Geschrieben von Rolf Steinke am 04. Oktober 2024
Gottesdienst, Nationalhymne, Erbsensuppe, Bratwurst und mahnende Worte
Walkenrieder, Ellricher und Gäste feiern das 35. Rotbuchenfest zusammen
Vor über 35 Jahren saß der Autor dieses Berichtes vor dem Fernseher und glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Menschen mit Trabis fuhren über die bisher unüberwindbare Grenze. Menschen kletterten auf die bisher stark geschützte, 1963 gebaute Mauer. Jubel und Freude überall.
Bundesregierung lässt Menschen in der Prager Botschaft jubeln
Es war sicher einer bewegensten Momente in Deutschland, als am 30. September der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Deutschen Botschaft in Prag den ungefähr 3500 Flüchtlingen aus DDR zurief “Wir sind gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…“ Euphorischer Jubel brach aus, bis Genscher nach einigen Minuten weitere Einzelheiten mitteilen konnte. Genscher wurde begleitet vom Bundesminister Rudolf Seiters.
Pressekonferenz mit Sensation
Am 9. November 1989 verkündete das damalige Mitglied des Zentralkomitees der SED Günter Schabowski auf Nachfrage eines Journalisten, ob an allen Grenzen zur Bundesrepublik eine Ausreise möglich sei: "Das trifft nach meiner Kenntnis sofort und unverzüglich zu.“
Es wächst zusammen, was zusammen gehört
In einem Openair-Gottesdienst beim Rotbuchenfest gab es sehr unterschiedliche Predigten. Pfarrer Heiner Reinhard aus Walkenried befasste sich in seiner Predigt mit der sichtbaren Unzufriedenheit vieler Bürger. Roland Lehmann, Lektor und Gemeindekümmerer aus dem Kirchenkreis Südharz, stellte in seiner Predigt die schöne Landschaft in den Mittelpunkt, die er auch als geniale Schöpfung von Gott bezeichnete. Bürgermeister Henry Pasedow aus Ellrich rief die Bürger auf, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. Allerdings wird es immer einen Unterschied zwischen den Ländern Thüringen und Niedersachsen geben, betonte er.
Landrat Matthias Jendricke aus Nordhausen erinnerte an die friedlichen Demos in der DDR, ohne die es keine Wiedervereinigung geben würde. Lars Deiters, Bürgermeister aus Walkenried, lobte die gute Zusammenarbeit beider Gemeinden. Er lobte den Tourismus in den neuen Bundesländern, kritisierte aber auch die unterschiedlichen Löhne zwischen den alten und neuen Bundesländern. Mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne wurde der offizielle Teil beendet.
Mehr Positives in den Vordergrund stellen
Im Gespräch mit LauterNEUES äußerte sich eine Bürgerin aus Ellrich. Herta (83), sie fand den Gottesdienst sehr feierlich. Allerdings sollte nicht immer nach Problemen gesucht werden. Es geht den Menschen aus der ehemaligen DDR doch recht gut. Von Mühlhausen führte ihr Weg nach Nordhausen. Sie beschrieb das Leben in der DDR als gläubige Christin. Mit ihren Kindern machte sie Ausflüge in den Harz. Immer wieder betonte sie, dass eine vernünftige Erziehung im Elternhaus wichtig ist und dort die Weichen für die Zukunft gestellt würden.