweils für die Osterhagener und die Bartolfelder Wehr (natürlich jeweils mit der eigenen, unverzichtbaren Theke) und getrennte Büros für die Einsatzleitungen. Gemeinsam genutzt werden dagegen die Umkleideräume für Männer und Frauen und die jeweiligen Sanitäranlagen, die Räume für die Kinder- und Jugendfeuerwehr, die Atemschutzwerkstatt, das Materiallager, die Nutzräume für Schlauchpflege, Stiefelwäsche usw. Außerdem befindet sich noch eine gemeinsame Kleiderkammer der gesamten Wehren der Stadt Bad Lauterberg in dem neuen Gebäude.
Die Gesamtkosten belaufen sich mittlerweile auf über vier Millionen Euro – eine gewaltige Summe für die klamme Stadt. Das gibt auch Stephan Mahnke zu, der als Staatssekretär des Innenministeriums als Ehrengast anwesend war: „Ich weiss, die Stadt ist nicht auf Rosen gebettet, und bei über vier Millionen Baukosten, da sind auch die 450.000 Euro Zuschuss durch das Land nur ein sehr kleiner Beitrag“. Er – wie auch viele andere Redner – lobte die Bereitschaft der beiden Wehren, enger zusammenzurücken: „Das ist eine ganz besondere Geschichte hier“. Auch Kreisrätin Marlies Dornieden sprach ihre Anerkennung dafür aus. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man zwischen zwei Orte baut. Es geht nicht nur ums Zusammenlegen, man muss auch die Identität bewharen – herzlichen Glückwunsch zu diesem Schmuckstück!“.
Kostenexplosion von zwei auf über vier Millionen
Angesichts des wirklich gelungenen und durchdachten Neubaus sind nun die beteiligten Wehren froh, ihre Vorbehalte überwunden zu haben, und dankten auch dem früheren Bürgermeister Dr. Thomas Gans und dem früheren Stadtbrandmeister Klaus-Dieter Schröder, die dieses Projekt initiiert und mit vielen Gesprächen und Verhandlungen vorangetrieben hatten. Das sprach auch der Architekt Markus Otto in seinem Grußwort an, der daran erinnerte, wie seinerzeit vor fast acht Jahren die Gespräche begannen, eine Machbarkeitsstudie und eine Grundstückssuche folgten. Dass die Kosten für das Gebäude so explodiert sind – ursprünglich waren die Kosten mit rund zwei Millionen Euro veranschlagt – erklärte der Architekt mit den Verzögerungen durch Corona, Facharbeitermangel, den gestiegenen Kosten für Baumaterial und den komplizierten Regelungen für Ausschreibungsverfahren.
Großes Interesse der Bevölkerung
Zahlreiche Grußworte und Danksagungen später und nach einem Segenswort durch Pastor Simon Burger konnte Bürgermeister Rolf Lange endlich den Schlüssel symbolisch aus der Hand des Architekten empfangen und an die beiden Ortsbrandmeister für Osterhagen, Kai Giza, und Bartolfelde, Matthias Meyer, weitergeben. Er freute sich, dreieinhalb Jahre nach dem Spatenstich das Gebäude übergeben zu können: „Wenige Bürgermeister kommen in den Genuss, so etwas zu erleben“.
Und weil die Einweihung eines neuen Feuerwehrhauses wirklich eine Besonderheit ist, ließen es sich trotz der großen Hitze auch viele Anwohner aus beiden Ortsteilen und interessierte Gäste nicht nehmen, ordentlich mitzufeiern.